Kanton Solothurn
«Wir sind bei den Leuten»: Pensionskasse profitiert von ausländischen Aktien

Die Pensionskasse Kanton Solothurn, darf mit den Zahlen zufrieden sein: Sie blickt auf ein gutes Geschäftsjahr zurück. Dabei wurden vor allem von Anlagen in ausländischen Aktien und Immobilien profitiert, mit 15% beziehungsweise 7.3% Rendite.

Elisabet Seifert
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Reto Bachmann, Direktor der Pensionskasse Kanton Solothurn, darf mit den Zahlen zufrieden sein: Er blickt auf ein gutes Geschäftsjahr zurück.

Reto Bachmann, Direktor der Pensionskasse Kanton Solothurn, darf mit den Zahlen zufrieden sein: Er blickt auf ein gutes Geschäftsjahr zurück.

Hanspeter Bärtschi

«Wir sind bei den Leuten.» Damit kommentierte der Direktor der Pensionskasse Kanton Solothurn (PKSO) die im letzten Jahr auf den Anlagemärkten erzielte Rendite von 4,2 Prozent. Seine Bemerkung könnte man aber auch als Bekenntnis zu einer neuen, offenen Kommunikation mit der Öffentlichkeit verstanden wissen. Anfang Februar bereits gewährten Reto Bachmann und Beat Käch, Präsident der Verwaltungskommission, an einem Mediencafé einen Einblick in die damals noch provisorischen Zahlen des Anlagejahres 2016.

Heute präsentierten Bachmann und Käch, zusammen mit Alois Müller, Präsident des Anlageausschusses der PKSO, an einer Medienkonferenz in Solothurn die Zahlen des druckfrischen Geschäftsberichts 2016. Erstmals seit zehn Jahren legte die Spitze der kantonalen Pensionskasse damit öffentlich Rechenschaft ab über ihre Tätigkeit im vergangenen Jahr.

Die gute Rendite entspreche einem Vermögensertrag von 188 Mio. Franken, wie Bachmann darlegte. Dank dieses Ertrages konnten die Wertschwankungsreserven um 20 Mio. Franken auf 159 Mio. geäufnet werden. Dies wiederum führte 2016 im Vergleich zum Vorjahr zu einem Anstieg des Deckungsgrades von 103,2 auf 103,5 Prozent. Zufrieden verwies er auf die tiefen Verwaltungskosten von 158 Franken pro Destinatär. Vergleichsstudien nennen für öffentliche Pensionskassen einen Durchschnittswert von 241 Franken.

Einen Wermutstropfen stellt für Direktor Bachmann indes dar, dass im Jahr 2016 drei Organisationen mit Anschlussvertrag die Pensionskasse Kanton Solothurn verlassen haben. Von den gegen 12 000 aktiv Versicherten der PKSO gehen etwa 1500 Mitglieder (und damit 12 Prozent) auf das Konto solcher angeschlossenen Mitglieder. Um einer weiteren Abwanderung von Einwohnergemeinden oder anderen Organisationen zu begegnen, sei für 30. August eine Arbeitgebertagung für angeschlossene Mitglieder geplant.

«Hoch diversifiziertes Portfolio»

Die neue, offensive Informationsstrategie der PKSO sei eine Folge davon, dass die Kasse im Januar 2015 in die Selbstständigkeit entlassen worden ist, betonte Beat Käch. Damit unterstehe die PKSO nicht mehr der parlamentarischen Aufsicht. Aufgrund der grossen Zahl von Destinatären und einem verwalteten Vermögen von 4,7 Mrd. Franken sei das Informationsbedürfnis der Medien und der Politik aber hoch.

Die neue Infokampagne ist zudem eine vertrauensbildende Massnahme, nachdem im letzten Frühling Recherchen dieser Zeitung eine stattliche Lohnerhöhung des Direktors zutage gefördert hatten. Für Kritik sorgte insbesondere, dass die PKSO-Verantwortlichen die Details nur scheibchenweise herausrückten. Ausdruck der neuen Transparenz ist jetzt unter anderem, dass im aktuellen Geschäftsbericht erstmals die Bezüge der Verwaltungskommission sowie der ständigen Ausschüsse summarisch genannt werden. Die Entschädigungen belaufen sich auf total 208 335 Franken. Auf eine Offenlegung der Bezüge der Geschäftsleitung indes wird im Geschäftsbericht verzichtet. Die Geschäftsleitung bestehe, jedenfalls zurzeit, einzig aus Direktor Reto Bachmann, lautete die

Begründung der Verantwortlichen.

Alois Müller betonte, dass im Vergleich zu den 90er-Jahren heute eine risikoreichere Anlagestrategie nötig sei, um die Verpflichtungen der Kasse zu erfüllen. Zudem brauche es ein «hoch diversifiziertes Portfolio», um gegen mögliche Verluste bei bestimmten Anlagekategorien gewappnet zu sein. In den letzten drei Jahren habe die PKSO, so Müller, die Aktienquote des Portfolios um 5 Prozent auf aktuell 34 Prozent erhöht. Vor allem die Auslandaktien, welche die Hälfte des Aktienanteils ausmachen, hätten zur guten Gesamtperformance von 4,2 Prozent beigetragen, so Müller.

Insgesamt stieg der Wert der Auslandaktien im letzten Jahr um mehr als 10 Prozent an. Aber auch die Schweizer Aktien im PKSO-Portfolio legten um 2 Prozent zu, obwohl der Schweizer Aktienmarkt 2016 leicht im negativen Bereich schloss. Auch die anderen Anlagekategorien, also Immobilien und Obligationen, egal ob es sich dabei um ausländische oder schweizerische Werte handelt, lieferten alle einen positiven Beitrag zur Performance.

Es braucht mehr Reserven

Zu sprechen kam Alois Müller weiter auf die Wertschwankungsreserve: Diese müsste drei Mal höher sein, wenn die PKSO gegen grosse Krisen in der Währung der Finanzkrise 2008 oder der Dotcom-Krise im Jahr 2000 gewachsen sein will, gab der Präsident des Anlageausschusses zu bedenken. Der weitere Aufbau der Wertschwankungsreserve sei denn auch ein Ziel der nächsten Jahre. Neben der Äufnung von Wertschwankungsreserven fliessen wertvolle Renditen-Erträge in weitere Reserven und auch in die Aufstockung des Vorsorgekapitals der Rentner. Um total 60 Mio. Franken musste dieses im Jahr 2016 aufgestockt werden, um trotz der Senkung des technischen Zinssatzes von 2,5 auf 2,25 Prozent die versprochenen Rentenleistungen auszahlen zu können. All diese Verpflichtungen aber führen dazu, dass die Altersguthaben der aktiv Versicherten trotz der sehr guten Rendite von 4,2 Prozent im vergangenen Jahr nur mit dem BVG-Mindestzinssatz von 1,25 Prozent verzinst werden konnten.

Im laufenden Jahr werde man, so Beat Käch, versicherungstechnische Parameter wie den Umwandlungssatz (aktuell: 6,02 Prozent) und den technischen Zinssatz überdenken müssen. Beide Parameter seien aufgrund der demografischen Situation und der zu erwartenden Erträge immer noch zu hoch. Zudem wolle man einen Strategieprozess einleiten. Dabei gehe es etwa darum, über eine «Individualisierung der Anlagestrategie» zu diskutieren, sagte Käch. Diese werde vor allem den Organisationen mit Anschlussvertrag zugutekommen. Dafür aber brauche es eine Gesetzesänderung.