Balsthal
«Wir sehen das nicht als Konkurrenz»: Wegen «Donnschtig-Jass» wird aufs Pfarreifest verzichtet

Am katholischen Feiertag Mariä Himmelfahrt findet in Balsthal wegen des «Donnschtig-Jass» kein Pfarreifest statt. Der Festgottesdienst um 10.30 Uhr wird aber durchgeführt.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Balsthals Pfarrer Toni Bucher hat Verständnis fürs Jassen und hat das Pfarreifest an Mariä Himmelfahrt abgesagt.

Balsthals Pfarrer Toni Bucher hat Verständnis fürs Jassen und hat das Pfarreifest an Mariä Himmelfahrt abgesagt.

Hanspeter Bärtschi

Die Austragung des «Donnschtig-Jass» hat in Balsthal gar den kirchlichen Segen. Denn eigentlich würde am Tag von Mariä Himmelfahrt aufgrund des Balsthaler Patroziniums nach dem Gottesdienst am Morgen ein Pfarreifest gefeiert. Bereits im letzten Kirchenblatt vom 21. Juli war aber zu lesen, dass im Fall eines Sieges von Balsthal im «Donnschtig-Jass» dieses Fest nicht durchgeführt werde. Man verzichte auf das Pfarreifest zugunsten des Dorffests für die Fernseh-Jasssendung.

So ist es bekanntlich jetzt gekommen. Der Balsthaler Pfarrer Toni Bucher bestätigt die Fest-Absage und erklärt: «Der Festgottesdienst vom Donnerstagmorgen findet um 10.30 Uhr statt.» Im Rahmen der Eucharistiefeier kommt es dabei zu einer Kräutersegnung. Zudem wird die Feier vom Jodlerduett Ursula Hauri-Bucher und Andrea Bucher mitgestaltet. «Wir haben uns natürlich schon im Vorfeld überlegen müssen, was wir tun wollen», sagt Bucher. Denn es sei ja klar, dass die Bevölkerung an diesem Tag am Nachmittag und Abend mehrheitlich ans Jass-Fest gehen würde.

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Bruno Kissling

«Es gibt kein Konkurrenzdenken»

Auf die Frage, ob denn solche Feiertage wie Fronleichnam oder Mariä Himmelfahrt heute noch wichtig seien, meint er: «Es gibt Freidenker-Kreise, die solche Tage abschaffen wollen und meinen, jeder soll sich selbst einen freien Tag im Jahr aussuchen. Da bin ich natürlich ganz anderer Meinung. Es wäre ein Verlust, wenn wir den Jahreslauf so verändern würden und dem Individualismus noch mehr gefrönt würde.» Im kirchlichen Jahreslauf hätten diese Feiertage noch immer einen sehr hohen Stellenwert. «Oft werden solche Tage auch an Sonntagen nachgefeiert, vor allem in kleineren Pfarreien», so Bucher.

Er selbst fühle sich auf jeden Fall nicht zurückgesetzt, weil das Balsthaler Pfarreifest nun dem Jassen weichen müsse. «Ich habe volles Verständnis dafür. Es herrscht auch ganz bestimmt kein Konkurrenzdenken bei uns. Die Jass-Sendung ist halt auch Werbung für Balsthal und darüber freue ich mich auch.»

Mariä Himmelfahrt wird in den katholischen Gebieten, in 14 Kantonen in der Schweiz, immer noch als gesetzlicher Feiertag begangen. Man feiert «die Aufnahme Mariens in den Himmel». Das Fest wird seit dem 5. Jahrhundert gefeiert und ist damit das älteste Marienfest. Der Glaube an die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel wurde 1950 von Papst Pius XII. zum Dogma erhoben.

Legende um duftende Kräuter

Die an Mariä Himmelfahrt durchgeführte Kräuterweihe gehört ebenfalls zu den volkstümlichen Bräuchen der römisch-katholischen Kirche. Er geht vermutlich auf die Überlieferung des Kirchenvaters Johannes von Damaskus zurück, dem zufolge dem leeren Grab Mariens bei seiner Öffnung ein Wohlgeruch nach Rosen und Kräutern entstiegen sein soll.