13 Erwachsene sitzen im Kreis. Um sie herum orangefarbene Wände, in der Mitte gelbe Luftballons. Lachende Gesichter auf den Ballons – und im Kreis. Die Teilnehmenden haben Korken zwischen den Zähnen und brabbeln vor sich hin. Mit Gesten und Blicken zu ihren Sitznachbaren berichten sie von ihrem Sonntagmorgen, bevor sie in den Lachclub gekommen sind. Dieser findet einmal im Monat im Solothurner «Bewegungsraum Tanz und Bewegung» statt.

Die Teilnehmer sind hier, um zu lachen. Atem-, Yogaübungen, Tanz und Begrüssungsrituale: Das steht auf dem einstündigen Programm. So wie die Übung mit den Korken. Ab und zu beugen sich die Erwachsenen nach vorne vor Lachen, dann droht der Korken runterzufallen. Über eine Minute geht das so. Auch Rolf Locher lacht. Weisses Hemd, graue Hose, barfuss.

«Lachen kann jeder»

Der Gerlafinger hat den Lachclub diesen März eröffnet. Lachcoach ist er schon seit rund 20 Jahren. Er führt Einzelcoachings durch, bringt Gruppen zum Lachen, sogar ganze Firmen-Abteilungen in Seminaren. Dort sind dann auch über 100 Personen dabei. So ist der 60-Jährige in der ganzen Schweiz unterwegs. Und so kann der Familienvater vom Geschäft mit dem Lachen leben. Der Lachclub ist gratis, es steht eine Spendenbox bereit. Ein Seminar kostet je nach Umfang 200 Franken aufwärts.

Zu Besuch im Lachclub in Solothurn

Zu Besuch im Lachclub

Zum ersten Mal habe er vom Lach-Coaching in einer Fernsehsendung gehört, erzählt Locher. Zuerst habe er gedacht: «Chabis». Dann aber: «eigentlich ganz lustig». Im Anschluss an die Sendung erfuhr er, dass es in Köln die Ausbildung zum Lachcoach gibt. Und drei Monate später war er dort. «Das war eine Herausforderung – aus der eigenen Ernsthaftigkeit, die man sich angewöhnt, herauszukommen.» Dann hat Locher diverse Weiterbildungen gemacht, voll auf das Coaching gesetzt. Auch für sich selbst. «Ich habe gemerkt, dass mir im Leben irgendwie etwas verloren gegangen ist.» Lachen könne man nämlich verlernen. «Als Kind sagt man uns oft: ‹Lach nid so blöd.›»
Jetzt steht Locher vor der Gruppe und macht genau das: Lauthals lachen, komische Geräusche, tief ein- und ausatmen. Dazu spricht er von Energie, Körperbewusstsein, An- und Entspannung. «Lachen hat nichts mit Esoterik zu tun. Es geht hier nur um Technik.» Das könne jeder: Die Mundwinkel nach oben ziehen, vielleicht mit Kichern beginnen und den Kopf ausschalten.

«Ich lache nicht genug»

Bereits 2006 hat Locher einen Versuch mit einem Lachclub in Solothurn gestartet. Mit dem Ziel, Solothurn zur «Lachhauptstadt» zu machen. Nach einem Jahr hat er aufgehört. «Vielleicht war die Idee noch zu früh», sagt der Gerlafinger heute dazu. Nun, über zehn Jahre später, nimmt er einen neuen Anlauf. Mit eigener Homepage, Werbeflyer, und vor allem Mundpropaganda. Viele Teilnehmende nehmen Familienmitglieder oder Freunde mit. Auch an diesem Tag ist der Kreis im Studio voll. Die Neuankömmlinge beobachten die Übungen. Einige waren schon da und machen gleich von Anfang an mit. Die Sorgen rauslachen, sich selbst auf die Schulter klopfen, einander Komplimente in Kauderwelsch erteilen – wild durcheinander. Und immer wieder ist «Hoho, Hahaha» zu hören, begleitet von rhythmischem Klatschen.
«Ich lache im Alltag zu wenig», erzählt eine Teilnehmerin. Deshalb ging sie am Sonntag zum ersten Mal in den Lachclub. Eine andere sagt, sie sei schon mehrfach hier gewesen, um aus dem Alltag zu kommen. Auch der Solothurner Verleger Christian Pfluger, Herausgeber des Magazins «Zeitpunkt», ist unter den Lachenden. Er hat vor rund 18 Jahren das erste öffentliche Gelächter der Schweiz in Bern veranstaltet. Er ist überzeugt von der Idee des Lachclubs, mit dessen Besuch man sich selbst etwas Gutes tue. «Lachen ist etwas Universelles», so Pfluger. «Religion oder Meditation entspricht nicht allen.» Aber lachen könnten alle.

«Was mache ich eigentlich hier?»

Am Schluss lachen auch alle Kursteilnehmer. Vereinzeltes Gekicher in der Runde, teilweise richtige Lachanfälle. In der Gruppe geht das schnell. Kann man mit der Technik aber auch alleine lachen – an einem regnerischen Montagmorgen? «Das ist eine bewusste Entscheidung, wie wir durchs Leben gehen wollen. Das hängt auch nicht vom Chef oder vom Partner ab», sagt Locher. Mit einer rosaroten Brille habe das nichts zu tun. «Aber manchmal nehmen wir uns selbst zu ernst. Manchmal dürfen wir uns ruhig hinterfragen: Was mache ich eigentlich hier?»

Aber ist es nicht traurig, dass Menschen Clubs besuchen, Geld für Seminare ausgeben müssen, um zu lachen? Es sei immer beides, sagt Locher. Auch traurig. Und im Kurs dann lustig.

Lachclub: www.hoho-hahaha.ch