«tunSolothurn»

«Wir investieren hier in übermorgen»: Der Direktor der Handelskammer über die zweite Ausgabe der Erlebnismesse

Interview mit dem Direktor der Solothurner Handelskammer zur zweiten Ausgabe der Erlebnismesse «tunSolothurn», die Kinder und Jugendliche für Technik begeistern und so auch dem Fachkräftemangel im Kanton entgegenwirken soll.

Daniel Probst, was hat die Solothurner Handelskammer dazu bewogen, tunSolothurn zum zweiten Mal zu lancieren?

Wir haben tunSolothurn 2016 erstmals erfolgreich durchgeführt und rund 3800 Kinder und Jugendliche für Technik und Naturwissenschaften begeistern dürfen. Die Resonanz auf die erste Ausgabe war fantastisch, sowohl bei den Ausstellern und Unterstützern als auch bei den Kindern. Und haben wir alles daran gesetzt, dieses Projekt erneut durchführen zu können.

Heute entdecken – morgen forschen und entwickeln: Das ist ein ambitioniertes Ziel. 7-Jährige dürften vor allem staunen, oder?

Klar, in diesem Alter geht es einfach mal darum, die Kinder für die MINT-Themen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) zu begeistern. Es ist wichtig, Schülerinnen und Schüler früh spielerisch an diese Themen heranzuführen, um auf deren Attraktivität hinzuweisen und damit die Wahl entsprechender Berufe und Studiengänge zu begünstigen.

Technik und Naturwissenschaften haben – vor allem bei Mädchen – immer noch einen schweren Stand. Woran liegt das?

Zum einen fehlt uns manchmal der Alltagsbezug zu diesen Themen. Die Kinder von heute haben viel weniger Möglichkeiten, ihre Neugier und ihren Entdeckergeist auszuleben als wir das früher hatten. Dass technische Berufe bei Mädchen teilweise immer noch einen schweren Stand haben, ist nicht zuletzt auf Image-Gründe zurückzuführen. Dies muss sich ändern, und auch daran leistet tunSolothurn seinen Beitrag.

Dann ist tunSolothurn quasi ein Langfrist-Investition...

Ganz genau. Wir und unsere Partner investieren hier in übermorgen. Umso schöner, dass wir hier eine so breite Unterstützung gefunden haben, ohne dass die Partner einen unmittelbaren Gegenwert erhalten.

Sagen Sie uns, wie steht es um den Nachwuchs für den Denk-, Entwicklungs- und Werkplatz Solothurn?

Ich denke, dass wir einiges richtig machen, ansonsten gäbe es nicht so viele Industrieperlen im Kanton Solothurn. Aber als Kanton, der nicht zu den grossen Ballungszentren zählt und auch nicht über eine eigene Universität verfügt, müssen wir uns immer wieder neu zur Decke strecken.

Das heisst: Es braucht Anstrengungen, um die anspruchsvollen Ausbildungsplätze in den wichtigen Solothurner Branchen wie etwa Metall- und Präzisionsindustrie zu besetzen...

Genau. Es kommt immer häufiger vor, dass Ausbildungsplätze nicht oder nur schwer besetzt werden können. Es findet ein Wettbewerb um die besten Talente statt.

Ypsomed-CEO Simon Michel hat kürzlich gesagt: «Der Fachkräftemangel insbesondere im Bereich von spezialisierten Industrieberufen nimmt von Jahr zu Jahr zu.» Das muss Ihnen zu denken geben.

Die Herausforderung, Fachkräfte in diesen Segmenten zu finden, steigt in der Tat laufend an. Und die Situation dürfte sich weiter verstärken, wenn wir an die demographische Herausforderung denken, bei welcher deutlich weniger Junge nachrücken als Baby-Boomer in Pension gehen. Hierzu zwei Zahlen, welche diese demographische Herausforderung unterstreichen: Im Kanton Solothurn werden in den nächsten 20 Jahren knapp 82'000 Einwohnerinnen und Einwohner das 65. Altersjahr überschreiten. Die Generation der 1 bis 19-jährigen, welche diese Lücke schliessen sollte, zählt aber nur rund 52'000 Personen.

Erlebnislabor und Erfinderwerkstatt können sensibilisieren, interessieren, begeistern auch. Aber danach muss es bei der Berufswahl weitergehen. Passiert da heute genug?

Im Bereich der Berufsbildung macht der Kanton Solothurn vieles richtig. Zahlreiche ausgezeichnete Angebote wie IBLive in Solothurn und Grenchen, verschiedene Lehrstellenbörsen im ganzen Kanton, die Berufsinfomesse in Olten, die Erlebnistage Beruf oder auch «Rent a Boss» zeugen davon. Woran wir eventuell noch stärker arbeiten müssten, ist am Image der Berufslehre an sich.

Hand aufs Herz: Müssen Sie Ihre eigenen Kinder überreden, an die tunSolothurn mitzukommen – oder kommen sie von allein mit?

Wir wohnen in Olten und laufen der tunSolothurn nicht einfach so über den Weg. Da meine Kinder mit ihren Schulklassen leider nicht teilnahmen, schleppte ich sie 2016 selber an die Erlebnismesse. Wir brachten sie fast nicht mehr aus der Halle. Am nächsten Tag wollten sie mit ihren Freunden noch einmal gehen und fragten nun zwei Jahre lang, wann die nächste tunSolothurn stattfindet. Sie freuen sich sehr auf die zweite Ausgabe. Und auch die Schule ist dieses Mal mit dabei.

Die Erlebnismesse tunSolothurn für Kinder und Jugendliche von 6 bis 13 Jahren findet vom 5. bis 11. November in der Rythalle in Solothurn statt.

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Autor

Balz Bruder

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