Wintertagung
«Wir haben den Kompass verloren»

Bei der katholischen Bauernvereinigung Kanton Solothurn hielt Nationalrat und Präsident CVP Schweiz, Gerhard Pfister, in Mümliswil die christlichen Werte hoch.

Benildis Bentolila
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Die ehemalige CVP-Nationalratskollegin (1999–2011) Elvira Bader freute sich, mit Gerhard Pfister über Politik zu fachsimpeln.

Die ehemalige CVP-Nationalratskollegin (1999–2011) Elvira Bader freute sich, mit Gerhard Pfister über Politik zu fachsimpeln.

Benildis Bentolila

Bereits beim Gottesdienst in der Pfarrkirche Mümliswil war sichtbar, dass zur diesjährigen Wintertagung der katholischen Bauernvereinigung mehr Bauernfamilien angereist waren als üblich. Dies wohl aufgrund des für den Nachmittag angekündigten Referenten Gerhard Pfister, Nationalrat und Präsident CVP Schweiz.

Diakon Markus Heil streifte Familien-Geschichten aus dem Alten Testament und kam zum Schluss: «Wir dürfen nicht glauben, dass das Familienleben damals eine so heile Welt war, wie wir uns das gerne vorstellen.»

Gerhard Pfister hatte seinen Vortrag mit «Christliche Werte» überschrieben. Er stieg mit einer Aussage des Schweizer Schriftstellers Thomas Hürlimann ein: «Ich fürchte, im Abendland läuten die Totenglocken. Die Kirchen sind leer; Gott stirbt.» Wir selber holten die Kreuze herunter und würden uns noch wundern: Zuerst würden die Zeichen sterben – und dann wir. Pfister findet es schauerlich, dass Andachtsräume in «Räume der Stille» verwandelt werden.

Dass in einem Wettbewerb für einen neuen Text unserer Landeshymne mit der Begründung geworben wird, der Schweizerpsalm sei mit seinem religiösen Text nicht mehr zeitgemäss. Letztes Jahr habe er die Forderung von Bischof Felix Gmür unterstützt, dass die Schweiz, wenn sie Kontingentsflüchtlinge aufnehmen soll, Christen aus Gebieten, wo sie besonders gefährdet sind, bevorzugen soll.

Das Bundesamt für Migration zeige, dass nicht Muslime diskriminiert würden, denn es würden siebenmal mehr Muslime als Christen als Asylbewerber aufgenommen. Die meisten Menschen, die heute wegen ihres Glaubens verfolgt würden, seien Christen. «Wir sind eine Gesellschaft, die den Kompass verloren hat», hielt Pfister fest. Manche glaubten, Toleranz genüge, wenn wir von der Verteidigung unserer Werte redeten. Sie fänden, unsere Symbole müssten aus dem öffentlichen Raum entfernt werden, weil sie jemanden belästigen könnten.

«Nein», sagt Pfister, «wir müssen nicht unsere Tradition verleugnen, sondern sie neu und besser begründen.» Damit mache man sich nicht beliebt. Beliebt sei, keine Grenzen zu setzen, alles liberal zuzulassen aus Angst vor unangenehmen Reaktionen.

Nicht genieren wegen des «C»

Hier komme der CVP eine wichtige Rolle zu; sie müsse für christdemokratische Politik einstehen. Die Schweiz basiere auf Christentum, Menschenrechten, von Freiheit, Frieden und Wohlstand. «Wir können zu Recht von allen, die hier leben wollen, verlangen, sich an unsere Werte zu halten.»

Die CVP müsse im Konflikt mit fundamentalistischen und radikalen Ideologen Stellung für eine christlich fundierte, westliche Gesellschaft des Rechtsstaates beziehen. «Das «C» hilft uns dabei», ist Pfister überzeugt, «sich des «Cs» zu genieren wäre, wie wenn man sich des Schweizer Kreuzes genieren würde.»