Auf einen Kaffee mit...

«Wir gehen nicht in die Bittstellung» – BDP-Chef über die Zukunft der Partei

Will trotz Widrigkeiten weiterkämpfen für die BDP: Kantonalpräsident Chris van den Broeke.

Will trotz Widrigkeiten weiterkämpfen für die BDP: Kantonalpräsident Chris van den Broeke.

Auf einen Kaffee mit... Chris van den Broeke. Der BDP-Chef glaubt an die Zukunft seiner Partei.

Sie war schon aufgelöst und abgeschafft. Beinahe wäre die Solothurner BDP auf dem Scheiterhaufen der kantonalen Politgeschichte gelandet. Nicht einmal der Vorstand glaubte noch an die Zukunft der Partei: Einstimmig beschloss er die Auflösung der Solothurner
Sektion.

Doch es kam anders. Es kam Chris van den Broeke. Als die Partei 2018 fast am Ende war, übernahm der Stadtsolothurner Gastronom die Führung. Er wurde Kantonalpräsident und versucht seither, den Patienten zu stabilisieren.

Van den Broeke – kahlrasiert, kräftige Statur – sitzt an einem Tisch im Solothurner Traditionshaus «Wirthen», das er führt. Er hätte eigentlich nicht viel Grund zur Freude. Bei den Nationalratswahlen sank die Solothurner BDP auf kantonsweit gerade noch zwei Prozent Wähleranteil. Doch van den Broeke lässt sich nicht beirren. «Dass wir verlieren werden, war uns bewusst. Wir haben mitgemacht, um mitzumachen.» Oder anders: «Kräfte und Geld wollen wir für die Kantonsratswahlen sparen.» Sein Strohhalm: Trotz stillem Wahlkampf hat man in den Amteien Solothurn-Lebern und Bucheggberg-Wasseramt einigermassen respektable Resultate geholt, die hoffen lassen, man könnte auch künftig noch mit ein, zwei Sitzen im Parlament vertreten sein. Man muss nicht lange mit dem Mann sprechen, um zu spüren: Er wird so schnell nicht aufgeben.

Sind Sie ein unverbesserlicher Optimist, Herr van den Broeke? Er lacht. «Wir werden schliesslich seit Beginn totgesagt. Ob etwas klappt, kann man erst beurteilen, wenn man es versucht hat.»

Der frühere Präsident hat aufgegeben

Längst nicht alle Politiker haben diesen Kampfwillen noch. Die beiden Kantonsräte Markus Dietschi und Martin Flury hörten auf, an die Partei zu glauben, und wechselten zur FDP. Dietschi, der die Partei jahrelang mit unglaublich viel Kraft aufgebaut hatte, sagte gegenüber dieser Zeitung: «Ich sehe schwarz.» Es sei nicht gelungen, sich «als eigenständige Partei» zu etablieren. Dann wechselte er zur FDP. Dies habe ihn getroffen, sagt van den Broeke. Er gibt aber auch zu: «Zwischendurch hatten wir alle einmal die Schnauze voll.» Der Stadtsolothurner weiss, dass die BDP eigentlich eine falsche Geburt hatte. Die BDP wuchs nicht, sie startete statt bei Null gleich als Bundesratspartei. Das funktionierte auch beim Wähler – solange die Bündner Magistratin Eveline Widmer-Schlumpf im Amt war. Mit dem Abgang der Frontfrau droht der Absturz ins Bedeutungslose. «Die Leitfigur fehlt», sagt van den Broeke denn auch – und gibt sich realistisch: «Ehrlich gesagt: Der Ausgang ist
offen.»

«Wir gehen nicht in Bittstellung für einen Sitz»

Inzwischen könnte die BDP wieder im Kantonsrat sein. Kantonsrat Markus Dietschi, so wird jetzt bekannt, hätte sogar seinen Kantonsratssitz zur Verfügung gestellt, wenn die BDP am 20. Oktober einen gewissen Wähleranteil erreicht hätte. Das war nicht der Fall – und man will den Sitz so auch nicht. Van den Broeke: «Wir sind nicht auf den Goodwill von Markus Dietschi angewiesen. Wir gehen nicht in die Bittstellung, um einen Sitz zu erhalten.» Dietschi selbst trat, trotz Angeboten, bewusst nicht bei der FDP zu den Nationalratswahlen an; um seiner alten Partei nicht zu schaden, wie er sagt.

«Es ist schwierig, sich Gehör zu verschaffen»

Als «progressive Kraft» verkauft sich die BDP. Doch in der Mitte ist der Konkurrenzkampf gross. Wo unterscheidet sich die Partei von CVP, EVP oder GLP und FDP? «Nicht links, nicht rechts, kompromissfähig», sagt van den Broeke. Progressiver als die CVP, weniger links als die GLP. Nicht neoliberal wie die FDP. Die Ehe für alle unterstützte die BDP als erste Mittepartei, das Rentenalter 67 ist für sie nötig. Durchaus (einst) eigene Punkte. Aber ob es reicht? Um in den Medien zu erscheinen, kaum. «Es ist schwierig, sich als Kleinpartei Gehör zu verschaffen», weiss van den Broeke.

Um zu beschreiben, warum er an der BDP festhält und weitermacht, erzählt der 47-Jährige seine Geschichte. Interessiert hat er sich nämlich schon jahrelang für die Politik. Er hätte sich aber nie vorstellen können, selbst aktiv zu werden. Bis die BDP gegründet wurde. Und es gehe nicht nur ihm so: Die BDP habe viele Leute überhaupt erst in die Politik gebracht, die zuvor nicht aktiv waren. Bei einer anderen Partei mitzumachen, kann er sich bis heute nicht wirklich vorstellen. Die BDP ist seine Partei, und dafür wird gekämpft, bis zum Schluss. «Wenn wir untergehen, dann hat es sich halt erledigt. Aber zuerst kämpfen wir.»

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