Rotes Kreuz Aargau/Solothurn

«Wir brauchen mehr junge Spender»: 2019 gibt es wieder Blutspende-Aktionen in Gemeinden

Ein Stich in den Finger, dann die Blutentnahme bei der Ellenbeuge – rund 450 ml Blut fliessen bei einer Spende.

Ein Stich in den Finger, dann die Blutentnahme bei der Ellenbeuge – rund 450 ml Blut fliessen bei einer Spende.

Derzeit gibt es in der Region genug Blutspenderinnen und Spender. Damit die Reserven nicht knapp werden, muss aber sehr exakt geplant werden. Dieses Jahr ist das Schweizerische Rote Kreuz nun auch wieder in Solothurner Gemeinden auf Blutspenden-Sammlung – auch um eine drohende Versorgungslücke in den kommenden Jahren abzuwenden.

Schweizerinnen und Schweizer spenden in der Weihnachtszeit bekanntlich gerne. Auch Blut. «In der Vorweihnachtszeit haben uns viele bisherige Spender die Treue gehalten», sagt Jörg-Peter Sigle. So viele, dass die Ausfälle der anschliessenden Weihnachtstage – die alle auf Wochentage fielen, an welchen nicht gespendet werden konnte – wieder aufgefangen werden konnten.

Sigle ist der Leiter des Blutspendedienstes des Schweizerischen Roten Kreuzes Aargau-Solothurn. In der Schweiz darf nur das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) Blutsspenden annehmen, verarbeiten und an Spitäler abgeben. Kostendeckend – denn mit Blut darf in der Schweiz aus ethischen Gründen kein Geld gemacht werden.

So hat das SRK verschiedene Regionale Dienste – einer davon ist für die Kantone Aargau und Solothurn zuständig. Im Solothurnischen gibt es drei Spendezentren: in Grenchen, in Olten und in Solothurn. Solothurner Blutkonserven können dann aber auch in Aargauer Gemeinden eingesetzt werden und umgekehrt. Derzeit gibt es ausreichend Reserven, sagt Sigle. Das kann sich aber schnell ändern; weniger Spenden gibt es etwa während der Sommerferien, wenn eine Fussball-WM oder eine Olympiade stattfindet oder es den Leuten schlicht zu heiss ist.

Spendeneinbrüche gibt es auch bei einer Grippewelle. Denn: Nur gesunde Menschen dürfen Blut spenden. Von der Grippe sei man diesen Winter bisher verschont geblieben, so Sigle. Aber: «Dass die Reserven knapp werden, kann man leider nie ausschliessen.»

Bedarf schwankt stetig – Spenden auch

Laut Sigle kann man alle Personen in der Region, die auf Blutprodukte angewiesen sind, versorgen. Also etwa Krebserkrankte oder Patienten, welchen eine schwere Operation bevor steht. «Wie viel Blut wir brauchen, ist letztlich abhängig von diesen Patienten», sagt Sigle. Und wie viele Patienten welcher Blutgruppen eine Bluttransfusion brauchen, ist schwer voraussehbar. Ebenso wenig, wie eben etwa eine Grippewelle.

Auf der anderen Seite kann das SRK Blutprodukte nicht lange lagern. Nach sieben Wochen verfallen sie. So müsse man über drei bis vier Wochen hinweg planen, und dann je nach Bedarf Spender in der Region aufbieten.

Alte Spender fallen weg, Junge bleiben aus

Derzeit gibt es rund 10'500 Spender aus den Kantonen Aargau und Solothurn. 880 kamen im letzten Jahr dazu. Rund 17'000 Spenden waren nötig. Das sind weniger als auch schon; 2014 waren es 20'000. Das bedeutet aber nicht, dass man weniger Spender braucht. Ein Spender kann bis zu vier Mal im Jahr Blut spenden; nach einer Entnahme wird er für drei Monate gesperrt. «Wir sind aber durchwegs auf viele verschiedene Spender angewiesen», so Sigle. Damit zu jedem Zeitpunkt von jeder Blutgruppe genügend – aber auch nicht zu viele – Reserven vorhanden sind. Was schwierig ist – auch weil heute die Anforderungen dazu, wer Blut spenden darf, gestiegen sind im Vergleich zu früher.

«Wir brauchen mehr junge Spender», sagt Sigle auch. Denn: Es gebe immer mehr ältere Menschen; mehr Menschen, die allenfalls auf eine Blutspende angewiesen sind und gleichzeitig nicht Blut spenden können – denn: Ab 75 darf man aufgrund von Herz-Kreislauferkrankungen nicht mehr spenden.

Laut Sigle wären rund 3000 zusätzliche Spender in der Region optimal. Gerade im Ausblick auf die kommenden Jahre, in welchen die Gesellschaft noch weiter altert. Prognosen abzugeben sei zwar «sehr, sehr schwierig.» «Aber wir sehen schon eine gewisse Problematik.» Insgesamt könne man derzeit den Verlust an Stammspendern nicht mit Neuspendern auffangen.

Wenn es kurzfristig knapp wird mit Reserven, helfen sich die kantonalen Zentren gegenseitig aus. So geben etwa beide Basler Sektionen Blutreserven nach Solothurn und in den Aargau ab – und umgekehrt. Langfristig braucht es aber andere Lösungen.

Näher bei den Leuten die «Botschaft verbreiten»

Eine Idee für mehr Neuspender wird im Kanton in diesem Jahr umgesetzt: Das SRK besucht nun wieder verschiedene Gemeinden und führt in Turnhallen oder Gemeindehäusern Spendeaktionen durch. Bis Ende 2017 tat das hier die Berner Sektion des SRK, weil man im Kanton keine mobile Ausrüstung dafür hatte. Dafür gingen diese Spenden auch ins Bernische – künftig bleiben sie in der Region. Etwas näher zu potenziellen Spendern will das SRK auch mit dem Blutspendebus. Dieser soll nun im Solothurnischen auch Firmen oder Berufsschulen besuchen.

Am Wichtigsten ist laut Sigle aber: «Die Botschaft verbreiten.» Man hoffe auf noch mehr Spender – auch Firmen oder Vereine, die gemeinsam Blut spenden gehen. «Spende Blut – rette Leben» – diese Botschaft sollen laut Sigle die bisherigen Spender weitergeben und andere animieren. Laut Sigle etwa ihren Kollegen – aber auch den erwachsenen Kinder, um so auch die jüngere Generation zu gewinnen.

Infos zu Blutspenden in Ihrer Region: www.blutspende-ag-so.ch

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