Er ist passionierter Bergmarathonläufer, den Jungfrau-Marathon hat er bereits elfmal geschafft. Dazu braucht es Ausdauer und Hartnäckigkeit. Über beide Fähigkeiten verfügt der drahtig und sportlich wirkende Ueli Albrecht. Und diese kommen dem 54-Jährigen auch im Berufsleben entgegen. Als Inhaber und Chef der vor 45 Jahren gegründeten Albrecht Druck AG in Obergerlafingen muss er zusammen mit seiner Belegschaft eben ausdauernd und hartnäckig sein. «Wir bewegen uns nicht in einem Wachstumsmarkt, sondern in einem harten Verdrängungswettbewerb», sagt Albrecht, der das Familienunternehmen seit 1987 in zweiter Generation führt.

Die Ausgangslage ist klar: «Der Kuchen an Druckaufträgen wird nicht grösser, sondern wird stetig kleiner», hält Albrecht nüchtern fest. Das Internet mit seinen technologischen Möglichkeiten sorge dafür. Der Druck von Formularen, Preislisten oder Verkaufsbroschüren falle zunehmend weg, heute laufe vieles online. Auch die Werbung im Printkanal verliere zunehmend an Terrain gegenüber der Online-Werbung. Unter dieser Verlagerung von Print zu digitalen Kommunikationsformen leide die gesamte Branche. Oder die elektronische Post, kurz E-Mail, reduziere den Bedarf an Briefpapier und Couverts massiv. Und das sind genau jene Bereiche, in denen die Albrecht Druck AG aktiv ist.

«Ich will nicht jammern»

«Wir drucken, veredeln und versenden aus einer Hand – von der simplen Karte bis zum komplexen Mailing», erklärt der Patron auf dem Betriebsrundgang. Dazu gehören Geschäftsdrucksachen wie Visitenkarten, Briefbogen, Couverts, Imagebroschüren, Jahresberichte, Prospekte, Preislisten, Kataloge, Flyer, Karten, etc. «Ich will aber nicht jammern, sondern die nicht zu verhindernden Veränderungen annehmen und mich den Herausforderungen stellen», so der Unternehmer.

«Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit»: So umschreibt Albrecht sein Rezept zum Überleben in der ausgesprochen schwierigen Branche. Der Kunde müsse darauf zählen können, dass seine Aufträge – ob in kleiner oder in Millionenauflage – zuverlässig, pünktlich und in der versprochenen Qualität abgeliefert werden. Dazu sei eine sehr hohe Flexibilität nötig, die er auch der Belegschaft abverlange. «Das ist eigentlich unsere Spezialität». Viele Aufträge seien an sehr kurzfristige Lieferfristen gebunden, das Unternehmen müsse also flexibel sein. Nur so könne man sich als kleiner bis mittlerer Druckereibetrieb gegenüber grösseren Konkurrenten abheben und behaupten. «Wir planen nicht wöchentlich, wir planen stündlich», sagt er lachend. Aufträge selbst mit Kürzest-Lieferzeiten könne er nicht einfach ablehnen. «Ansonsten ist der Kunde für immer weg.»

«Wir wollen für unsere Kunden also nicht einfach ein Lieferant, sondern ein Problemlöser sein, sei es in terminlicher oder qualitativer Hinsicht.» Da könne es also gut vorkommen, dass die Offsetdruckanlagen nicht nur an den Werktagen, sondern auch über das Wochenende zweischichtig laufen oder in der Ausrüsterei bis spät in die Nacht geheftet, gefalzt oder zugeschnitten werde. «Ohne loyale, motivierte und leistungsbereite Mitarbeitende wäre das gar nicht möglich», windet der Patron seiner Belegschaft ein Kränzchen.

«Preis ist matchentscheidend»

Die Branche, betroffen von rückläufigem Volumen und daraus folgenden Überkapazitäten, sei einem «enormen Preisdruck» ausgesetzt. Die Preise seien über die vergangenen fünf Jahre zwischen 30 und 40 Prozent gesunken. «Der Preis ist heute fast immer allein matchentscheidend.» Leider, bedauert Albrecht. Er versuche deshalb, immer ein Gesamtpaket, bestehend aus dem Preis, der Qualität und der Zuverlässigkeit zu verkaufen. Damit könne der Betrieb punkten, der rund zwei Drittel seiner Aufträge über Werbeagenturen generiert. Die Kundschaft, je hälftig aus der näheren Region und der übrigen Deutsch- und Westschweiz, bestehe aus sehr vielen Stammkunden. «Das spricht für uns als Unternehmen», interpretiert Albrecht.

Doch der Wandel in der Branche beschränkt sich nicht alleine auf Veränderungen an der Kunden- respektive Auftragsfront. Auch der technologische Wandel innerhalb der Produktionsprozesse sei rasant. Das bedinge stetige Investitionen in den Maschinenpark. So haben die Obergerlafinger erst kürzlich eine hochmoderne Offsetdruckanlage für rund 2,5 Millionen Franken angeschafft. Im Vergleich zum Jahresumsatz von rund 4 Millionen Franken eine gewaltige Herausforderung, betont Albrecht.

Aktuell gute Auftragslage

Solche Investitionen seien aber unabdingbar, um kosten-, leistungs- und qualitätsmässig mithalten zu können. Das ist im laufenden Geschäftsjahr gut gelungen, wie der Unternehmer berichtet. Die Auftragslage sei sehr gut. Eine Prognose für 2018 wagt er dennoch nicht abzugeben. Zu kurzfristig sei das Geschäft. Dazu schaut Albrecht zurück auf die Jahre 2015 und 2016. «Mit der damaligen Wirtschaftskrise sind die Aufträge eingebrochen und die Aufhebung des Euromindestkurses führte dazu, dass viele Aufträge ins günstigere Euroland abflossen.» Das habe auch zu vielen Unsicherheiten und zu einer Reduktion von 30 auf 25 Arbeitsplätze geführt, gesteht er offen ein.

Ausdauer und Hartnäckigkeit sind also weiterhin gefragt. Ausdauernd und hartnäckig will Ueli Albrecht auch künftig bleiben. So wird er sich auf jeden Fall für den Jungfrau-Marathon, Ausgabe 2018, wieder anmelden.