Früher war alles anders. Besser? Vielleicht. Schlechter? Nicht alles. Und heute? Wir stellen beispielsweise fest, dass sich die Grenzen zwischen den Jahreszeiten verwischen. Anfang Woche sagte mir eine Kollegin: «So schön, nun ist endlich Winter!» Worauf ich entgegnete: «So schön, jetzt ist es endlich so, wie es im Spätherbst sein sollte!» 

Doch eben: Normalität scheint es klimatisch kaum mehr zu geben. Es sei denn, man gestehe sich als relativ wissenschaftsgläubiger Mensch ein, dass das Klima auch nicht mehr ist, was es einmal war. Und wir uns möglicherweise daran gewöhnen müssen, dass es vorbei ist mit den klassischen Jahreszeiten. Eine These, die indirekt auch die hierzulande weltberühmten Hubel-Meteorologen bestätigen: Mit weissen Weihnachten werde es in diesem Jahr wieder einmal nichts. Dafür werde es später kalt und weiss. Was zwar keine wissenschaftlich gestützte Prognose ist, aber gefühlt eine ziemlich wahrscheinliche Voraussage. 

Gerne füge ich an dieser Stelle noch eine weitere Lesart über das Kommen und Gehen der Jahreszeiten ein: Winter ist, wenn die Heizung streikt. Oder, umgekehrt formuliert: Wenn die Höchsttemperatur in der Küche dank Elektroofen vergleichsweise behagliche 16,8 Grad produziert, derweil der Rest der Wohnung stur bei 15,5 Grad verharrt, bin ich sicher, dass die Aussentemperatur tagsüber 3 Grad nicht übersteigt und nächstens deutlich unter 0 Grad fällt. Soll mir also niemand mit handgestrickten Theorien über den Winteranfang kommen! Mein Winter hat am Montag mit dem Ersatz der Heizanlage begonnen und wird mindestens bis Ende dieser Woche andauern. Danach kann Väterchen Frost von mir aus tun und lassen, was es will. Hauptsache extra und nicht intra muros.