In einer funktionierenden Demokratie ist jede und jeder gefragt. Für politisches Handeln aber brauche es politischen Sachverstand, betonte der Zürcher SP-Nationalrat Andreas Gross gestern an einer Pressekonferenz in Solothurn.

Gemeinsam mit Vertretern der SP Kanton Solothurn sowie dem Solothurner Gewerkschaftsbund lancierte er die «Willi-Ritschard-Bildungs-Werkstatt». Der erste Veranstaltungsblock findet am Freitagabend, 20. September (19 bis 22 Uhr), und am Samstagvormittag, 28. September (9 bis 13 Uhr) im Kunsthaus Grenchen statt.

Im Zentrum steht dann die Frage «Was ist Politik?» Bis Ende 2014 sind fünf weitere Foren zu politischen Grundsatzfragen geplant. Die Teilnahme ist gratis, erfordert keine Anmeldung und richtet sich an alle Interessierten - auch ausserhalb von SP- und Gewerkschaftskreisen.

Patron: Willi Ritschard

«Die mangelnde politische Bildung ist heute eines der grössten gesellschaftlichen Defizite», sagte Gross, der sich seit Jahrzehnten für eine Stärkung des Politikverständnisses engagiert. Es war für ihn deshalb schnell klar, wie er die 5000 Franken einsetzen soll, die ihm der Solothurner Unternehmer Roland Ziegler vor einigen Monaten angeboten hat, «um der SP etwas Gutes zu tun».

Gemeinsam mit Ständerat Roberto Zanetti sowie weiteren Verantwortlichen der Solothurner SP und der Gewerkschaften nahm dann die Idee der Bildungswerkstatt - die in dieser Form einzigartig ist in der Schweiz - konkrete Formen an.

Dass ein solches Forum für politische Bildung ausgerechnet in Solothurn gegründet wird, ist neben dem Solothurner Spender vor allem auch dem ehemaligen Solothurner Regierungs- und Bundesrat Willy Ritschard zu verdanken. Gross: «Kein Schweizer Sozialdemokrat der vergangenen 50 Jahre verkörperte wie er die Einsicht, dass nur ein politisch und historisch gebildeter Mensch ein guter Demokrat und weiser Politiker sein kann.»

Ritschard selber habe versucht, ein Leben lang dem Motto der «Education permanente» zu folgen, begründete Gross die Wahl von Ritschard als Patron der neuen Bildungswerkstatt. Der prominente Solothurner Sozialdemokrat habe diese Haltung zudem stets auch seinem Umfeld vermittelt. Anlässlich einer Rede im Jahr 1983 etwa sagte er: «Wer Demokratie will, muss ein gebildetes Volk haben.»

Ständerat Roberto Zanetti zeichnete den Werdegang von Willy Ritschard nach, der es als Heizungsmonteur und Gewerkschaftssekretär bis zum Regierungs- und Bundesrat gebracht hatte. Seine Fähigkeiten und Begabungen seien dabei zu einem guten Teil ausserhalb der üblichen Bildungs- und Ausbildungsstätten gefördert worden, unterstrich Zanetti. «Der politische Willy Ritschard ist ganz wesentlich durch gewerkschaftliche Bildungseinrichtungen geprägt worden.» Dort habe er unteren anderem gelernt, die Angst vor der Wissenschaft abzulegen und auch keinen Unterschied zwischen Lehren und Lernen zu machen.

Aktive Teilnahme gefordert

Diesen Maximen fühle sich auch die neue Bildungswerkstatt verpflichtet, hielt Zanetti fest. «Es soll Wissen vermittelt und gemeinsam erarbeitet, Bildungsängste abgebaut und Lehren und Lernen vereint werden.»

Die Bezeichnung «Bildungswerkstatt» soll dabei verdeutlichen, dass auch politische Bildungsarbeit anstrengend ist, unterstreicht Gross. An einem Freitagabend werden jeweils unter seiner Leitung Grundlagentexte mehrerer Autoren vorgestellt und eingeführt.

Am 20. September stehen unter anderem Texte der politischen Philosophin Hannah Arendt im Zentrum. In den folgenden acht Tagen bis zum nächsten Samstag lesen die Teilnehmenden diese Texte. Andreas Gross: «Am Samstagmorgen werden diese dann gemeinsam diskutiert und ihre Tragfähigkeit zum gemeinsamen Handeln erschlossen.»

In der «Willi-Ritschard-Bildungswerkstatt» werden, so Nationalrätin Bea Heim, «grundlegende Fragen der heutigen Gesellschaft wie Gleichstellung, Ökologie oder soziale Sicherheit» thematisiert. «Für die SP ist klar, dass Bildung das wichtigste Werkzeug ist, um soziale Ungleichheit abzubauen», sagte Kantonalparteipräsidentin Franziska Roth.

Und für Markus Baumann, Leiter der regionalen Arbeitslosenkasse der Unia, steht fest, dass in einer komplexer werdenden Welt gerade die Lohnabhängigen auf verständliche Informationen angewiesen sind, um ihre Interessen zu vertreten.

Website: www.wrb-so.ch