Unihockey
Wiler-Ersigen hat schon fast ein Abo auf den Meistertitel

Simon Linder ist Assistenztrainer von Wiler-Ersigen, dem zehnfachen Schweizer Meister im Unihockey. Pause machen liegt nicht drin. «Von uns wird erwartet, dass wir immer gewinnen», meint der fast 36.Jährige.

Hans Peter Schläfli
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Hat viele Erfolge mitgefeiert: Simon Linder, Assistenztrainer bei Wiler-Ersigen.

Hat viele Erfolge mitgefeiert: Simon Linder, Assistenztrainer bei Wiler-Ersigen.

Hans Peter Schläfli

Unihockey ist sein halbes Leben. Genau genommen sogar deutlich mehr, denn als 14-Jähriger hat Simon Linder mit einer Handvoll Kollegen den UHC Oekingen gegründet und am Montag wird er seinen 36. Geburtstag feiern. Seit 2004 setzt er sich auch für den SV Wiler-Ersigen ein. Lange war er Nachwuchschef und rund die Hälfte der Spieler, die am vergangenen Wochenende Schweizer Meister wurden, sind durch seine Hände gegangen. Nun betreut er die NLA-Mannschaft als Assistenztrainer.

Linder hat im Unihockey schon viel erlebt. Wenn die Boulevardzeitung mit den ganz grossen Buchstaben SV Wiler-Ersigen selbst nach dem 10. Schweizer-Meister-Titel noch immer als «die Ostschweizer» bezeichnet, dann regt er sich schon gar nicht mehr auf. «Im Gegenteil, wir finden das amüsant. Das ist halt das Los der Randsportarten. Vielleicht erinnert unser Grün an St. Gallen. Vielleicht meinen manche Leute, Wiler sei Wil.»

Dass vor einer Woche der Superfinal gegen Alligator Malans gross im Schweizer Fernsehen übertragen wurde, habe den Bekanntheitsgrad deutlich erhöht. «Ich wurde oft von Leuten angesprochen, die sonst nie Unihockey schauen. Unser Getränkelieferant im Büro hat mir zum Beispiel gesagt, dass er gar nicht gewusst habe, wie schnell es beim Unihockey zugeht», sagt Linder im Garten des Restaurants Sternen in Kriegstetten. Gleich gegenüber arbeitet er für die SoBa als Kundenberater.

Der Griff in die Trickkiste

Trotz des Sieges: Sportlich findet es Linder aber nicht so toll, wenn ein einziges Spiel über den Titel entscheidet. «In einer Playoff-Serie passiert so viel, da kann man während Wochen kaum schlafen und denkt sich Änderungen aus, die vielleicht im nächsten Spiel wirken könnten. Das gefällt mir viel besser.»

Aufgewachsen in Simon Linder in Oekingen. Er ist verheiratet und Vater von zwei Mädchen. Obwohl ihn «Meistermacher» Marcel Siegenthaler schon vor mehr als zehn Jahren zum SV Wiler-Ersigen holen konnte, ist er bis heute Präsident des UHC Oekingen geblieben. «Zum Glück zieht da meine Frau mit, aber ich habe den zeitlichen Aufwand in den letzten Jahren schon etwas zurückgeschraubt.»

Manchmal greift er aber auch tief in die Trickkiste: «Wenn ihr nur etwas besser schiessen würdet», habe er den Oekinger Frauen in einer Phase gesagt, als der Erfolg ausblieb. «Dann haben sie mich Samstag für Samstag am Morgen für ein Schusstraining aufgeboten. Ob sie danach wirklich besser schossen oder ob es mental gewirkt hat, das weiss ich nicht. Hauptsache, sie haben wieder gesiegt.» Und nicht zu knapp: Die Oekingerinnen haben auf dem Kleinfeld in den letzten vier Jahren dreimal den Cup gewonnen.

Profis können nicht davon leben

Vom Trainingsaufwand sei Spitzen-Unihockey heute durchaus vergleichbar mit Profifussball. «Bei YB wird nicht mehr trainiert, nur die Regeneration ist bei uns schwieriger, weil wir alle arbeiten.» Alleine vom Sport könne keiner leben. «Auch unsere Skandinavier müssen mindestens 50 Prozent arbeiten, während Fussballprofis sehr gut vom Sport leben können», sagt er. «Beim SV Wiler-Ersigen sind wir immerhin so weit, dass kein Spieler drauflegen muss. Die Spesen und die Ausrüstung übernimmt der Verein.»

Wiler-Ersigen investiert viel in die eigenen Junioren. «Sonst würde die Sache auch gar keinen Sinn machen», sagt Simon Linder. «Wenn wir auswärtige Spieler holen, dann müssen das klare Verstärkungen sein. Mein Ziel war es immer, dass wir von jedem Jahrgang einen oder zwei Junioren in die Nationalliga A bringen.» Das sei nicht immer einfach, denn der Druck sei gross und der Erfolg Pflicht. «Manchmal hilft es einem jungen Spieler, wenn er zuerst eine gewisse Zeit in Olten, für Grünenmatt oder Langenthal spielt und dort Erfahrung sammelt.»

Die Zusammenarbeit mit Trainer Schönbeck sei sehr interessant gewesen. «Die Schweden sind uns noch immer einen Schritt voraus, vor allem taktisch», sagt Linder. «Sie wissen einfach, wie sie sich in jeder Situation verhalten müssen.» Und im Superfinal gab eine taktische Umstellung den Ausschlag: Matthias Hofbauer – der Lionel Messi des Unihockeys – spielt normalerweise im Zentrum. «Wir haben gegen Malans die Position mit seinem Bruder Christoph auf dem Flügel getauscht, der Linksausleger ist. Nach 13 Sekunden gelang Matthias, der Rechtsausleger ist, das 1:0.»

Der neue Trainer ist ein alter Bekannter: Olle Thorsell feierte als Captain mit Wiler-Ersigen Erfolge, jetzt kehrt er als Trainer zurück. «Er hat sich bei Unihockey Mittelland in Olten seine Sporen abverdient. Ich freue mich auf ihn, wir kennen ihn und wissen genau, was wir an ihm haben.»

Siegen bleibt das Ziel

Am Tag nach dem zehnten Schweizer-Meister-Titel verkündete Wiler-Ersigen bereits die Verpflichtung des finnischen Topskorers Jami Manninen. «Es ist einfacher, einen skandinavischen Spitzenspieler zu uns zu holen als ein Talent aus der Ostschweiz», sagt Simon Linder. «Wir können jetzt nicht einfach eine Pause machen, von uns wird erwartet, dass wir immer gewinnen.»

Für Linder ist klar: «Unser Ziel bleibt es, auch in den nächsten fünfzehn Jahren wieder zehn Titel zu holen und wir werden alles dafür tun. Aber ob das möglich sein wird, das weiss ich nicht.»