Wildtiere
Wildtiere sind für Kälte gewappnet

Trotz zweistelligen Minusgraden brauchen Wildtiere in der Region kein Obdach und auch keine Zufütterung. Haustieren sollte man jedoch ein geschütztes Plätzchen anbieten.

Andreas Toggweiler
Drucken
Teilen
Ein Reh auf der Suche nach Futter. Gesunden Wildtieren macht die Kälte wenig aus. key

Ein Reh auf der Suche nach Futter. Gesunden Wildtieren macht die Kälte wenig aus. key

Die kalten Temperaturen und die beissende Bise der letzten Tage hält die Menschen in der geheizten Stube. Wildtiere in Wald und Feld sind hingegen der grimmigen Kälte ausgesetzt. Doch menschliches Eingreifen wäre fehl am Platz. «Die Wildtiere, die in unseren Breitengraden leben, sind auch für kalte Winter gewappnet», sagt Mark Struch, Biologe im Amt für Wald, Jagd und Fischerei im Kanton Solothurn.

Ihre Strategien sind laut Struch mannigfaltig. Einerseits können die Tiere in der Kälte ihren Stoffwechsel reduzieren, um Energie zu sparen, anderseits zehren sie von in der warmen Jahreszeit angefressenen Fettreserven. Auch haben sie im Winter ein dichteres Fell. «Nur Tiere, die krank oder geschwächt sind, werden in der Kälte verenden», erklärt Struch. Dies sei aber gerade der Sinn einer natürlichen Bestandesregulierung. So sei es durchaus wahrscheinlich, dass etliche Huftiere wie Gämse, Hirsch und Reh die Kälteperiode nicht überleben, erklärt der Biologe. Tote Tiere werden vom Wildhüter liegen gelassen. Denn sie dienen Aasfressern wie Füchsen oder Bartgeiern als Nahrung.

Vögel füttern?

Die Vogelfütterung im Winter ist und bleibt eine Glaubensfrage. Experten betonen, dass naturnahe Gestaltung von Gärten und Landschaft die beste Überlebensgarantie für Vögel darstellt. Ornithologen und solche, die es werden wollen schätzen aber die Möglichkeit, die Tiere am Futterbrett zu beobachten. Dabei brauchen verschiedene Vogelarten unterschiedliches Futter. Grob unterscheidet man Körnerfresser (dicker, kräftiger Schnabel) und Weich- oder Insektenfresser (schmaler, spitzer Schnabel). Futterstellen sollten trocken und schmutzfrei sein. Eine Fütterung sollte nur bei Dauerfrost, geschlossener Schneedecke oder Eisregen erfolgen, vorzugsweise am morgen. (at.)

Im Schlamm einwühlen

Kleinere Tiere wie Dachse oder Füchse können sich bei Kälte in ihre Bauten und Erdlöcher zurückziehen. Dasselbe gilt für den neu angesiedelten Biber, sofern er stets Zugang zum (Unterwasser-)Eingang seines Baus hat. Gewisse Fische und Kröten wühlen sich im Schlamm ein.

Eine Fütterung der Wildtiere ist im Mittelland auch bei Schneedecke und gefrorenem Boden nicht vorgesehen und werde normalerweise auch in Berggebieten wie im Kanton Graubünden nur sehr zurückhaltend praktiziert, erklärt Struch weiter. Denn Futterstellen würden nur von starken Tieren monopolisiert. Das heisst, jene Tiere, die es eigentlich nötig hätten, bekommen nichts davon.

Etwas anders sieht die Situation bei Haustieren aus. Für Hunde, die im Zwinger gehalten werden, ist ein windgeschütztes, trockenes Plätzchen nötig. Kaninchen machen ebenfalls ein Winterfell und können sich im Heu verschlaufen, sofern genügend davon vorhanden ist. Dasselbe gilt für Meerschweinchen. Wichtig ist, dass die Behausungen bei Aussentierhaltungen trocken sind.

«Ziemlich kälteresistent»

Auch in der landwirtschaftlichen Tierhaltung sind die Kälteprobleme weniger gross, als es auf den ersten Blick erscheint. «Probleme gibt meist mit den Einrichtungen wie Wasserversorgung, Melkanlagen oder Entmistung», weiss Fritz Oppliger, landwirtschaftlicher Berater am Inforama in Zollikofen. Bei den Tieren selber komme es selten zu kritischen Situationen. Manche Tierrassen wie Schottische Hochlandrinder seien für die Kälte bestens gerüstet, und selbst Kühe seien ziemlich kälteresistent. Auch Schafe und Pferde kommen mit tiefen Temperaturen zurecht. Bisweilen müssen Pferdedecken eingesetzt werden. «Es kommt stark darauf an, ob sich die Tiere Kälte gewöhnt sind oder nicht.»

Am empfindlichsten sind noch die Schweine, aber diese werden kaum open air gehalten. «Sie sind auf isolierte Ställe oder dann genügend Einstreu angewiesen, in das sie sich einwühlen können», meint Oppliger. Generell seien grosse Temperaturunterschiede problematischer als die Kälte selber. In modernen Freilaufställen seien die Temperaturdifferenzen geringer und die Tiere können selber wählen, ob sie sich im Innen- oder Aussenbereich aufhalten.

Heikler seien die geschlossenen Anbindeställe, wo den Tieren trotzdem der vorgeschriebene periodische Auslauf gewährt werden muss. Dies setzt die Tiere grossen Temperaturunterschieden aus. Hier müssten die Bauern darauf achten, dass sich die Tiere auf einer trockenen und eisfreien Unterlage bewegen können.