Wildschweine auf der Suche nach eiweissreicher Nahrung entwickeln sich mancherorts zur Plage. Ein Problem, das sich mit den zunehmend milder werdenden Wintern verschärft. Die Frischlinge gedeihen bei Temperaturen, wie wir sie jetzt gerade haben, nämlich prächtig.

Im Thal etwa zeichne sich bereits eine starke Vermehrung der Wildschweine ab, beobachtet Bruno Born. Er ist Präsident der Revierjagd Kanton Solothurn. Zu schaffen macht das Schwarzwild dabei Landwirten und Jägern gleichermassen.

Die Bauern ärgern sich über die umgepflügten Heumatten und Maisfelder. Und die Revierjägerinnen und -jäger darüber, dass sie im Kanton Solothurn per Gesetz für die Hälfte des entstandenen Schadens aufkommen müssen. Ganz unabhängig von der effektiven Schadensumme.

Das kann für die acht bis zehn Jäger, die ein Jagdrevier normalerweise zählt, ganz schön teuer werden. Im Rahmen der Totalrevision des Solothurner Jagdgesetzes will der Kanton den Jägern entgegenkommen: Statt 50 Prozent sollen sie «nur» noch 35 Prozent übernehmen müssen. Zudem sieht der Gesetzestext eine Obergrenze vor, die rund 12 000 Franken im Jahr nicht überschreitet.

Vor Verwaltungsgericht abgeblitzt
Ein Vorschlag, der bei der Revierjagd Kanton Solothurn auf offene Ohren stösst: «Der Vorstand der Revierjagd kann mit diesem Vorschlag ganz gut leben», sagte gestern Präsident Bruno Born gegenüber dieser Zeitung. Es dürfte aber noch einige Zeit verstreichen, bis eine Lösung umgesetzt wird.

Derzeit ist nämlich vor Bundesgericht eine Beschwerde der Lostorfer Revierjäger hängig, welche die Jäger vollständig von der Pflicht befreien will, für Wildschweinschäden aufzukommen. Im Jahr 2013 mussten die Lostorfer gemäss der 50-Prozent-Regel über 35 000 Franken zahlen (wir berichteten). Eine Rechnung, die sie vor rund einem Jahr beim Solothurner Verwaltungsgericht angefochten haben.

Das Solothurner Entschädigungsmodell widerspreche dem Bundesrecht, lautet die Begründung für die Beschwerde. Diese stützt sich auf eine Studie des Verbandes Revierjagd Schweiz. Vor Verwaltungsgericht sind die Lostorfer Ende September abgeblitzt. Seit November ist die Beschwerde vor Bundesgericht hängig.

Breite Unterstützung
Bei der Bundesgerichtsbeschwerde finanziell unterstützt wird das Revier Lostorf neben der Revierjagd Kanton Solothurn auch von Jagdgesellschaften aus einer Reihe anderer Kantone. Vergleichbare Entschädigungsmodelle wie in Solothurn gibt es heute in jenen Kantonen, die ebenfalls ein Revier-System kennen.

Die Mehrheit der Kantone indes verkauft den Jägerinnen und Jägern Patente, die sie zur Jagd im ganzen Kantonsgebiet berechtigen. In den Patentgebühren ist dabei die Abgeltung für die Wildschweinschäden inbegriffen.

«Wir hoffen auf ein klares Urteil des Bundesgerichts», sagte vonseiten der Verwaltung Kantonsoberförster Jürg Froelicher. In den letzten Jahren sei das Entschädigungsmodell immer wieder in Zweifel gezogen worden. «Wir haben ein gewisses Verständnis für die Argumentation der Betroffenen», meinte Froelicher. Es sei für die Jäger sehr anspruchsvoll, die Wildschweine in genügend grosser Zahl zu erlegen.

Es könne aber nicht sein, dass diese nur auf ihre Rechte pochen, und nicht auch ihre Pflichten wahrnehmen wollen. Der Vorschlag im Rahmen der Totalrevision des Jagdgesetzes sei, so Froelicher, ein guter Kompromiss.

Bis zum Bundesgerichtsentscheid wird dieser jetzt aber auf Eis gelegt. Das trifft auf die gesamte Arbeit am neuen Jagdgesetz zu. Die Revision sei in der Vernehmlassung trotz unterschiedlicher Positionen auf «überwiegende Zustimmung» gestossen, heisst es in einer Mitteilung des Kantons. Zwingend nötige vom Bundesrecht vorgegebene Anpassungen werden im Sinne einer Übergangslösung auf den 1. Januar 2017 umgesetzt.