Zuerst dürfen die Kantonsschüler eine Solarzelle zerbrechen: «Das ist ja extrem filigran.» Sie sollen ein Gefühl bekommen für die dünnen Siliziumscheiben, die sie danach zu einem Photovoltaikmodul zusammenlöten. Das Modul wird später anstelle der Batterie ein ferngesteuertes Auto antreiben. Noch regnet es allerdings an diesem Donnerstagmorgen, wenn man aus dem Schulzimmer schaut. Thalia Meyer hofft auf Sonne am Nachmittag. Sie ist Chemieingenieurin und leitet den Workshop, der im Rahmen einer Technikwoche stattfindet.

Die Schulklasse hat während der Woche Gelegenheit, einen Blick in die Welt der Ingenieure und Informatiker zu werfen. So besuchten sie am Dienstag die Empa in Dübendorf: Ein Forscher aus dem Bereich Abgasbehandlung erklärte aus erster Hand, warum es schwieriger ist, die Abgase aus einem Dieselmotor zu reinigen als diejenigen eines Benzinautos. Die Schüler stehen um den Dieselmotor eines Lastwagens und lassen sich die Abgasreinigung mit Adblue erkären. «Das ist eigentlich nichts Anderes als Harnstoff», sagt der Wissenschafter – und die Schüler lachen. Kurz später halten sie den Prototyp eines neuen Katalysators in den Händen, der, wenn alles klappt, in ein paar Jahren in Serienautos eingebaut sein wird.

Einblick in ein Berufsfeld

«Die Technikwoche war eine tolle Chance, einen Einblick ins Berufsfeld der Ingenieure und Informatiker zu erhalten», sagt Fabio Fischer, Schüler der Klasse. Die Woche wurde von IngCH organisiert, einem Verbund von 30 Firmen im MINT-Bereich, die auf Nachwuchs im technischen Bereich angewiesen sind. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Die Woche soll Schüler für Ingenieurberufe motivieren, insbesondere diejenigen unter ihnen, die im privaten Umfeld keinen Zugang zur Technikwelt haben, aber durchaus Interesse hätten.

Mittlerweile löten die Schüler die Siliziumscheiben. Sie messen mit einem Multimeter die Spannung zwischen Vorder- und Rückseite der Solarzelle – und helfen mit einem starken Licht, einem Baustrahler nach, weil die Sonne immer noch fehlt. Damit die Spannung für das Spielzeugauto genügend gross ist, verbinden sie Zellen auf einer Styroporplatte zu einem Photovoltaik-Modul – ähnlich wie die Batterien in einem Gerät hintereinandergeschaltet werden, um die gewünschte Spannung zu erreichen. Schliesslich wird die Platte auf dem Spielzeugauto befestigt und los gehts. Mittlerweile drückt auch die Sonne durch die Wolken und die erste Gruppe stürmt mit dem Solarauto nach draussen.

Christoph Siegel, Physik- und Mathematiklehrer der Klasse, führt seit zehn Jahren Technikwochen mit seinen Schülern durch. Er bringt die Begeisterung für die Technik mit und will dies seinen Schülern weitergeben. Diese basteln mit viel Geduld an den Fahrzeugen, suchen mit Multimetern nach Wackelkontakten und rennen mit den Baustrahlern in den Gängen der Kantonsschule den Solarautos nach, um sie mit Energie zu versorgen. «Der Bau eines Photovoltaikmoduls ist ein tolles Erlebnis, auch wenn es mit einigen Schwierigkeiten verbunden ist», so Tim Fröhlicher, Schüler der Klasse.