Eindeutig auf dem aufsteigenden Ast ist Arbeit zu Hause bei der Zuchwiler Scintilla AG. Die zur Bosch-Gruppe gehörende Herstellerin von Elektrowerkzeugen hat gute Erfahrungen damit gemacht, wie Geschäftsleitungsmitglied Christoph Bärtschi sagt. «Wir nennen es Telearbeit und haben seit eineinhalb Jahren ein entsprechendes Reglement, das nach einer einjährigen Pilotphase jetzt definitiv gilt.»

Bei Scintilla werden den Mitarbeitern zwei Arten der Telearbeit angeboten: Zum einen kann auf gewissen Positionen und nach individueller Abklärung mit dem Vorgesetzten ein definiertes Pensum von max. 40% der Arbeitszeit von zu Hause aus gearbeitet werden. Damit könne man beispielsweise Frauen nach einer Geburt entgegenkommen oder die Wiedereingliederung nach einer Krankheitsphase erleichtert werden, meint Bärtschi.

Zum anderen besteht die Möglichkeit, nach Absprache mit dem Vorgesetzten flexibel bis zu vier Tage im Monat von zu Hause aus zu arbeiten. Dies komme beispielsweise in Frage für Projektarbeit oder die Erarbeitung spezifischer Unterlagen (Reglemente, Dokumentationen etc.).

«Unsere Mitarbeiter sagten uns oft, dass sie zu Hause mehr Ruhe haben. Wenn sie dadurch produktiver sind, umso besser für uns», erklärt Bärtschi. Auch weite Arbeitswege können eingespart werden. Er schätzt, dass inzwischen schon 30 bis 40 Personen bei Scintilla tageweise von zu Hause aus arbeiten. «Das Bedürfnis war klar und wir haben darauf reagiert. Ich denke, wir haben eine fortschrittliche Lösung gefunden.» Kein Faktor sei hingegen die Einsparung von Büroarbeitsplätzen gewesen. Die Form der Telearbeit sei auch nicht zu verwechseln mit Aussendienst-Mitarbeitern, deren Arbeitsbasis sehr oft zu Hause liege.

Ein Beispiel dafür ist Aastra Telecom in Solothurn. In der Vertriebsorganisation sind es alle Verkäufer (11 Mitarbeitende) sowie fast alle Servicetechniker, d.h. über 30 Mitarbeitende sowie einige Mitarbeitende in den administrativen Bereichen, die ganz oder teilweise von zu Hause aus arbeiten, wie Managing Director Ulrich Blatter rapportiert. «Verkäufer und Servicetechniker arbeiten zu rund 90 Prozent von zu Hause aus. Unser Motto ist: Arbeit ist eine Tätigkeit und nicht ortsgebunden.»

Aber auch in der Abteilung Forschung & Entwicklung (F&E) Aastra kennt man Telearbeit. «In der Forschung und Entwicklung haben recht viele einen Teleworking-Vertrag», meint Entwicklungschef Mario Giacometto. «Generell erlauben wir 1 Tag pro Woche.» Die Mitarbeitenden, die dies wollen, müssen ihren Antrag begründen können (z.B. lange Reisezeit). Die Gesuche würden aber praktisch immer bewilligt, denn es gebe nur wenige Jobs in der F&E, bei denen Teleworking nicht möglich ist.

Noch praktisch keine Arbeit zu Hause kennt die Verwaltung des Kantons Solothurn. «Dies wird bei uns praktisch nicht praktiziert», erklärt Personalchef Walter Stäheli. Zurzeit arbeite nur eine einzige Person im Sinne des GAV von zu Hause aus, obwohl jener dies im Paragraf 66 explizit ermöglicht. «Mit Bewilligungen sind wir weiter zurückhaltend», meint Stäheli, auch um den Preis, als nicht fortschrittlich zu gelten. Stäheli begründet dies mit dem Aussenauftritt des Staatspersonals. «Die Angestellten in den kantonalen Ämtern haben in der Regel viele Kontakte mit Bürgerinnen und Bürgern.» Im informellen Rahmen finde allerdings Arbeit zu Hause durchaus statt. «Wer hat nicht bei Termindruck schon etwas zu Hause fertiggestellt. Doch das findet überall statt», meint Stäheli, der sich aber vorstellen kann, dass in Zukunft auch bei der kantonalen Verwaltung Telearbeit eine gewisse Rolle spielen könnte.

Auch noch ganz am Anfang des Prozesses steht man bei Schaerer Kaffeemaschinen in Zuchwil. Laut Auskunft von Nicole Herren, Leiterin Management Support Unit, arbeitet zurzeit nur eine Person regelmässig von zu Hause aus, was noch im Zusammenhang mit dem erfolgten Umzug der Fabrik von Moosseedorf nach Zuchwil stehe. «Wir sind aber offen für das Thema und werden gegebenenfalls Lösungen präsentieren». Letzte Woche hat die Geschäftsleitung beschlossen, dass in bestimmten Abteilungen Home Office künftig möglich sein soll.

Auf der eher zurückhaltenden Seite findet man auch die Ammann Group in Langenthal. «Arbeiten von zu Hause aus ist für uns nur in Einzelfällen ein Thema. Wir gehen davon aus, dass sich Projekte bei täglichem persönlichen Kontakt effektiver entwickeln lassen», sagt Manuela Staub, Personalbereichsleiterin des Oberaargauer Konzerns. Da Telearbeit aber von den Mitarbeitenden immer öfters nachgefragt werde, werde man sich mit dem Thema befassen. «Wir sehen die Einsatzmöglichkeit aber nur für klar eingegrenzte Funktionen.»

Unterschiedlich ist die Handhabung einer Home-Office-Pauschale. Sie steht in der Regel Aussendienstlern zu, die von zu Hause aus ausrücken. Bei gelegentlicher Telearbeit geht man mehrheitlich davon aus, dass heute fast jeder auch privat über Internet in genügender Bandbreite verfügt. Der Laptop wird meistens von der Firma zur Verfügung gestellt. Bisweilen auch ein Smartphone.