Grenchen
Wieder einmal etwas los: Das Impfen wurde im Altersheim zum Ereignis

Die Impfkampagne des Kantons Solothurn ist in den Alters- und Pflegeheimen bisher gut angelaufen. Ein Besuch in den Alterszentren in Grenchen.

Daniela Deck
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Nach der Impfaktion treffen sich Bewohnerinnen und Bewohner wieder im Café des Weinberg. Nicht alle liessen sich impfen.

Nach der Impfaktion treffen sich Bewohnerinnen und Bewohner wieder im Café des Weinberg. Nicht alle liessen sich impfen.

Oliver Menge

Letzten Mittwoch hat ein Impfteam des Kantons Bewohnerinnen und Personal in den Alterszentren (AZ) Grenchen geimpft. «Es war eine gute Erfahrung ohne Zwischenfälle», bilanziert AZ-Gesamtleiterin Sonja Leuenberger. Nach zweimal zwei Stunden hatten an den Standorten Kastels und Weinberg alle Impfwilligen, zwei Drittel der Bewohner und gut ein Drittel des Pflegepersonals, die erste Dosis erhalten.

«Es klingt vielleicht überraschend, aber wir hatten beim Impfen im ‹Kastels› einen wirklich guten Nachmittag. Alle haben die Betriebsamkeit genossen. Dass nach Monaten der Abgeschiedenheit praktisch ohne Aussenkontakt wieder einmal etwas los war, war ein Ereignis für die Bewohnerinnen und Bewohner», sagt Andrea Valli, Fachverantwortliche Pflege und Spitex im «Kastels».

Zusammen mit der Pflegedienstleiterin des Alterszentrums Am Weinberg, Jessica Leins und unter der Regie der Gesamtleiterin Sonja Leuenberger hat Valli den Impftag organisiert. Jetzt warten sie auf die zweite Dosis. Den Termin dafür habe der Kanton noch nicht mitgeteilt.

Leiterin Sonja Leuenberger bespricht mit den Pflegedienstleiterinnen Andrea Valli und Jessica Leins den Ablauf.

Leiterin Sonja Leuenberger bespricht mit den Pflegedienstleiterinnen Andrea Valli und Jessica Leins den Ablauf.

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Sobald er feststeht, da sind die Organisatorinnen zuversichtlich, werde beim zweiten Impftag alles noch schneller gehen als beim ersten Mal. Denn die Registrierung der Impfwilligen ist schon gemacht. Die Bewohnerinnen wüssten, dass es in einigen Wochen noch einen zweiten Pieks geben wird, sagt Leuenberger.

Alle Bewohner einzeln angesprochen

Die meiste Arbeit fiel vor dem Jahresende an. Nach der Mitteilung der Impfkampagne durch den Kanton am 21. Dezember musste es schnell gehen. «Bis am 27. hatten wir Zeit, die Impfwilligen zu melden», so Leuenberger. Nach einem Brief an die Angehörigen wurde jede Bewohnerin, jeder Bewohner mit Hilfe des kantonalen Merkblatts informiert.

«Sich impfen zu lassen, ist eine persönliche Angelegenheit. Aus diesem Grund haben wir mit jedem einzeln gesprochen», argumentiert «Weinberg»-Pflegedienstleiterin Leins. Viele hätten gleich spontan geantwortet, die übrigen hätten die Frage erst mit ihren Angehörigen besprochen. «Man hat deutlich gemerkt, dass die Leute sich mit dem Thema intensiv befasst haben», sagt Leins. Auch beim Personal – neben dem Pflegepersonal konnten sich alle impfen lassen, die Bewohnerkontakt haben – waren die Meinungen schnell gemacht.

Die Bilanz: 65 Prozent der Bewohner und 30 Prozent des betreffenden Personals, wobei die Rate beim Pflegepersonal allein bei 40 Prozent liegt, liessen sich nach Aussage von Gesamtleiterin Leuenberger impfen. «Ich hätte bei den Bewohnern eine höhere Quote erwartet und beim Personal eine tiefere, sagt sie. «Gemessen an den Grippeimpfungen früherer Jahre, ist die Quote beim Personal erfreulich hoch.»

Sitzungszimmer wurde zur Impfzentrale

Die AZ-Gesamtleiterin lobt die Organisation und Durchführung des Impftages. Der Kanton habe vorgängig genau mitgeteilt, was an Infrastruktur benötigt wird. So konnte für das Impfteam alles vorbereitet werden. Die sechsköpfige Gruppe aus Zivilschützern und externem Gesundheitsfachpersonal wurde vom Grenchner Hausarzt Marcel Tièche begleitet.

Die Stationsleiterinnen und -leiter besprechen an ihrer Sitzung, wer noch nicht geimpft ist, wer später noch geimpft werden muss und wer sich nicht impfen lassen wollte.

Die Stationsleiterinnen und -leiter besprechen an ihrer Sitzung, wer noch nicht geimpft ist, wer später noch geimpft werden muss und wer sich nicht impfen lassen wollte.

Oliver Menge

Geimpft wurde im grossen Sitzungszimmer, sodass für Registrierung, Impfvorbereitung (Hautdesinfektion) und das Setzen der Spritze genügend Platz war und die Wartenden gemäss Gesundheitskonzept kanalisiert werden konnten. Anschliessend seien die geimpften Bewohner zur Überwachung allfälliger Nachwirkungen für eine gute Viertelstunde in den Aktivierungsraum gebracht worden. Doch unerwünschte Nachwirkungen (Unwohlsein, Juckreiz, Fieber) habe es in keinem Fall gegeben, auch nicht am Folgetag. Da sind sich die Pflegedienstleiterinnen, Leins und Valli, einig.

In Grenchen liessen sich rund ein Drittel des Pflegepersonal und rund zwei Drittel der Bewohnenden impfen.

In Grenchen liessen sich rund ein Drittel des Pflegepersonal und rund zwei Drittel der Bewohnenden impfen.

zvg

Leins erklärt: Eine besonders gebrechliche Bewohnerin habe die Impfung im Zimmer erhalten. In einem einzigen Fall habe die Impfung nicht stattfinden können. Dabei handle es sich um eine Person mit Demenzkrankheit. Die Tochter dieser Person habe gewünscht, dass der Versuch zu impfen, gemacht werde. «Leider hat es nicht geklappt, womit wir rechnen mussten», so Leins.

Lockerungen sind (noch) nicht geplant

Wer nun annimmt, dass der Impftag Lockerungen im strengen Pandemieregime mit sich bringt, täuscht sich. In den Alterszentren bleibt vorerst alles wie gehabt. Das gilt für die Bewohner, wie auch für das Personal, das sein Privatleben aus Verantwortungsbewusstsein ganz besonders stark einschränkt. «Der Grossteil der Bevölkerung ist noch nicht geimpft», gibt Leuenberger zu bedenken. «Wir haben in den Alterszentren Grenchen das Riesenglück, dass wir bisher von Corona verschont geblieben sind. Das wollen wir auf keinen Fall durch vorschnelle Lockerungen aufs Spiel setzen.»

Die Impfverantwortlichen Valli und Leins ergänzen: «Wir freuen uns über die Impfung. Sie ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Normalität. Trotz aller Einschränkungen geht es uns und unseren Kolleginnen und Kollegen gut. Wir leiden nicht unter Existenzangst, die einen Teil der Bevölkerung quält. Und wir sind uns bewusst, dass das in anderen Branchen ganz anders aussieht.»