Solothurner Superlative
Wie wohnt und tickt die typische Solothurner Familie?

Wie lebt die durchschnittliche Solothurner Familie eigentlich? Wie viele Kinder hat sie, wo wohnt sie, wie heisst sie und was sagt sie zur Kirche? Wir besuchen eine fiktive Familie, die genau dem statistischen Durchschnitt entspricht.

Sven Altermatt
Drucken
Teilen
Vertraute Sache? Blick ins «häufigste Wohnzimmer der Schweiz».

Vertraute Sache? Blick ins «häufigste Wohnzimmer der Schweiz».

Walter Bieri/Keystone

Weisse Tapeten, halbtransparente Vorhänge, dunkler Chlötzli-Parkett. Die Wohnwand bietet reichlich Stauraum für Krimskrams. Das hellblaue Sofa ist mit pflegeleichten Mikrofasern bezogen. Auf dem Glastisch davor liegt eine Zeitung. Es gibt eine Hausbar und einen Fernseher mit DVD-Gerät. Kommt Ihnen das vertraut vor? Dann hereinspaziert in die gute Stube - Schuhe ausziehen nicht vergessen! Heute sind wir zu Gast bei Familie Solothurner.

Die Solothurners wohnen zur Miete in einem Mehrfamilienhaus, irgendwo im Speckgürtel der Stadt Solothurn. Ihre Wohnung hat vier Zimmer, ist 96 Quadratmeter gross und wird zentral beheizt.

Ein Supermarkt liegt in Gehdistanz. Zufällig ist hier gar nichts - ausser, dass Familie Solothurner eigentlich Müller heisst. Schliesslich ist Müller der häufigste Nachname im Kanton Solothurn. Doch eine Ausnahme darf sein.

Ansonsten ist das Mittelmass unser Mass der Dinge. Wir haben aus zwei Dutzend Studien und Umfragen eine typische Solothurner Familie modelliert. Familie Solothurner ist Durchschnitt pur. Niemand ganz, aber alle ein bisschen. Angefangen im Wohnzimmer: ein Raum gewordenes Stück Statistik. Konstruiert wurde das «häufigste Wohnzimmer der Schweiz» von der Werbeagentur Jung von Matt.

Typisch: Daniel, Maria und Laura

Die Familie Solothurner: Vater Daniel (48), Mutter Maria (47) und Tochter Laura (17). Ihre Vornamen sind die häufigsten des jeweiligen Jahrgangs. Ehepaar mit Kindern? Noch immer die beliebteste Lebensform im Kanton Solothurn.

Und weil die Solothurnerin zwischen 41 und 50 Jahren im Schnitt nur ein Kind zur Welt gebracht hat, ist auch Laura ein Einzelkind. 1997, im Jahr ihrer Geburt, lag die Geburtenziffer im Solothurnischen bei 1,45 Kindern pro Frau.

Solothurner Superlative

Grösser, breiter oder schneller? In einer losen Serie beleuchten wir Solothurner Errungenschaften, Menschen oder Orte, die mehr zu bieten haben als der Durchschnitt.

Ganz anders bei Daniel und Maria: Sie sind Kinder der «Babyboom»-Generation und haben je zwei Geschwister. 1970 wurden in Solothurn 3700 Babys geboren. 40 Jahre später waren es nur noch 2400 Babys - obwohl die Einwohnerzahl Solothurns derweil stark gestiegen ist.

Der Kanton Solothurn ist Daniels Heimat. Hier ist er aufgewachsen, hier fühlt er sich wohl. Nach der obligatorischen Schulzeit lies sich Daniel zum Sanitärinstallateur ausbilden. Die Lehre blieb bis heute seine höchste Ausbildung - wie bei den meisten Männern seiner Generation.

Marias Biografie verlief vorerst ziemlich ähnlich: Auch sie wuchs in Solothurn auf, in einem Dorfladen hat sie eine Ausbildung als Verkäuferin abgeschlossen. Daniel und Maria kannten sich bereits aus der Schule, als sie sich an einer Party ineinander verliebten. 1996 heirateten die beiden, ein Jahr später machte Laura das Familienglück perfekt.

Karriere oder Kind? Diese Frage stellte sich Maria nie. Sie kündigte ihrem Job und fügte sich ins klassische Rollenmodell. Daniel, der heute im Aussendienst arbeitet, sorgte fortan alleine für das Familieneinkommen. «Wenn das Kind da ist, hänge ich meinen Job an den Nagel»: Diese Devise steht noch immer hoch im Kurs.

Immerhin: Seit Laura immer weniger zu Hause ist, arbeitet Maria in einem Schuhladen. Ihr Arbeitspensum beträgt 60 Prozent. Das passt ins Bild, denn 83 Prozent der Solothurnerinnen arbeiten Teilzeit. Heute hat Maria wieder Fuss gefasst in der Arbeitswelt. Und auch Laura hat in dieser längst ein festes Plätzchen ergattert: Seit vergangenem Sommer macht sie ihre KV-Lehre bei einer Versicherung.

Kirche ja, aber nicht von innen

Wenn Daniel abends nach Hause kommt, lässt er sich erst mal aufs Sofa fallen. Um den Haushalt kümmert sich hauptsächlich Maria. Auch das ist typisch: In 83 Prozent der Solothurner Haushalte ist die Frau für die Familienarbeit zuständig. Maria arbeitet 44 Stunden pro Woche im Haushalt, Daniel nur halb so lange.
Die Freizeit ist den Solothurners heilig.

Am Sonntag fahren sie in ihrem silbrigen Skoda-Kombi an die Aare oder in die Berge. Eine Solothurner Haushaltung besitzt im Schnitt 1,4 Autos. Während Maria und Laura oft mit dem Bus unterwegs sind, nutzt Daniel den öffentlichen Verkehr nur selten.

Die 15 Kilometer ins Büro legt er mit dem Auto zurück. Am Mittwochabend bleibt keine Zeit für das gemeinsame Nachtessen: Dann lässt Daniel das Blech scheppern. Er ist Posaunist in einer Musikgesellschaft und gehört damit zu den 55 Prozent der hiesigen Männer, die in einem Verein aktiv sind. Bei den Frauen beträgt der Anteil nur 44 Prozent.

Ach ja, wie halten es die Solothurners eigentlich mit der Religion? Klar ist: Die Familie gehört zur römisch-katholischen Mehrheit im Kanton. Allerdings ist ihr Verhältnis zur Kirche distanziert: Daniel und Maria bezahlen pünktlich ihre Kirchensteuern, sind aber kaum je im Gotteshaus anzutreffen. Die Familie Solothurner hat alles, was sie braucht. Ihre Wohnung ist ihr Reduit, hier findet sie Ruhe und Geborgenheit.

Was würden die Solothurners ändern, wenn sie einen Wunsch frei hätten? Eine grössere Wohnung, denken sie manchmal, wäre nicht schlecht. Geradezu fromm ist da der Spitzenreiter im Hoffnungsbarometer: der Wunsch nach einem glücklichen Familienleben.

Aktuelle Nachrichten