Wirtschaftswoche
Wie werde ich Jungunternehmer – in nur fünf Tagen?

Instant-Bier, Schuhe mit und ohne GPS und eine multifunktionale Crème. Diese Produkte mussten die Maturanden des wirtschaftlich-rechtlichen Maturitätsprofils der Kantonsschule Solothurn während der letzten Woche möglichst gewinnbringend vermarkten.

Beatrice Kaufmann
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Anlass bot die Wirtschaftswoche, die derzeit jedes Jahr durchgeführt wird. Den Kern bildete dabei das Computerprogramm WIWAG, mit dem der Wirtschaftsmarkt simuliert werden kann. Jedes der vier Produkte wurde von vier Unternehmen während fünf simulierten Jahren hergestellt und vertrieben. Alle Entscheidungen, die der Vorstand des Unternehmens fällte, bestimmten daraufhin den Verlauf des folgenden Jahres. Am Freitag, also nach «fünf Jahren», musste der Vorstand jedes Unternehmens an der Generalversammlung seine Ergebnisse präsentieren, Entscheidungen begründen und Ziele für die Zukunft formulieren. Dabei mussten sie sich auch den kritischen Fragen ihrer «Aktionäre» stellen. «Weshalb haben Sie den Personalabbau nicht stufenweise durchgeführt?», «Wieso dieses sprunghafte Verhalten bei den Ausgaben für die Ökologie?», «Sie forcieren den Verkauf von Alkohol an Jugendliche, finden Sie das verantwortungsvoll?»; die Schüler gingen mit ihren Konkurrenten nicht zimperlich um. Damit wird eine Beobachtung, vom «CEO» der «Prosit AG», Micha Brugger, untermauert. «Man beginnt sich mit dem Unternehmen zu identifizieren und fiebert richtig mit.»

Neben der Simulation erhielten die Maturanden wertvolle Informationen von verschiedenen Unternehmen und der Gewerkschaft Unia. «Den Schülern wurde erklärt, wie ein Werbevideo von Coop zustande kam. Solche Informationen erhält man sonst natürlich nie», erzählt Rolf Hofer, Rektor des wirtschaftlich-rechtlichen Maturitätsprofils.

Grosses Engagement der Schüler

Rolf Hofer zeigt sich zufrieden mit der Wirtschaftswoche. Gerade dieses Jahr habe man ein sehr grosses Engagement der Schüler feststellen können. «Es kamen viele kritische Fragen bei den Generalversammlungen. Und eine Gruppe hat sogar einen Fehler im Programm entdeckt.» Von den Maturanden habe man zudem sehr positive Reaktionen erhalten.

Dies bestätigt auch Brugger. «Ich denke, ich habe diese Woche wesentlich mehr gelernt, als wenn wir eine Woche lang normalen Wirtschaftsunterricht gehabt hätten», erklärt er. Auch Landammann Christian Wanner lobte im Anschluss an die Präsentationen die Umsetzung des Projekts. «Hier wurde ein Bereich beleuchtet, der sehr wichtig ist.» Und das in seiner Gänze, wie Wanner betonte. «Auch die soziale Seite der Wirtschaft wurde berücksichtig, das finde ich sehr gut.» Den Schülern rechnet er ihre Einsatzbereitschaft an. In seiner Schulzeit habe man vieles gemacht, «damit's durch ist.» An den Generalversammlungen habe er aber gesehen, dass die Schüler engagiert gewesen seien, dass sie konstruktiv mitgearbeitet haben und ihre Rolle sehr gut eingenommen haben. «Es war echt», sagte er dazu.

Was haben die Schüler denn nun gelernt in dieser Woche? «Sie mussten zunächst etwas planen. Wenn das Ergebnis letztlich nicht der Planung entsprach, mussten die Schüler Ursachen dafür finden », erklärt Rolf Hofer. Diese Fähigkeiten brauche man im Leben immer wieder.