Was bringt man im Volksmund mit dem Esel in Verbindung? Genau, störrisch und dumm sei das Tier! Wenn Edith Müller aus Grasswil diese Worte hört, kann sie nur den Kopf schütteln. «Der Esel ist ein intelligentes Tier, welches in vielen Bereichen einsetzbar ist», meint sie. Die meisten Leute wüssten jedoch nicht, wie man mit Eseln umgehen sollte.

Oft werden sie zusammen mit Kühen, Schafen und Ziegen auf eine Weide gestellt, in der Funktion eines «Rasenmähers». Dass eine zu grosse Menge an frischem Gras zur Erkrankung des Esels führe, sei dabei den wenigsten bewusst. «Wenn die Menschen ein Pferd kaufen, machen sie sich von vornherein auch Gedanken, ob sie ihm das bieten können, was es braucht», erzählt Edith Müller. Dies komme wohl auch davon, dass die Anschaffung eines Pferdes bis zu 15 000 Franken koste.

Der Marktwert des Esels liege im Gegensatz bei rund 300 Franken. Die Esel würden oft in Massen auf Schlachtschiffen nach Europa verfrachtet und dann auf dem Markt als «zahm und kinderlieb» angeboten. Der Esel habe in der Haltung jedoch ähnlich hohe Anforderungen wie ein Pferd.

Um die Tierliebhaber über diesen Fakt aufzuklären, haben die Müllers zusammen mit der Schweizerischen Interessengemeinschaft der Eselfreunde und dem Schweizerischen Pferdesportverband ein Ausbildungsprogramm zum «Eselführer» entwickelt.

Der Pferdesportverband hätte vor einiger Zeit ein System entwickelt, um den Kindern die Haltung von Pferden beizubringen. Die Ausbildung wurde in zehn Themenbereiche gegliedert, wobei die Kinder bei jedem erfolgreich absolviertem Thema ein Abzeichen erhielten. Dieses System wurde nun auch für den Esel übernommen und angepasst. Auch sei es auf jede Altersklasse ausgerichtet, nicht nur auf Kinder.

«Die Mischung aus Jung und Alt in den Arbeitsgruppen hat sich als sehr produktiv erwiesen», erzählt Edith Müller. Die jeweiligen Altersgruppen würden sich bei der Arbeit gut ergänzen.

Die Ausbildung zum Eselführer beinhaltet zwei Kurstage und einen Prüfungstag. Die Prüfung wird von Richtern des Schweizerischen Pferdesportverbands abgenommen. «Bis es so weit ist, gibt es für die Absolventen und Absolventinnen aber viel zu tun», so Edith Müller. Ein Esel sei ein anspruchsvolles Tier, die richtige Pflege soll gelernt sein. Zu Beginn bearbeite man grundlegende Themen wie die Stallarbeit und die Fütterung. «Ein Esel benötigt einen eingestreuten Stall», erklärt Müller. Da er eine andere Haarstruktur als das Pferd habe, gehe die Feuchtigkeit bei ihm direkt in die Haut. Ein Esel müsse ebenso gebürstet und gestriegelt werden wie ein Pferd. Die Hufpflege des Esels sei sehr wichtig, denn das Tier stamme ursprünglich aus den afrikanischen Wüstenregionen, weshalb er die feuchten Wiesen bei uns nicht gewöhnt sei. Seine Hufeisen müssten alle sechs bis zehn Wochen von einem Hufschmied angepasst werden, da er sie auf dem Boden unregelmässig abtragen würde.

«Bei der Fütterung muss man darauf achten, dass der Esel drei Portionen Heu am Tag bekommt», sagt Edith Müller. Frisches Gras sei für den Esel wie für den Menschen ein Dessert. Zu viel davon kann ihn krank machen. «Man darf den Esel nicht überfüttern, da er von seiner Herkunft gewöhnt ist, nicht viel zu fressen. «Man soll dem Esel eher wenig, jedoch qualitativ gutes Fressen geben», so die Eselexpertin. Im zweiten Teil des Kurses lernen die Teilnehmer unter anderem, wie man einen Esel sattelt und wie man sich mit ihm im Strassenverkehr verhält. Auch das Thema Hilfeleistung werde behandelt. Das beinhalte die erste Hilfe für das Tier sowie für den Menschen – wenn jemand beispielsweise von einem Huf getroffen wird. «Für mich ist das wichtigste Thema aber das Wissen um die giftigen Pflanzen», erzählt Edith Müller, denn ein Esel könne die verschiedenen Pflanzen nicht von sich aus unterscheiden.

Sobald man im Besitz eines Eselführer-Ausweises ist, könnten auch noch Vertiefungskurse absolviert werden.

Infos: www.eselmueller.ch