Seit Sonntagmorgen müssen sich die Angehörigen von Ursula Wigger aus Neuendorf mit Schrecklichem auseinandersetzen: Die 59-Jährige gilt als vermisst. Laut Angaben der Kantonspolizei Solothurn verliess Ursula Wigger zwischen 10.45 und 12 Uhr ihr Wohndomizil in Neuendorf und bestieg den Bus in Richtung Oensingen.

In der Vermisstenanzeige der Polizei stehen diverse Angaben über die Person: Sie sei zirka 169 cm gross, von mittlerer Statur und habe schwarz gekrauste und schulterlange Haare. Zudem trage sie blaue Jeans, eine rote Jacke in verschiedenen Rottönen mit Blumenmuster sowie eine Brille.

Bei Ursula Wigger handelt es sich leider um keinen Einzelfall: Im Jahr 2017 wurden in der Schweiz hochgerechnet 4700 Personen als vermisst gemeldet. Das sind knapp 13 pro Tag. Im Kanton Solothurn wurden im Jahr 2017 48 Personen als vermisst gemeldet.

Doch wie geht die Polizei bei solchen Suchen vor? Und was können Angehörige machen, wenn eine geliebte Person plötzlich nicht mehr auftaucht? Die Kantonspolizei Solothurn gibt Auskunft.

Wie lange müssen Angehörige warten, bis sie die Polizei kontaktieren können? Gilt die 24-Stunden-Regel?

Thomas Kummer, Mediensprecher Kapo Solothurn: Nein, Angehörige müssen keine 24 Stunden abwarten um die Polizei über eine vermisste Person zu informieren, dies hängt ganz von den gegebenen Umständen ab. Aber je früher wir informiert werden, desto besser.

Wie geht die Polizei bei der Suche nach vermissten Personen vor?

Jeder Vermisstenfall ist anders. Deswegen kann ich keine allgemeingültige Antwort auf diese Frage geben. Die Vorgehensweise der Polizei hängt unter anderem von folgenden Kriterien ab: Vom Alter der vermissten Person, deren Gesundheitszustand, ist sie auf Medikamente angewiesen, ist sie suizidgefährdet, ist ein Abschiedsbrief vorhanden, wie sieht deren Lebenssituation aus, von der Örtlichkeit des Verschwindens, von den äusseren Einflüssen zum Zeitpunkt des Verschwindens wie Witterung, Temperatur und so weiter. Dann stellt sich die Frage, ob Anhaltspunkte über den möglichen Aufenthaltsort vorhanden sind oder nicht. Je nach Situation und Umstände entscheidet die Polizei nach dieser Erhebung, welche personellen und technischen Mittel eingesetzt werden.

Um was für Mittel handelt es sich dabei?

Das Spektrum der Massnahmen ist weitreichend und kann von einer einfachen Suche bis hin zum Einsatz von speziell ausgebildeten Suchhunden, Helikoptern und technischen Massnahmen wie beispielsweise Handy-Ortungen alles umfassen.

Wann sind Öffentlichkeitsfahndungen sinnvoll?

In den meisten Fällen ist es so, dass die als vermisst gemeldeten Personen durch die polizeilichen Suchmassnahmen gefunden werden können. Nur wenn diese Massnahmen nicht zum Erfolg führen, wird die Öffentlichkeit um Hilfe gebeten. Je nach Situation erfolgt die Ausschreibung national oder im Schengener Informationssystem SIS. Eine öffentliche Fahndung im Zusammenhang mit Vermissten ist unter gewissen Umständen angezeigt. Dies insbesondere bei Jugendlichen oder wenn eine akute Gefahr für Leib und Leben besteht. Im Grossen und Ganzen also, wenn die Mitwirkung der Öffentlichkeit nötig und geeignet erscheint. Eine Öffentlichkeitsfahndung erfolgt immer in vorheriger Absprache mit den Angehörigen und kommt vorwiegend dann zum Einsatz, wenn die vorausgegangenen Massnahmen nicht zur Auffindung der vermissten Person geführt haben.

Inwiefern können die sozialen Medien wie beispielsweise Facebook in die Suche integriert werden?

Die Verbreitung einer Vermisstmeldung über soziale Medien ist als Ergänzung zu den polizeilichen Massnahmen sinnvoll. Dies, weil die Vermisstmeldung durch das Teilen rasch verbreitet wird, demzufolge ein grösserer Personenkreis Kenntnis über den Vermisstenfall hat und allenfalls bei der Suche helfen könnte. Bei Beiträgen auf den sozialen Medien ist aber zugleich auch Vorsicht geboten.

Wie bei allen Beiträgen auf Facebook und dergleichen, bleiben die Fotos der vermissten Person in der Regel im Netz, auch nach der Auffindung dieser Person. Das ist ein Nachteil dieser Suche mit Social Media.