Digitalisierung

Wie steht es mit dem digitalen Wandel im Kanton?

Die Digitalisierung ist auch im Kanton Solothrun allgegenwärtig. (Symbolbild)

Die Digitalisierung ist auch im Kanton Solothrun allgegenwärtig. (Symbolbild)

Die Digitalisierung ist allgegenwärtig. Wie weit ist die neue industrielle Revolution im Kanton Solothurn? Eine Studie der Fachhochschule beleuchtet dies.

Bloss mal eine einfache Firmen-Website ins Netz stellen oder einen einzelnen Arbeitsplatz automatisieren, darum geht es nun nicht mehr. Das wurde an einer Veranstaltung klar, welche der TCBE durchführte – ein Verein, der bezweckt, die Telekommunikations- und die Informatik-Wirtschaft in den Kantonen rund um die Bundesstadt zu stärken.

Es geht jetzt darum, die Digitalisierung aus den Kinderschuhen zu hieven und sie «erwachsen» zu machen. Der digitale Wandel ist allgegenwärtig, wie Landammann Remo Ankli festhielt. «Es ist zentral, dass die Schule den Anschluss an die digitale Entwicklung nicht verpasst.»

Moderator Roger Graber von der kantonalen Wirtschaftsförderung zeigte mit einer Grafik, dass das Pro-Kopf-Einkommen seit 1000 v. Chr. bis zum Beginn der Industriellen Revolution gleich hoch war und die Kurve danach steil nach oben schnellte. Die damalige wirtschaftliche Revolution sei eine totale gesellschaftliche Veränderung gewesen.

Der Wandel ist Alltag

Das Cluster TCBE Solothurn habe sich gefragt, wo wir im Kanton bei der neuen Industriellen Revolution stünden und bei der Fachhochschule Nordwestschweiz eine Studie in Auftrag gegeben, in Zusammenarbeit mit der kantonalen Wirtschaftsförderung. Studienleiterin Stella Gatziu Grivas zeigte einen kleinen Einblick in die Studie, die am 23. Juni publiziert wird.

Von etwa 90 Entscheidungsträgern der Unternehmen unterschiedlicher Branchen hatten 60 einen Online-Fragebogen ausgefüllt. Wo steht man? Wie bereitet man sich vor? Wo braucht es Unterstützung?

60 Prozent der Befragten gaben an, dass die digitale Transformation bereits fester Bestandteil der Unternehmens-Strategie sei. Und 40 Prozent bestätigten, dass Digitalisierung von Vorgesetzten explizit gefördert werde. Ein grosser Teil der Befragten erachtet Business-IT/Alignment und die entsprechenden Prozesse als zentral für einen problemlosen Ablauf bei der Realisierung der digitalen Strategie. Bei den Fachkompetenzen und dem Know-how ist ein Defizit bei der Schulung zu erkennen. Derzeit fehlen vor allem im Bereich IT-Software-Entwicklung Fachkräfte. Gefolgt vom Bereich Forschung und Entwicklung und dann der IT-System-Administration.

Am meisten zu reden gab der Vergleich der wichtigen Fachkompetenzen in 5 Jahren und heute. Manches ist erwartet, etliches überrascht. Social-Media-Kenntnisse würden fast dreimal wichtiger. Das Projektmanagement schrumpfe auf zwei Drittel seiner Wichtigkeit, ebenso das Verständnis für Programmierung. Wichtiger würden das Veränderungsmanagement, Daten-Analyse und Daten-Interpretationsfähigkeiten sowie allgemeine Digitalkompetenz.

Grivas wollte vor allem die Diskussion anregen. «Wir sind in einer Zeit, in der technologisch sehr viel passiert. Das geschah schon vorher, aber jetzt ist das Tempo anders», sagte sie. Die Informationstechnologie (IT) hätte nun eine ganz andere Funktion: «Die IT ist nicht nur da, um das Business zu unterstützen, sondern um das Business zu treiben.» Ein Zuhörer fragte, ob sich Digitalisierung auf das Wachstum auswirke. Grivas meinte, Studien im Ausland würden zeigen, «dass Firmen, die digitalisiert unterwegs sind, mehr Gewinn machen».

Branchen-Unterschiede

Moderator Roger Graber von der kantonalen Wirtschaftsförderung fragte Grivas, wie weit wir im nationalen Vergleich seien. Grivas: «Es gibt Branchen, die attackiert werden von New Players, die müssen transformieren und sind in der Digitalisierung weiter.» So die Handelsindustrie und die Pharma, während traditionellere Branchen wie die Verwaltung zurückstünden. Dies bestätigte in der Podiumsdiskussion auch Daniel Probst, Direktor der Solothurner Handelskammer. Im Kanton gebe es vor allem Präzisionsindustrie und Metallverarbeitung, die seien vor allem bei der Produktionssteigerung mit Automatisierung beschäftigt, weniger mit anderen Bereichen der Digitalisierung.

Es wurden auch Probleme und Ängste angesprochen. Daniel Probst meinte: «Wir müssen Vertrauen haben, nicht in den Staat, sondern in alle Akteure.» Bald werde die Bevölkerungszahl wieder abnehmen, sodass wir froh seien, dass uns Maschinen Arbeit abnehmen. Julian Portmann, Leiter Business Operation bei der Centris, sah die schwierige Verantwortung der Unternehmer, den Leuten auch in fünf Jahren noch einen Job geben zu können. Früher hätte eine Umschulung noch nicht so umfassend geschehen müssen. «Man muss aufpassen, dass wir nicht in zu viel Digitalisierung hineinkommen.»

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