Cuno Amiet

Wie Solothurns berühmtester Maler dank eines Amerikaners auf Twitter weiterlebt

Profilbild von «Cuno Amiet».

Profilbild von «Cuno Amiet».

Der 1961 verstorbene Cuno Amiet hat einen eigenen Twitteraccount. Betreut wird dieser von einem Amerikaner.

Pünktlich zum Winteranfang verbreitete Cuno Amiet die Aufnahme eines seiner Gemälde auf Twitter, «Thunersee mit Stockhorn», Öl auf Leinwand. Ein Segelboot schippert über den glasklaren, türkis schimmernden See.

Amiet? Twitter? Ganz genau, da stimmt etwas nicht. Der grosse Maler aus Solothurn ist 1961 im Alter von 93 Jahren verstorben, das Bild vom Thunersee hat er bereits im Jahr 1924 gemalt und der Kurznachrichtendienst Twitter existierte damals, im analogen Zeitalter, noch nicht einmal als Vision.

Trotzdem twittert Amiet munter Fotos seiner Werke in die Welt hinaus. Dank des Accounts «Cuno Amiet» mit dem Nicknamen «@cuno_amiet» lebt der Maler im Internet weiter.
Sein Profilbild zeigt kein schnödes Selfie, sondern stilecht ein Selbstporträt. Und dass der virtuelle Amiet über mehr als 1200 Follower verfügt, dürfte nicht wenige der Twitterer unter den Solothurner Prominenten neidisch werden lassen.

Verwunderlich ist das nicht: Den ewiggleichen Privat-Tweets mit Foodies, aufpolierten Aufnahmen des eigenen Essens, und langweiligen Landschaftsaufnahmen hält Amiet einen Auszug seines Gesamtwerks entgegen. Den Zürichsee im Föhnlicht. Die Frau mit dem violetten Hut. Das Frühlingserwachen auf der Oschwand.

Ein Fan aus Amerika

Wer aber steckt hinter «@cuno_amiet» auf Twitter? Der Account wird von einem Künstler und Internet-Unternehmer im US-amerikanischen Bundesstaat Colorado betrieben. Der Mann mit dem Nicknamen «@andreitr» bezeichnet sich als Fan des «Swiss painter and graphic artist». Mit seiner Firma versucht er, Kulturschaffende in den sozialen Medien zu vermarkten. Amiet dient ihm dabei quasi als Aushängeschild – nebst Grossmeistern wie Claude Monet oder Vincent van Gogh, die sich auf Twitter ebenfalls aus dem Jenseits melden.

Lange war es eher ruhig um Amiet, der zusammen mit Ferdinand Hodler zu den bekanntesten Schweizer Künstlern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehört. Doch in den vergangenen Jahren erlebte er, der in Solothurn zur Welt kam, ein Comeback. 2010 gingen zwei seiner Werke bei einer Auktion für jeweils über eine Million Franken weg. «Winter auf der Oschwand» löste 1,3 Millionen Franken, «Winterlandschaft» gar 1,7 Millionen Franken. Aktuell ist eine umfassende Amiet-Ausstellung in Mendrisio zu sehen.

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