Mobilität
Wie Solothurner Pendler unterwegs sind

9 von 10 Solothurner Berufstätigen pendeln an ihren Arbeitsort – die meisten noch immer mit dem Auto. Doch der öffentliche Verkehr wird immer beliebter. Und: Frauen pendeln anders als Männer.

Sven Altermatt
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Vertrautes Gedränge: Reisende des Regionalverkehrs Bern–Solothurn bei ihrer Ankunft in Bern. Pendeln mit der Bahn erfreut sich wachsender Beliebtheit.

Vertrautes Gedränge: Reisende des Regionalverkehrs Bern–Solothurn bei ihrer Ankunft in Bern. Pendeln mit der Bahn erfreut sich wachsender Beliebtheit.

Keystone

Verstopfte Strassen, volle Züge? Immer mehr Solothurner fahren mit dem Zug zur Arbeit. Allerdings ist weiterhin mehr als jeder zweite Pendler aus dem Kanton mit seinem Motorfahrzeug unterwegs. Die neusten Fakten zur Mobilität stammen aus der Strukturerhebung 2013, die das Bundesamt für Statistik kürzlich veröffentlicht hat. Wir haben die Zahlen gewälzt. Nebst eher wenig überraschenden Ergebnissen findet sich auch Sonderbares:

9 von 10 Solothurner Erwerbstätigen sind Arbeitspendler (129 150 Personen) – also Personen, die ihre Wohnung für die Arbeit verlassen. Der Anteil hat sich in den vergangenen fünf Jahren kaum verändert.

Der öffentliche Verkehr erfreut sich wachsender Beliebtheit: Jeder fünfte Solothurner Pendler (29 070 Personen) nutzt ein öffentliches Verkehrsmittel. Seit 1990 erhöhte sich der Anteil an den Hauptverkehrsmitteln um 4 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil des motorisierten Individualverkehrs leicht zurückgegangen. 82 300 Pendler (64 Prozent) nutzen das Auto, das Motorrad oder ein anderes Motorfahrzeug.

Das ist der typische Pendler

Nimmt man das Mittelmass als Mass der Dinge und modelliert einen typischen Solothurner Pendler, ergibt sich folgendes Bild: Sein Zeitbedarf pro Arbeitsweg lag 2013 im Mittel bei einer halben Stunde. Diesen legt er in seinem Auto zurück, einem Skoda-Kombi. Der Durchschnittspendler ist im Vergleich zu 2012 sieben Minuten länger unterwegs. Und laut Prognosen wird der Zeitbedarf in den nächsten Jahren weiter steigen. Das kostet Zeit und Nerven. (sva)

77 500 Pendler (60 Prozent) nutzen das Auto. Mit der Eisenbahn, dem zweitbeliebtesten Verkehrsmittel, fahren 19 540 Personen (15 Prozent) zur Arbeit. Zu Fuss gehen 9320 Personen (7 Prozent). Noch weniger Pendler sind mit dem Bus unterwegs: 7760 Personen (6 Prozent). Dabei gilt tendenziell: Je ländlicher eine Region, desto weniger Menschen reisen mit Bus oder Bahn.

Was auffällt, sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Wesentlich mehr Frauen (4682) als Männer (3076) nutzen den Bus. Gleichzeitig gehen auch mehr Frauen (5190) zu Fuss als Männer (4130). Genau umgekehrt ist es beim Auto: 43 910 Männer sitzen hinter dem Steuer, während nur 33 590 Frauen mit dem Auto pendeln. In den Zugabteilen ist das Verhältnis der Geschlechter dagegen praktisch gleich.

Keine Solothurner Domäne ist das Velo: 8250 Solothurner Pendler radeln zur Arbeit. Der Velo-Anteil an den Hauptverkehrsmitteln liegt mit 6,5 Prozent ziemlich genau im schweizweiten Durchschnitt. Immerhin ist der Anteil im Vergleich zum Nachbarkanton Aargau deutlich höher: Dort nutzen nur 5,8 Prozent der Pendler ein Velo.

60 Prozent der Solothurner Pendler sind bis zu einer halben Stunde an ihren Arbeitsort unterwegs. Oder anders gesagt: Der grösste Teil der hiesigen Pendler wendet täglich bis zu einer Stunde auf, um zur Arbeit und wieder nach Hause zu gelangen.

Fast ein Drittel der Pendler (37 760 Personen) benötigt pro Weg mehr als eine halbe Stunde. Jeder zwölfte Pendler (11 240 Personen) ist gar mehr als eine Stunde unterwegs zur Arbeit. Verglichen mit 2012 ist der Anteil der «Hardcore-Pendler» allerdings um zwei Prozent zurückgegangen.

Mehr als zwei Drittel der Solothurner Pendler (83 180 Personen) legen ihren Arbeitsweg bis zu fünfmal pro Woche zurück. 5 Prozent der Pendler (5860 Personen) sind gar über zehnmal pro Woche an ihren Arbeitsort unterwegs – vermutlich, weil sie über Mittag nach Hause fahren.

Ein eher exotisches Verkehrsmittel sind die Werksbusse. Heute gleichen sie einem Relikt aus dem Industriezeitalter, aus der Blütezeit der Stahlwerke. Doch immerhin 2560 Solothurner Pendler (2 Prozent) werden weiterhin in einem Werksbus an ihren Arbeitsort chauffiert. Der Schweizer Durchschnitt liegt bei 1,3 Prozent.

Das Verhalten der Pendler aus dem Kanton Solothurn entspricht in weiten Teilen dem Schweizer Durchschnitt. Die Daten der Strukturerhebung beruhen auf Personenbefragungen. Daraus wird auf die Gesamtbevölkerung geschlossen. Diese Schätzungen sind wie üblich mit Ungenauigkeiten behaftet, bieten aber Anhaltspunkte. Ein Bericht zur Pendlermobilität veröffentlicht das Bundesamt für Statistik im Frühjahr.

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