Am Freitagabend bestimmt eine Mischung aus einer unbekannten Sprache und geheimnisvollen Düften das Foyer der Pädagogischen Hochschule FHNW (PH FHNW) in Solothurn. «Shefletoni, njihuni» – zum Anschauen – heisst es auf dem Schild beim Bücherstand; «Falas për ju» – zum Mitnehmen – bei den bunten Prospekten, in denen Integrationsprojekte vorgestellt werden.

Wer mit dem Albanischen nicht vertraut ist, könnte sich ohne deutsche Übersetzung keinen Reim aus diesen Sätzen machen. Zig Menschen tummeln sich zwischen Bilderwänden und Apérobuffet. Beim offiziellen Teil ist die Aula bis auf den letzten Platz besetzt. «Ich bin schlicht überwältigt, wie viele heute gekommen sind», sagt Christiane Lubos. Die Dozentin für interkulturelle Pädagogik reibt sich zufrieden die Hände.

Das altehrwürdige Lehrerseminar war gerade Geschichte, als die PH FHNW mit der Universität Luigj Gurakuqi in Shkodra ein «Nord-Süd»-Projekt startete. Während acht Jahren arbeiteten Lehrkräfte und Studenten um Christiane Lubos, Claudia Schuh (emeritierte Kunst-Dozentin) und Sabine Amstad (Dozentin für ästhetische Bildung) mit der pädagogischen Fakultät aus der nordalbanischen Stadt zusammen.

Seit wenigen Tagen lässt sich der Stolz ihres Projektes in den Händen halten. «Mit Sockenpuppen unterwegs» – «Bashkë me kukullat çorape» auf Albanisch – nennt sich das zweisprachige Buch, das nun erhältlich ist. Bedrohlich, aber irgendwie auch sympathisch blickt eine Sockenpuppe, die gut getarnt mit wuscheligen, grünen Haaren im hohen Gras sitzt, auf dem Cover dem Leser entgegen.

Albanien, das unbekannte Land?

Wie kamen die Hochschulen überhaupt auf die Socken? «Kern des Projektes ist das interkulturelle Figurenspiel», erklärt Christiane Lubos. Dieses sei «pädagogische Handlung, kreativer Akt und transkulturelle Verständigung in einem». Klingt sperrig, soll aber die Blockaden lösen, die beim Kommunizieren mit Menschen aus anderen Kulturen entstehen. Gerade im Umfeld einer Schule.

So ist es denn auch kein Zufall, dass sich die PH FHNW einen Partner in Albanien gesucht hat. «Über 200 000 Menschen aus Albanien leben in der Schweiz», weiss Lubos. Trotzdem wisse man kaum etwas über das Land, das bei vielen ein schlechtes Image habe. «Gerade für Lehrpersonen in der Primarschule ist es wichtig, mehr über diesen Kulturkreis zu erfahren.» Bei der Vernissage sind auch Gäste aus Skhodra und in der Schweiz lebende albanische Familien anzutreffen.

Alles wird in den jeweiligen Muttersprachen erklärt und simultan übersetzt. Auch bei den Workshops, in denen Pädagogik-Studenten die Sockenpuppen gebastelt haben, sei in bis zu fünf Sprachen miteinander gesprochen worden, erzählt Lubos: «Die Sprache rückte in den Hintergrund, nur der Inhalt zählte.» Und dann gab es da natürlich noch die Sockenpuppen.

Aufwand minimal, Ertrag maximal

Das Projekt-Buch ist als Arbeits- und Lehrmittel konzipiert. Wissenschaftliches trifft auf Handfestes. 13 Fachtexte zum interkulturellen Figurenspiel ergänzen die Anleitungen, in denen Bilder die Führung übernehmen. Schritt für Schritt werden Lehrer an die Sockenpuppen herangeführt. Die Puppen selbst kommen mal mit menschlichen Zügen, mal als Fantasietiere daher.

Auf Abbildungen sind Kinder zu sehen, die vergnügt mit ihren neuen Lieblingen spielen. Da erstaunt es auch nicht, wenn der Theaterpädagoge Werner Panzer in seinem Beitrag resümiert: «Beim Figurenspiel wird mit einem minimalen Aufwand eine maximale Wirkung erzielt.»

Das Lehr- und Arbeitsmittel «Mit Sockenpuppen unterwegs – Bashkë me kukullat çorape» kann online bestellt werden: www.interkulturelles-figurenspiel.ch