Joghurtbecher, Milchflaschen und die Verpackung der Glühbirne. Laut Bundesamt für Umwelt (Bafu) verbraucht ein Schweizer im Jahr rund 125 Kilogramm Kunststoff (siehe auch Box). Alles landet im Sack. Die Frage ist nur, in welchem: Soll man leere Shampoo-Flaschen und Katzenfutter-Büchsen in den grauen Abfallsack schmeissen oder in den durchsichtigen Sammelsack für Kunststoff-Abfall?

Dazu gibt es verschiedene Ansichten – und Studien. Das Bafu befürwortet zwar die Verwertung von PET-Flaschen. Anders sieht es aus, wenn es um das Sammeln von gemischtem Kunststoff-Abfall geht. So verweist das Bafu auf seiner Website auf einen Bericht, in welchem steht, damit werde «ein vergleichsweise geringer Umweltnutzen ziemlich teuer erkauft».

In einem anderen Bericht der Empa, der eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, wiederum heisst es: «Die gemischte Sammlung hätte das Potenzial, künftig einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von CO2-Emissionen der Abfallwirtschaft zu leisten.»

Letzten Herbst nahm das SRF das Thema genauer unter die Lupe. Die Sendung «Kassensturz» knöpfte sich die Anbieter von Kunststoff-Recycling – Verkäufer von Sammelsäcken für Plastik und Co. – im Test vor.

Fazit: Nachdem der Abfall oft lange Zeit auf Lagerplätzen herumstehe, werde davon weniger verwertet als vom Anbieter versprochen. Ein Teil des Plastikmülls lande sogar im Ausland. Auch eine Solothurner Firma hat einen Platz in der Sendung: Das Entsorgungscenter Neuenschwander in Lohn-Ammannsegg

Die Hälfte wird recycelt

17 Gemeinden arbeiten mit dem System von Neuenschwander. In diesen können die Sammelsäcke an Entsorgungsstellen abgegeben werden. 53 Verkaufsstellen in der Region haben die Säcke im Sortiment. Landet ein Teil des Abfalls danach wirklich im Ausland? Nicht nur ein Teil, sondern der gesamte Kunststoff, wie Christof Neuenschwander, zuständig für den Fachbereich Kunststoff, bestätigt.

Die Säcke werden in Lohn-Ammannsegg gepresst, danach in den Kanton Thurgau an die Firma innorecycling geliefert. Von dort aus gelangt der Abfall ins grenznahe Ausland nach Deutschland oder Österreich. Dort wird rund die Hälfte des Kunststoffs wiederverwertet. Nur die Hälfte – im Ausland?

Auch andere Kunststoffe würden exportiert, stellt Neuenschwander klar. Und daraus werde nicht so eine grosse Sache gemacht. Flaschenglas beispielsweise werde zu 60 Prozent im Ausland verwertet. Aluminiumdosen zu 100 Prozent. Berichte auf der Website des Bafu bestätigen das. Alu-Dosen werden in «grenznahen Schmelzwerken» recycelt.

Verwertungsquote: 90 Prozent (Stand 2016). 66 Prozent des Altglases, das Herr und Frau Schweizer in die Tonne werfen, werden ebenfalls exportiert. Verwertungsquote: 96 Prozent. Die Verwertungsquote von Kunststoff allerdings liegt bei 50 Prozent.

Wie viel Wert diese Zahl hat, ist laut Neuenschwander eine «Frage der Perspektive». Bei einem Glas Wasser könne man schliesslich auch von halb voll oder halb leer reden – das sei «eine Frage der Kommunikation». Es sei auf jeden Fall besser, mit einer 50-Prozent-Verwertungsquote zu starten, als gar nichts zu tun.

«Ökologischer Unsinn»

Mit Skepsis betrachtet das Sammelsystem ein anderer Entsorger aus der Region, Franz Bläsi von Bläsi Mulden in Bellach. Unterm Strich sei das Sammeln von gemischtem Haushalt-Kunststoff «ökonomisch und ökologisch gesehen Unsinn».

«Wir finden es mehr als fragwürdig, wenn jemand mit einem 35-Liter-Sack – mit einem Nutzinhalt von einem bis zwei Kilogramm – zu einer Sammelstelle fährt, diesen dort deponiert und im Glauben ist, Grossartiges für die Umwelt geleistet zu haben.»

Man müsse sich schon wundern über solch unsinnige Transporte, nur damit Kunststoff im Ausland verbrannt werde. Da sei die Verbrennung in der Kebag sinnvoller. «So entsteht Fernwärme – ohne Transport in der halben Weltgeschichte», so Bläsi. «Ich sehe nicht ein, warum man stattdessen einen teuren Sack für Kunststoff kaufen sollte, wenn dieser nachher in einem Ofen in Österreich oder wo auch immer landet», so der Chef von Bläsi Mulden.

Gemischter oder verdreckter Kunststoff – wie Flaschen mit Shampoo-Resten – sei im Gegensatz zu PET-Flaschen nur schlecht verwertbar, fährt Bläsi fort. Sinnvoller sei es, sortengetrennten Kunststoff zu sammeln – wie beispielsweise Milchflaschen – und diesen dann bei Grossverteilern zu entsorgen.

Möglicherweise sei das Sammeln von gemischtem Haushalt-Kunststoff in der Zukunft sinnvoll – wenn es dann auch die geeigneten Technologien dazu gebe. Bis dahin ist die beste Lösung laut Bläsi – nebst dem Sammeln von getrenntem Kunststoff: Abfall reduzieren. Beispielsweise Verpackungen: «Für manche braucht man heutzutage ja fast schon eine Eisensäge.»

Diese Meinung teilt Christof Neuenschwander: Kunststoff-Recycling sei ein Rappen-Geschäft. Es sei auch nicht Sinn und Zweck, das grosse Geld damit zu machen. Ebenso wenig sei es Ziel, dass Kunden möglichst schnell ihren Sammelsack auffüllten. Sondern, dass sie ihr Kaufverhalten überdenken. Also am Schluss weniger Abfall produzieren.