Gesundheit
Wie schädlich ist der Besuch im Solarium?

Der Frühling kommt nur zögernd. Viele in der Region suchen deshalb Wärme und Licht im Solarium. Die Sonnenstudios erleben derzeit einen Boom, dies obwohl erwiesen ist, dass Solarien das Hautkrebsrisiko erhöhen können.

Melanie Riedi
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Wegen mangelnder Sonne treibt es viele ins Solarium.

Wegen mangelnder Sonne treibt es viele ins Solarium.

Maddalena Tomazzoli

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Solarien das Hautkrebsrisiko bei häufigem Gebrauch erhöhen und den Hautalterungsprozess beschleunigen können. Trotzdem legen sich noch immer viele Leute regelmässig auf die künstlichen Sonnenbänke, wie eine Umfrage bei den Solarienbetreibern der Region zeigt.

Susanne Karer, Geschäftsführerin des Sonnen-Centers in Gerlafingen, ist bereits seit 25 Jahren in der Branche tätig. «Wir haben stetig Neukunden, von dem her läuft es gut», sagt sie. Die vielen Selbstbedienungssolarien, die in den letzten Jahren eröffnet wurden, sind ihr ein Dorn im Auge. «Da habe ich grosse Bedenken. Denn es ist ganz wichtig, dass die Kunden in einem Solarium beraten werden. In den Selbstbedienungssolarien sind die Beschreibungen des Bräunungsvorgangs mangelhaft und meist ist niemand da, der den Kunden helfen kann. Deshalb passieren vielen Leuten Fehler beim Bräunen. Und die Dosis macht dann das Gift», sagt Karer.

Wie umgehen mit Risiken?

Auch Regina Zürcher, Team- und Bereichsleiterin des Solothurner Sonnenstudios Sunpoint, ist diesen neuartigen Lokalen gegenüber kritisch eingestellt: «Mit dem Trend ‹Solarium› geht es aufwärts. Mittlerweile kommen sehr viele junge Leute zu uns, die gemerkt haben, dass die Selbstbedienungssolarien nicht das Wahre sind. Wir haben auch immer mehr ältere Kunden mit Gelenkschmerzen hier und junge Leute mit starker Akne oder einer Sonnenallergie.»

Zürcher ist der Meinung, dass die Haut bei stundenlangem Sonnen unter freiem Himmel viel stärker gefährdet wird, als wenn jemand bewusst in ein Sonnenstudio geht und sich beraten lässt.

Das sieht auch Heinz Büttler, Geschäftsführer und Mitinhaber des Fitnesscenters Fitnexx in Oensingen so. Der Gang ins Solarium sei vernünftiger als stundenlang an der prallen Sonne zu liegen. Er rät Menschen unter 18 Jahren trotzdem davon ab, weil die junge Haut empfindlicher sei als diejenige von älteren Menschen. «Wenn das gesundheitliche Risiko im Solarium wirklich so gross wäre wie viele behaupten, würden wir es nicht mehr anbieten. Es ist alles eine Frage des Masses. Wenn sich jemand nicht zu häufig auf die Sonnenbank legt, ist es absolut unbedenklich», sagt Büttler.

Das Solarium sei früher klar mehr benutzt worden, doch von September bis Mai habe er immer noch sehr viel Kundschaft. «Im Winter und an trüben Tagen trägt die Indoor-Sonnenbank bei vielen Menschen auch zur Erhellung des Gemüts bei», so Büttler.

Auch Danushka Gerber, Betriebsleiterin des Fitness Centers Flower Power in Olten, erlebt momentan keinen Boom: «Das Geschäft läuft sicher nicht mehr wie in den 80er- und 90er-Jahren. Damals wollten alle immer braune Haut. Da wissenschaftlich erwiesen ist, dass zu häufige Solariumbesuche für die Haut nicht optimal sind, machen wir absichtlich keine grosse Werbung für unsere Sonnenbank.»

Das handhabt Aline Zaugg, Betriebsleiterin der Solothurner Flower-Power-Filiale, gleich – obwohl das Solarium bei ihrer Kundschaft sehr beliebt sei. «Der Gang ins Solarium hat schon nach kurzer Zeit eine sichtbare Veränderung zur Folge. Unsere Kunden möchten gesund aussehen und eine gewisse Bräune haben. Deshalb wird dieses Angebot auch bei uns relativ viel benutzt.»

«Leute sind besser informiert»

Dem Fitnesscenter Athena in Solothurn wird zurzeit beinahe die Bude eingerannt: «Während des Winters hatten wir schon viel Kundschaft. Aber jetzt wo die Sommersaison bevorsteht, kommen wieder extrem viele Leute ins Solarium. Wir sind sehr zufrieden», sagt die Rezeptionistin Claudia Stocker. Ganz anders sieht es bei Colibri Sun in Olten aus.

Die Inhaberin Susanne Wyss hat geschäftlich gesehen einen schlechten Winter erlebt: «Nach dem vergangenen, prächtigen Sommer kamen nebst meinen Stammkunden nicht viele Leute ins Solarium. Und wegen der Baustelle vor meinem Geschäft habe ich sowieso weniger Kundschaft als sonst.» Marika Woodtli vom Kosmetik-Solarium Elégance in Hägendorf braucht ihre Sonnenbank ebenfalls nicht mehr so oft. Aber aus einem anderen Grund: «Seit meiner Pensionierung arbeite ich nur noch nebenbei etwas. Ich kann aber nicht klagen, da meine Stammkundschaft seit Jahren regelmässig von meinem Solarium Gebrauch macht.»

Auch das Sonnenstudio der Kraftwerk Trainingscenter AG in Olten kann seit langem auf die Mitglieder des Fitnesscenters zählen. Und trotzdem hat Mariella Fella, Geschäftsführerin und Inhaberin, festgestellt, dass wieder vermehrt Leute unter ihren Sonnenbänken liegen: «In meinen Augen hat das damit zu tun, dass sich die Leute im Internet mittlerweile besser informieren können. Sie wissen, dass es ihnen nicht schadet, wenn sie einmal pro Woche für fünf bis zehn Minuten ins Solarium gehen.» Früher hätten viele Leute locker eine halbe Stunde am Stück darin gelegen. Und das sei nicht gesundheitsfördernd gewesen.