Reto Notter ist Finanzverwalter und damit ein Zahlen-Freak. «Ich wurde von einzelnen Gemeinderäten für eine solche Statistik angefragt, darum habe ich sie ab letzten Herbst zusammengestellt.» Der nüchterne Titel «Statistik Steuerjahr 2017» trügt: Dahinter verstecken sich durchaus spannende Erkenntnisse. Für Notter ist das Papier eine Basis für die künftige Stadtentwicklung.

Aufteilung der Stadt Solothurn gemäss Steuerstatistik 2019

Stadtteile Stadt Solothurn

Aufteilung der Stadt Solothurn gemäss Steuerstatistik 2019

«Im Gebiet Weitblick muss man sich überlegen, ob man günstigen Wohnraum schaffen will oder eine Durchmischung anstrebt.» Und wenn man im Westen viel baue, «haben wir plötzlich ein Überangebot». Denn genau in diesem Punkt liefert die Steuerstatistik interessante Ergebnisse. Hat doch der Finanzverwalter das Stadtgebiet in sechs Bereiche aufgeteilt und das Steueraufkommen geografisch untersucht. Nur die Grunderkenntnis ist wenig überraschend: Im Norden, im Steingruben- und Fegetzquartier, wohnen die besten Steuerzahler. 

Stadt Solothurn: Gemeindesteuerertrag 2017 (natürliche Personen)

Wo der Wohnraum knapp ist

Keine 10 Prozent der Steuerpflichtigen wohnen dort, doch sie brachten 2017 bei den natürlichen Personen gleich 18,6 Prozent des Steueraufkommens von 56,6 Mio. Franken ein. Spannender sind für Reto Notter Bewegungen innert kurzer Zeit: «Das Steueraufkommen ist im Norden stark gewachsen, um 715 Franken pro Kopf seit 2015. Im Nordosten gabs das zweithöchste Wachstum, er löste damit den Osten auf dem zweiten Platz ab.»

Im gleichen Zeitraum sank dagegen das Pro-Kopf-Aufkommen in der Altstadt um rund 300 Franken – für Notter unerklärlich. «Da müssen wir die Entwicklung im Auge behalten.» Aber eines ist für ihn klar: Der Norden dürfte weiter boomen. «Man kann es nicht mit Zahlen belegen. Aber wo der Wohnraum knapp ist, ziehen besser Betuchte hin.» Oder anders ausgedrückt: In den besten Lagen finden bei hohen Preisen nur noch sehr Wohlhabende Wohnungen, Land und Häuser, was die Aufwärtsspirale dort erklärt.

Und die andern?

Vieles in der Statistik liegt auch auf der Hand: So generieren nur 9 Prozent aller Steuerpflichtigen, 1198 mit einem steuerbaren Einkommen von 100’000 bis 200’000 Franken, gleich 26 Prozent des Ertrags bei den natürlichen Personen – fast 15 Mio. Franken. Die zahlenmässig grösste Kategorie, jene 2859 Steuerpflichtigen oder 27,7 Prozent, die zwischen null und 10’000 Franken liegen, bringen der Stadtkasse nur gerade 200’000 Franken oder 0,4 Prozent des Steuerertrags ein. Was Notter auffällt: «Auch die ältere Generation zahlt in Solothurn schön Steuern.» Dagegen sieht er «kein Klumpenrisiko» bei den juristischen Personen, die 2017 knapp 12 Mio. Franken eintrugen – also nur etwa einen Fünftel der natürlichen Personen. Mehr als die Hälfte dieses Steuerertrags, fast 6,6 Mio. Franken, ging damals auf das Konto jener 32 Firmen in Solothurn, die einen Ertrag von mehr als einer Million ausweisen konnten.

Stadt Solothurn: Gemeindesteuerertrag 2017 (natürliche Personen)

Die Steuerstatistik stiess im Gemeinderat nur auf lauwarmes Interesse, dennoch will sie Reto Notter nun jährlich liefern – Olten und Grenchen kennen kein ähnliches Instrument. In Solothurn sieht der Finanzverwalter auch keine Trendwende der rosigen Steuerzeiten. Den Beweis dürfte er in wenigen Tagen liefern: Alles andere als ein Millionen-Überschuss in der Rechnung 2018 würde überraschen.