Smartphones, Laptops, Portemonnaies. Alles was ihm in die Hände gelangte, liess Ajwad A.* in der Zeit von Anfang Juli bis Anfang August 2013 aus fremden Wohnungen mitgehen. Besonders aktiv war der marokkanische Asylbewerber in der Stadt Solothurn. Während dreier nächtlicher Diebestouren kletterte er insgesamt 13 Mal eine Fassade hoch und gelangte so über den ersten Stock in die Wohnungen.

Aber nicht nur Solothurn wurde zum «Opfer» von Ajwad A., auch Wangen an der Aare hatte es ihm angetan. Als ihn dort nämlich am 3. August 2013 eine Polizeipatrouille zwecks Kontrolle mit auf den Posten nahm und später wieder gehen liess, nutzte er die Gunst der Stunde und stieg kurzerhand noch in acht Häuser ein.

Sein Vorgehen war immer gleich: Er marschierte durch die Strassen, sah ein offenes Fenster, schaute sich um ob noch irgendwo Licht brannte und falls nicht: stieg er ein, klaute alles mögliche und entwischte auf demselben Weg, den er gekommen war. Bei diesen insgesamt 21 Einschleichdiebstählen erbeutete der 30-Jährige Gegenstände mit einem Gesamtwert von 57'000 Franken. Das Deliktsgut verkaufte er an unbekannte Abnehmer. Mit dem Erlös kaufte er sich Lebensmittel, Kokain und Medikamente.

Doch Ajwad A. war nicht immer alleine unterwegs. Allam R.*, auch ein marokkanischer Asylbewerber, soll in fünf «Solothurner-Fällen» dabei gewesen sein. Zwar war der 28-Jährige nie in Wohnungen eingestiegen, wartete aber auf der Strasse und nahm die Beute entgegen. Zudem soll er am 8. Oktober innerhalb einer Nacht insgesamt 16 Fahrzeuge in Sursee LU aufgebrochen haben. Deliktsumme: 34'000 Franken.

Befragung war schwierig

Für die erwähnten und weiteren Delikte mussten sich die zwei renitenten Asylbewerber am Montag vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern verantworten. Der Sachverhalt war schon vor der Verhandlung klar; die beiden Männer sitzen seit mehreren Monaten im Untersuchungsgefängnis Solothurn und sind mehrheitlich geständig. Es galt nur noch herauszufinden, welche Delikte sie verübt hatten und welche nicht.

Das Amtsgericht unter Vorsitz von Claude Schibli wollte mehr über die Rolle von Allam R. in den «Solothurner-Fällen» wissen und befragte zu diesem Zweck Ajwad A. Schnell wurde klar, dass seine Befragung schwierig sein würde. Bis zu fünfmal liess Schibli den arabischen Übersetzer die Frage wiederholen. Schliesslich klappte es: «Allam wartete draussen und hat die gestohlenen Sachen empfangen. Insgesamt fünfmal.» Dieser Antwort widersprach Allam R. Dieser mochte sich nur an zweimal erinnern und dort «habe er nichts gestohlen.» Warum er dann überhaupt mitging, wollte Schibli wissen. «Ich hatte kein Geld und er fragte mich, ob ich ihm helfe.»

Staatsanwältin Claudia Scartazzini forderte für beide Beschuldigten unbedingte Haftstrafen. Bei Ajwad A. strich sie besonders die «Fassadenkletterei» heraus, denn diese seien die Hauptdelikte «Er gibt zwar vieles zu, aber nicht alles.» Die Polizei habe zu dieser Zeit eine Einbruchsserie registriert und die Fälle vor seinem ersten Einbruch und nach seiner Verhaftung analysiert. «Das Ergebnis war, dass sie keine ähnlichen Fälle fanden.» Zu Allam R. sagte sie: «Zuerst will er Ajwad A. nicht gekannt haben, dann doch und dann soll er sich plötzlich an ihm rächen wollen ...» Das schliesse sie aber aus, «denn wäre es so, hätte er mehr als nur fünf Einbrüche angegeben». Es falle vor allem auf, dass sich Allam R. oft in der Opferrolle sehe.

Die Aussagen von Ajwad A. seien insgesamt überzeugender und auch wahrscheinlicher, da er viele Einbrüche zugegeben hatte, «auch solche, die wir nicht hieb- und stichfest beweisen konnten.» Angesichts vom Verschuldensausmass komme darum weder für den einen noch für den anderen eine Geldstrafe infrage. Bei Ajwad A. komme zudem hinzu, dass er eine Eskalation riskierte, «er wusste, dass Leute im Haus sind.» Sie forderte für Ajwad A. eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren; für Allam R. 30 Monate.

Der amtliche Verteidiger von Ajwad A. forderte einzelne Freisprüche für seinen Mandanten. Seiner Meinung nach seien nämlich einige Delikte nicht genügend bewiesen. Darum forderte er eine Freiheitsstrafe von maximal 3 Jahren. Er erwähnte, dass sein Mandant nie jemanden bedroht oder verletzt habe. «Wenn man ihn bemerkte, ist er einfach davon gerannt.» Ausserdem sei ihm anzurechnen, dass er sich im ganzen Ermittlungsverfahren sehr kooperativ gezeigt habe.

Der Verteidiger von Allam R. forderte auch für seinen Mandanten einzelne Freisprüche; in vielen Fällen sei er jedoch des Diebstahls und des versuchten Diebstahls schuldig zu sprechen. «Es gibt aber Delikte, da reichen die Indizien und die belastenden Aussagen von Ajwad A. nicht, um ihn zu verurteilen.» Der Verteidiger hinterfragte auch, ob es überhaupt möglich sei, alleine in einer Nacht 16 Autos aufzubrechen. Sein Mandant habe sich zu kriminellen Handlungen verleiten lassen und habe dies jetzt bereits mit neun Monaten U-Haft zu spüren bekommen. Darum forderte er eine Freiheitsstrafe von höchstens neun Monaten bedingt. Das Urteil wird heute Dienstag erwartet.
* Namen von der Redaktion geändert.