Die Toilettenschüssel zu reinigen, das stinkt Manfred Zeller. «Ich habe noch nie gern geputzt», sagt der Mann aus Selzach bestimmt. Man kann ihm nachfühlen. Doch nicht nur die WC-Bürste, sondern auch den Kochlöffel hat der Mittfünfziger in seinem Leben kaum geschwungen. Zeller und seine Frau lebten das klassische Familienmodell. Er brachte das Geld nach Hause, sie kümmerte sich um Herd und Heim.

Nun haben die beiden die Rollen getauscht. Die Frau arbeitet auswärts, und während eines Jahres ist es der Mann, der putzt, bügelt und die drei Kinder bekocht. «Es war ein Sprung ins kalte Wasser», bekennt Zeller. Das bisschen Haushalt, es macht sich eben doch nicht von allein.

Im Bildungszentrum Wallierhof in Riedholz lernten am Samstag Männer alles, was es dazu braucht. Vom Anbraten von Fleisch bis zum Zusammenfalten der Wäsche. In einem Crashkurs wiesen die Hauswirtschaftslehrerinnen Michelle Bur und Helene Rudolf acht Herren zwischen 18 und 71 Jahren in die Geheimnisse des Kochens und Haushaltens ein.

Acht Männer im Hauswirtschaftskurs des Bildungszentrums Wallierhof – und weshalb der Kurs überhaupt angeboten wird

Acht Männer im Hauswirtschaftskurs des Bildungszentrums Wallierhof – und weshalb der Kurs überhaupt angeboten wird

Knöpfli in Japan

Da ist Kosuke Haruyama. Der junge Mann aus Tokio absolviert während eines Jahres ein Landwirtschaftspraktikum in Gretzenbach. Seine Chefin hat ihn zum Kurs angemeldet. «Ich will lernen, wie man Schweizer Gerichte kocht. Und wenn ich später einmal heirate, will ich im Haushalt helfen. Das ist nämlich keine Frauenarbeit», ist der 26-Jährige überzeugt. Zurück in Japan will Haruyama seine Partnerin mit Rösti oder Knöpfli verwöhnen. Und am Sonntag wird er ab und zu einen Zopf backen.

«Lieber genug Fett benutzen», sagt Michelle Bur zum Fleischbraten.

«Lieber genug Fett benutzen», sagt Michelle Bur zum Fleischbraten.

Zuerst muss er nun aber Eiweiss für das Zimtparfait schaumig schlagen. Zum Hauptgang gibt es Rindsmedaillon an einer Rotwein-Schokoladen-Sauce und Kartoffelgratin mit Bohnen. «Wo kann man Vanillepaste kaufen», fragt Kursleiterin Michelle Bur in die Runde und blickt in leere Gesichter. Für einmal weiss niemand eine Antwort. «Doch die Teilnehmer sind sehr engagiert», sagt die Kursleiterin und beteuert: «Sie sind alle freiwillig hier. Es wurde niemand gezwungen.»

«Beim Waschen und Bügeln hatte ich keine Ahnung», sagt David Lauber.

«Beim Waschen und Bügeln hatte ich keine Ahnung», sagt David Lauber.

Während die einen das Rindfleisch salzen – «nicht zu viel, weil das Salz Wasser entzieht» – hängen andere in einem Nebenraum die Wäsche auf. Sie haben bereits gelernt, dass man die Kleider nicht mit dem Fuss in die Waschtrommel stopfen soll und dass man auf Weichspüler getrost verzichten kann. Die Wäsche wird kaum weniger weich, und ausserdem ist es schlecht für die Umwelt. «Man lernt immer etwas dazu», sagt Josef Affentranger, während er eine Jeans ausschlägt, damit es später nicht knittert.

«Die Wäsche immer so aufhängen, dass es schnell trocknet», mahnt Helene Rudolf. Das heisst möglichst breit – ausser bei String-Tangas. «Die haben ja nicht so viel Stoff. Die kann man auch mit einem Klämmerlein aufhängen», weiss die Kursleiterin. Sie will den Teilnehmern etwas Freude vermitteln. «Denn die Hausarbeit hat einen schlechten Stellenwert und braucht Überwindung.» Sie hat selber Söhne und spricht aus Erfahrung.

Keine Frauenarbeit

Es sei schön, dass die Männer unter sich sind, findet Josef Affentranger, der schon einen Kurs fürs «Kochen ruckzuck» hinter sich hat. Da habe es leider kaum Männer gehabt. «Dabei lernt man hier viel Neues». Schon in der Vergangenheit ging der 71-Jährige im Haushalt zur Hand. «Aber ich war halt eher ein Chaot.» Auch Affentranger hält nicht viel von Geschlechterstereotypen im Haushalt.

Thomas Pfister hat zum  ersten Mal seine Freundin bekocht

Thomas Pfister hat zum ersten Mal seine Freundin bekocht

Tatsächlich hat sich das Ideal der Schweizer Hausfrau erst nach dem Zweiten Weltkrieg durchgesetzt. In früheren Epochen waren die Rollen immer mal wieder unterschiedlich verteilt. Und bloss weil sich der Altsteinzeitmann mit Mammuts raufte und die Frau währenddessen die Höhle warmhielt, sind Rollenverteilungen nicht natürlich, sondern immer auch kulturell konstruiert. Doch selbst in Ländern, wo die Gleichstellung fortgeschritten ist und beide Partner Vollzeit arbeiten, leisten Frauen noch heute mehr im Haushalt. Am meisten helfen gemäss einer Studie die Norweger mit. Dass sich das Beziehungsklima dadurch verbessert, kann bloss vermutet werden.

Der Aufwand im Haushalt werde oft unterschätzt, sagt Michelle Bur. Deshalb sei es wichtig, die Arbeit so effizient wie möglich zu erledigen. «Denn es ist etwas, das man nicht delegieren kann.» Trotzdem kenne sie mehrere verheiratete Männer, die die Wäsche noch immer zum Mami bringen.

Das wird Thomas Pfister nicht mehr machen. Der 22-Jährige ist vor zwei Wochen zu Hause ausgezogen und führt jetzt den eigenen Haushalt. Das Menu jedenfalls hat er im Wallierhof ausgezeichnet hingekriegt. Selbst die Kursleiterinnen finden, das gäbe einen feinen Sonntagsschmaus für die Familie. Thomas Pfister ist überzeugt, dass er seine erste eigene Wohnung nun gut in Schuss halten wird. Und er will regelmässig selber kochen. «Kartoffelgratin zum Beispiel wird es schon sehr bald wieder geben.»

Der Sonntag beginnt bald schon am Samstag. Ab dem 4. März 2017 mit ausgewählten Artikeln auch in Ihrer Email-Inbox!