Markus Dietschi steht auf seinem Winterweizen-Feld auf der «Rütenen», einem Gebiet droben in Selzach, und hebt eine der unzähligen herumliegenden verrottenden Rapsstoppeln auf. Wüsste man es nicht besser, könnte man meinen, da sei ein Bauer faul gewesen und hätte, statt das Feld sauber zu räumen, Unordnung hinterlassen. Zufrieden resümiert er: «Ich bin fasziniert davon. Weil es ja auch funktioniert.» Aber was funktioniert denn da?

Landwirt Dietschi hat auf seinem Winterweizen-Feld eine besondere Bodenbearbeitungsmethode verwendet, um der gefürchteten Bodenerosion entgegenzuwirken. Der Boden darf bei dieser Methode nicht umgegraben, sondern nur gelockert werden. Auf der Bodenoberfläche bleiben die zerschnittenen Pflanzenreste der zuvor angebauten Kultur liegen – deshalb spricht man von der «Mulchsaat». Die Pflanzenreste brechen und bremsen den Fluss des Wassers. Zudem bleibt eine gewisse Verwurzelung bestehen und hält den Boden besser an Ort.

Dietschi hat beim kantonalen Ressourcenprogramm Boden «Bores» als Berater mitgearbeitet, das während sechs Jahren verschiedene Massnahmen gegen Bodenerosion mit Direktzahlungen förderte (siehe Text unten). Besonders betroffen von der Bodenerosion seien unter anderem Böden in Hanglage, weiss der 40-Jährige. Die Mulchsaat oder auch die Streifensaat seien für solche Fälle sehr geeignet. In der Ebene habe er selbst auch schon Versuche mit Direktsaat gewagt und auch bereits die Zwischenbegrünung angewendet.

Interessenabwägung ist nötig

In der Landwirtschaft muss die Bodenbearbeitung stets auch den Prinzipien der Wirtschaftlichkeit genügen. «Am wirksamsten in Bezug auf Bodenerosion ist die Direktsaat, aber nicht unbedingt von der Wirtschaftlichkeit her gesehen», hält Dietschi fest. Der Boden werde bei dieser Methode gar nicht bearbeitet. «Man macht mit entsprechenden Maschinen einen Schlitz in den Boden und legt das Saatgut darin hinein.» Selbst starker Regen kann hier kaum etwas wegschwemmen. Die Direktsaat sei bei fast allen Kulturen anwendbar, doch bei manchen sei mit zum Teil recht grossen Ertragseinbussen zu rechnen.

Bei der Wahl der geeigneten Methode komme es eben immer sehr auf die jeweilige Kultur an. Auch die Lage der Parzelle im Gelände spiele eine Rolle, die Schwere des Bodens oder der Saatzeitpunkt. Die Mulchsaat sei dabei jene Massnahme, die sich am meisten durchgesetzt hat. Dietschi: «Ein wesentlicher Grund dafür ist sicher, dass hier am wenigsten mit Ernteverlusten zu rechnen ist.» Neben der Mulchsaat kommen auf den Feldern im Kanton Solothurn aber auch sehr oft die Direkt- und die Streifensaat zur Anwendung. Alle drei Massnahmen werden nach dem Auslaufen des kantonalen Projekts jetzt auch durch den Bund weiterhin mit Direktzahlungen gefördert.

Der Unternehmer erklärt, wie ein Bauer abwägen muss zwischen möglichst viel Ertrag einerseits und Schutz des Bodens andererseits. Der Bauer habe ein ureigenes Interesse, seinen Boden fruchtbar zu halten. Der Boden sei seine Lebensgrundlage. Deshalb hätten viele Bauern schon vor dem Projekt manche dieser Massnahmen ergriffen. Nun wurden sie einfach noch unterstützt.

Die Direktzahlungen für diesen Bodenschutz helfen den Landwirten bei der Risikoabwägung. Denn man könne nicht im Voraus wissen, ob starker Regen falle und Erosionen drohten. Bodenerosionsmassnahmen bedeuten allerdings meistens einen Minderertrag. Falls es dann nicht stark regnet, hat er die Massnahmen umsonst ergriffen. Unternimmt er hingegen keine Vorkehrungen, wird bei Regen womöglich seine Lebensgrundlage weggeschwemmt.

Allgemeinheit profitiert

Wird der Boden geschützt, dient das nicht nur dem einzelnen Bauern, sondern letztlich der Allgemeinheit. Die Bauern seien schnell von der Sache überzeugt gewesen, meint Dietschi. Als Berater habe er sämtliche Bauern in seinem Gebiet von Grenchen bis Bellach und Lommiswil besucht. Er habe «geweibelt». Und sicher auch dank seines grossen Engagements beteiligten sich beinahe alle Bauern am kantonalen Ressourcenprogramm Boden.

Die Beteiligung bringe allerdings auch lästigen Bürokram mit sich. Manchmal habe man mehr Aufwand, obwohl auch einige Arbeitsgänge wegfallen würden. Zudem hätten manche ältere Bauern schon sehr umdenken müssen. Denn das wurde vor 30 Jahren an den landwirtschaftlichen Schulen nicht gelehrt. Da galt klar: Ein komplett umgepflügtes, feingerechtes Feld bringt den meisten Ertrag. Obwohl der Bund gewisse Massnahmen auch künftig unterstützt, bedauert es Dietschi, dass das Projekt auf kantonaler Ebene nicht weitergeführt wird. Erfreulich aber sei, meint Dietschi, dass in «seiner» Region gut 90 Prozent der Bauern auch weiterhin eine Reihe von Massnahmen anwende, wenn auch alle gleich intensiv. Damit möglichst viele vom Nutzen der Erosionsschutzmassnahmen überzeugt werden können, brauche es auch weiterhin viel Aufklärungsarbeit.

Unkrautvertilger ist nötig

Wie aber stehts mit dem Umweltschutz? Immerhin spriesst auf dem wenig bearbeiteten Boden doch recht viel Gras und Unkraut, das vertilgt werden muss. Dietschi gesteht, dass Bodenerosionsmassnahmen den Einsatz von Unkrautvertilgungsmitteln erfordern. «Im Vergleich mit dem Ausland setzen wir in der Schweiz aber relativ wenig Glyphosat ein.» Durch die in letzter Zeit vermehrt aufgetretenen Extremniederschläge sei man gezwungen, in der Bodenbewirtschaftung umzudenken, betont Markus Dietschi. Und bei einem Spaziergang durchs Kulturland entdeckt man tatsächlich immer mehr etwas wild aussehende Felder. Ein Zeichen nicht etwa der Vernachlässigung, sondern der sorgsamen Pflege.