Als im November 2011 deutsche Beamte ein Wohnmobil in ostdeutschen Eisenach inspizierten, staunten sie nicht schlecht. Sie fanden dort unter anderem ein Waffenarsenal, daneben zwei Leichen und eine ungenutzte Pumpgun. Ermittlungen zeigten, dass die Pumpgun aus der Region Solothurn stammt.

Bei den zwei Leichen handelte es sich um zwei Rechtsextreme, welche Jahre zuvor abgetaucht waren. Zuvor überfielen sie Banken, verübten einen Sprengstoffanschlag und brachten in ganz Deutschland Menschen um. Nun waren Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt tot, und damit starb auch die bis dahin unbekannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU).

Eine Pistole stammt aus Derendingen

Dann begann nebst den RAF-Prozessen einer der grössten deutschen Strafuntersuchungen der vergangengen Jahre. Ab dem 17. April steht Beate Zschäpe, die sich mit den beiden Rechtsextremen jahrelang versteckt hatte, zusammen mit Helfern des Trios vor Gericht. Das Oberlandesgericht wird sich dann auch mit Ermittlungsergebnissen aus der Schweiz befassen. So stammt die Pistole, mithilfe derer neun türkisch- und griechischstämmige Männer umgebracht wurden, aus Derendingen.

Zweite Waffe stammt auch aus der Region

Wie der «Tagesanzeiger» nun berichtet, fand bislang eine zweite Waffe des NSU zu wenig Beachtung. Die «Pumpgun der Marke Mossberg, Typ Maverick 88, stammt ebenfalls aus dem Kanton Solothurn» und ging laut der Zeitung «durch die Hände von zwei, vielleicht drei Metzgern.»

Der erste Metzger war dank der Seriennummer schnell gefunden. Der Solothurner Michael S.*, welcher selbst eine rechtsextreme Vergangenheit hat, kaufte die Pumpgun im Jahre 1997 an einer Waffenbörse in Luzern. Der 39-Jährige ist heute Angestellter einer Grossmetzgerei und sagt, dass er kaum mehr mit Bomberjacke und Springerstiefeln rumlaufe. Dennoch sei er «immer noch gegen Ausländer - wie 50 Prozent der Schweizer.» Dies erklärte er gegenüber dem «Tagesanzeiger». Ähnliches sagte er auch gegenüber der Solothurner Staatsanwaltschaft und deutschen Kriminalbeamten im Jahre 2012 aus.

Von der NSU wisse er nur aus den Medien und ostdeutsche Neonazis kenne er keine, sagte er. Gleichzeitig räumt er aber ein, früher zuhause in der Region Thal-Gäu in der rechten Szene verkehrt zu sein. Die «Thaler Patrioten» hätten damals einige Schlägereien angezettelt.

«Einer der beiden muss lügen»

Die Pumpgun habe er dann später weiterverkauft, an einen Arbeitskollegen, an den Akkordmetzger Silvan M.*. Dieser wiederum will die Maverick ebenfalls an den Arbeitskollegen Reiner V.* weiterverkauft haben. Der sei an den Wochenden oft zu seiner Frau nach Deutschland gefahren, wie es Silvan M.* bei seinen Einvernahmen gegenüber der Solothurner Staatsanwaltschaft darstellt.

Reiner V.* hingegen, ein 59-jähriger Waffenfreak aus dem Ruhrgebiet, behauptet, nie eine Maverick von Silvan M. gekauft zu haben. «Einer der beiden muss lügen», kommt der «Tagesanzeiger» zum Schluss.

Wie kam die Pumpgun aus dem Solothurnischen zu den NSU-Mördern?

Rätselhaft und undurchsichtig werde die Sache, weil die beiden Schweizer Metzger behaupten würden, bei ihrer Maverick sei der Lauf abgesägt gewesen. Die Pumpgun, welche im Wohnmobil in Eisenach auftauchte, wies aber einen vollständigen Lauf auf. Dafür hatte laut «Tagesanzeiger» keiner der Metzger eine «plausible Erklärung». Vielleicht verheimliche das Trio, an wen es die Maverick tatsächlich weitergegeben habe.

Gemäss eigenen Angaben besassen die Metzger nämlich keine eigenen Kaufverträge, welche hätten angefertigt werden müssen. Es wird zudem vermutet, dass die mutmasslichen Verstösse gegen das Waffengesetz höchstwahrscheinlich verjährt seien. Ungeklärt bleibe «trotz intensiver Ermittlungen, wie die Pumpgun aus dem Solothurnischen bei den NSU-Mördern landete.» (mru)