Esther Gassler hat am Mittwochnachmittag getan, was Menschen bei schönstem Badiwetter sonst nicht tun. Die Militärdirektorin ist in einen einst geheimen Führungsbunker gegangen und hat gemeinsam mit ihrem Amtschef Diego Ochsner laut über Katastrophen nachgedacht.

Über Überschwemmungen, Erdbeben und atomare Unfälle. Im kühlen unterirdischen Gemäuer westlich der Solothurner Zentralbibliothek hat Gassler die Gefahren- und Risikoanalyse des Kantons präsentiert, die seit 2010 mögliche Katastrophenfälle im Kanton unter die Lupe genommen hat. 18 am Dienstag von der Regierung beschlossene Massnahmen sollen künftig die Sicherheit der Solothurner Bevölkerung verbessern.

Vom Hagel über Hochwasser, Flugzeugabsturz und Erdbeben bis zum Atom-Zwischenfall hat eine breit aufgestellte Projektgruppe 23 Risiken analysiert. «Wir sind für die Bewältigung von Naturereignissen grundsätzlich gut gerüstet», sagt Susanne Widmer von der Abteilung Katastrophenvorsorge im Amt für Militär und Bevölkerungsschutz.

Wie gut ist der Kanton Solothurn auf Katastrophen vorbereitet?

Wie gut ist der Kanton Solothurn auf Katastrophen vorbereitet?

Die Analyse hat aber auch Defizite gezeigt: Gibt es grossflächige Zwischenfälle wie ein Erdbeben oder freigesetzte Radioaktivität fehlt es an Personal. Lücken gibt es auch in den Bereichen Information und Kommunikation.

«Wir kämen mit den vorhandenen Strukturen an den Anschlag. Aber das ist schweizweit so», erklärt Widmer. Im Falle von Tierseuchen sind die nötigen Tötungsvorrichtungen nicht oder nur unzureichend vorhanden.

Und die vom Bund geforderte Beratungsstelle, an die sich die Bevölkerung bei radioaktiven Zwischenfällen wenden sollte, ist erst im Aufbau. Stark gewichtet hat die Gefahrenanalyse Zwischenfälle, bei denen viele Menschen zu Schaden kommen oder bei denen der finanzielle Schaden für den Kanton gross ist. Pandemie und Stromausfall heissen zwei für den Kanton besonders grosse Risiken.

Mehr Weiterbildungen

«Wenns passiert, dann pressierts», zitierte Gassler einen bekannten Spruch und wies darauf hin, dass die Sicherheit der Bevölkerung Aufgabe der Kantone ist. Ausser bei bewaffneten Konflikten, Pandemien und Atomzwischenfällen greift der Bund nicht ein. «Oft geht das vergessen», so Gassler. «Sicherheit kann nicht ausgelagert werden.» Alle Vorbereitungen könne man aber nie treffen, relativierte Gassler.

Zur Behebung aufgezeigter Defizite sollen die Bereiche Kommunikation, Führung sowie Aus- und Weiterbildung verbessert werden. So sollen die Weiterbildungen der regionalen Führungsstäbe intensiviert werden. Die vorgeschlagenen Verbesserungsmassnahmen sollen im Amt ohne grosse Zusatzkosten umgesetzt werden.

Nicht alle Verbesserungsmöglichkeiten, welche die Analyse aufzeigt, werden umgesetzt - aus wirtschaftlichen und politischen Überlegungen heraus. Amtschef Diego Ochsner nennt ein Beispiel: Im Kanton fehlen bei einer Katastrophe freie Betten auf Intensivpflegestationen.

Es mache keinen Sinn, hier zusätzliche Betten quasi auf Vorrat aufzubauen, sagt Ochsner. Man würde nur Überkapazitäten schaffen. Viel eher setzt der Kanton bei diesem Thema - wie auch in anderen Bereichen - auf Kooperationen mit anderen Kantonen. Auch Materialbeschaffungen sollen koordiniert werden. «Es hat keinen Wert, dass jeder alles hat», sagt Amtschef Ochsner.

Erdbeben: Hier fehlt es noch

Ein Punkt, der Esther Gassler Sorgen bereitet, sind Erdbeben. Hier sieht die Regierungsrätin dringend Handlungsbedarf. Von der Gebäudeversicherung sind Erdbebenschäden nicht gedeckt.

Es gibt derzeit keine Schadenorganisation, die kurz nach einem Beben sagen könnte, welche Häuser wieder bewohnt werden dürfen und welche nicht mehr sicher sind. Alleine könne der Kanton eine solche Organisation nicht aufbauen, sagt Esther Gassler. Eine Bundeslösung zeichne sich auch nicht ab.