Jungtalente
Wie erfüllt sich der Traum einer Schauspielkarriere?

Wo die Filmschaffenden von morgen herkommen: An den Filmtage fand eine Podiumsdiskussion zur Lancierung und Förderung junger Schauspieler statt – ein langer, steiniger Weg.

Morena Adimari
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«Junge Talente» stellt an einer Kurzfilmaufführung und Podiumsdiskussion aufstrebende Schauspieler vor (v. l.): Flavius Hölzemann, Clémence Mermet, Tibor Ockenfels, Ilja Baumeier, Annina Polivka. Die Moderation wurde von der Schweizer Casterin Corinna Glaus (2.v.r.), unterstützt von Liliane Amaut und Sven Schelker, übernommen.

«Junge Talente» stellt an einer Kurzfilmaufführung und Podiumsdiskussion aufstrebende Schauspieler vor (v. l.): Flavius Hölzemann, Clémence Mermet, Tibor Ockenfels, Ilja Baumeier, Annina Polivka. Die Moderation wurde von der Schweizer Casterin Corinna Glaus (2.v.r.), unterstützt von Liliane Amaut und Sven Schelker, übernommen.

Thomas Ulrich

besten Methoden, um sich effizient und intensiv weiterzuentwickeln. Deshalb sei die Talentenschmiede «junge Talente» so erfolgreich, wie Corinna Glaus, Mitgründerin dieser Organisation eröffnend erklärte. Gestern wurde der Film des Jahrganges 2016 an der Podiumsdiskussion der Filmtage erstmals aufgeführt.

Eine heimliche Talentenschmiede: Junges Theater Solothurn

Das Junge Theater Solothurn (JTS) produziere, ohne sich direkt dafür anzustrengen, Film- und Theaterschaffende, Kunststudenten und Schauspieler wie am Laufband, sagt Christine Sommer, ehemalige langjährige Leiterin des JTS. «Das JTS ist ein niederschwelliges Angebot für junge Erwachsene», so Sommer, genau das scheint auch gut zu funktionieren.

Es werde eine zweigleisige Strategie verfolgt, erklärt der jetzige JTS-Leiter Marcel Griessmer, «einerseits werden Kinder und Jugendliche, die später beruflich etwas mit dem Schauspielen oder mit dem Filmemachen zu tun haben wollen, speziell gefördert», andererseits sei die Gruppe offen für alle, denn es gebe jeweils keine Castings. Sehr wichtig sei zudem die Bereitschaft, viel zu leisten.

Je älter die Schauspieler desto höher die Intensität – Theater ist ein zeitintensives und anstrengendes Hobby. Erfahrungsgemäss sprechen jährlich zwei bis drei JTS-Mitglieder an einer Schauspielschule vor. «Wir sind keine Talentschmiede und dennoch sind viele ehemalige Mitglieder der Gruppe jetzt Schau

«Junge Talente» solle ein etabliertes Promotions- und Förderinstrument für angehende Schauspieler werden, zudem solle es weiterhin den Regisseuren als Hilfsmittel für die Auswahl der Bestbesetzung dienen. Diese Organisation wurde im 2007 von der Schweizer Casterin Corinna Glarner und ihren Kolleginnen Susan Müller und Ruth Hirschfeld ins Leben gerufen. Seither werden jeweils mit sechs gecasteten, aufstrebenden Schauspieler Kurzfilme gedreht.

Im Zentrum stehe dabei die schauspielerische Leistung: Es wird gelacht, geweint und geliebt. «Eine Schauspielkarriere kann nicht garantiert werden», so Glaus, daher sei es äusserst wichtig, eine Vernetzungsmöglichkeit zu haben – genau hierfür sei «junge Talente» ein ideales Sprungbrett. Unterstützt werde diese Organisation unter anderem von Focal und Migros Kulturprozent, die Solothurner Filmtage sind Partner.

Das Konzept scheint aufzugehen: Die Talente von morgen werden von ehemaligen Jungtalenten, die heute über eine grosse Bekanntheit geniessen, vorgestellt: Liliane Amaut und Sven Schelker.

«Faites vos jeux»

Im 15 Minuten langen Kurzfilm «Faites vos jeux» wurden die sechs aufstrebenden Talente von Katalin Gödrös, Cihan Inan und Jann Preuss in Szene gesetzt. Drehbuchautor des Kurzfilmes ist ebenfalls Jann Preuss, der an der Podiumsdiskussion anwesend war. Liliane Amaut und Sven Schelker stellten nach der Filmaufführung dem zahlreichen Publikum fünf von sechs Jungschauspielern vor (Deleila Piasko fehlte).

Diskutiert wurde beispielsweise über den Unterschied zwischen Theater und Film – viele «Jungtalente» sind auch fleissig auf den unterschiedlichsten Theaterbühnen anzutreffen. «Film und Theater sind zwei unterschiedliche Vorgehensweisen», sagte Clémence Mermet. «Theater ist eher körperlich, Filme hingegen zeigen eher das innerliche Schauspiel», fügte Tibor Ockenfels hinzu. Natürlich kam auch die Frage auf, warum sie denn Schauspieler seien. «Es ist toll, verschiedene Facetten von sich kennenzulernen», erklärte hierfür Ilja Baumeier.

«Man kann einfach in eine andere Welt eintauchen, muss aber aufpassen, den Weg zurückzufinden», meinte Annina Polivka. «Die Identifikation mit der verkörperten Figur sollte eigentlich immer stattfinden, man versucht dann, die Figur zu verteidigen – auch wenn es sich um einen Antagonisten handelt», erklärte Flavius Hölzemann.

Alle Jungtalente zeigten sich von der Erfahrung mehr als zufrieden. Es sei einmalig, dass so viel wert rein auf das Schauspielern gelegt werde, unterstrichen die Jungtalente. Auch Jann Preuss fand es ein spannendes Experiment. Nach der Schauspielerauswahl für «junge Talente» 2016 konnte er die Castings nachschauen und explizit auf die Schauspieler eine Rolle zuschreiben und so ein Drehbuch erschaffen: Eine neue Erfahrung.