Seit vier Wochen ist im Haus der Kunst St. Josef in Solothurn der Wiesbadener Künstler Jan Schmidt (1973*) an der Arbeit. Er sägt während eines exakt ausstudierten Stundenplanes täglich einige Stunden aus einem Lärchenholzblock kleine Sägemehlhäufchen in exakt vorgegebenen Reihen und zeichnet so eine Art goldener, fragiler Teppich aus Sägemehl auf dem Boden des Schiffs der ehemaligen Klosterkirche St. Josef. Ein Raster aus Sägespuren, das den Entstehungsprozess der Arbeit nachvollziehbar macht.

Der Künstler Jan Schmidt lässt aus den Holzspänen ein Kunstwerk entstehen

Der Künstler Jan Schmidt lässt aus den Holzspänen ein Kunstwerk entstehen

Schmidt sägt äusserst konzentriert und achtet sehr darauf, dass die Ordnung in seiner Installation genauestens eingehalten wird. Meter um Meter kommt das Sägemuster vorwärts; kein Lufthauch darf die kleinen Sägemehlhügel verändern oder gar zerstören. Eine meditative, aber auch körperlich anstrengende Arbeit. Eine, die viel Zeit beansprucht.

Diese Sägearbeit von Schmidt ist bereits die vierte dieser Art, des Künstlers, der sich zunächst der Biologie und Chemie widmete, bevor er zur Kunst kam. 2005 erhielt er einen Förderpreis für junge Künstler des Landes Rheinland-Pfalz und konnte seine Arbeiten bereits in einigen Kunsträumen und Museen zeigen. In Solothurn sägt er nun zum ersten Mal aus Lärchenholz, erzählt er. Er habe auch schon aus Aluminium-, Bronze-, oder aus Marmorblöcken gesägt.

«Ich verarbeite am liebsten ein Material, das zur Gegend oder zum Raum passt, in dem ich mich bewege», sagt er zur Verwendung von Lärchenholz. Zwar wisse er, dass die Lärche nicht der Baum ist, der primär auf den Jurabergen wachse, doch erwies sich die zunächst im Versuch angewendete Fichte als zu spröde für seine Handarbeit mit einer japanischen Ziehsäge.

Schweisstreibende Sägearbeit

Schmidt skizzierte zunächst die Bahnen, die er mit dem Sägemehl markieren will auf den Boden des Raumes. Dann begann er aus dem rund 1 Meter langen Holzstück zu sägen. Alle zirka zwei Millimeter beginnt er mit einem neuen Schnitt im Holzblock. Dieser wird etwa 15 Zentimeter lang, dann liegt die richtige Menge Sägemehl am Boden. Diese Sägearbeit, die dem Künstler äusserste Konzentration abverlangt, ist schweisstreibend und verursacht Knieschmerzen. Doch das Resultat ist verblüffend. Ein weicher Teppich aus einem goldenen Material liegt am Ende im Raum. Erst bei näherer Betrachtung erkennt man, um was es sich hier handelt.

«Ich will aufzeigen, wie sich Material und Volumen verändern, wie sich ein solch starrer Holzblock auflöst, eine neue Form erhält, brüchig wird, eine neue Gestalt, eine neue Wertigkeit bekommt.» Ab heute ist im Haus der Kunst diese Arbeit mit dem Titel «Sägearbeit 4» zu sehen. Ebenfalls zeigt Schmidt Bilder, die mit dem Akkuschrauber entstehen, die er also ganz schnell, in fast atemberaubender Geschwindigkeit herstellt. Jan Schmidt ist ein Künstler, der ganz neue Werkzeuge und Materialien anwendet und zu verblüffenden, oft auch provokanten Ergebnissen kommt. So werden unsere Wertvorstellungen auf eine verspielt-wissenschaftliche Art hinterfragt.

Vernissage: 1. 7. 17 Uhr. Bis 3. Sept. Do-Fr 17-20 Uhr; Sa/So 13-17 Uhr.