Architekturtag
Wie die Brache zur «Perle an der Aare» werden könnte

Das Architekturforum Solothurn liess sich durch das Attisholz führen: Dereinst könnten auf der Industriebrache Lofts, ein Restaurant oder ein Kino stehen. Somit würde das leerstehende Gelände zur «Perle an der Aare» werden.

Helmuth Zipperlen
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Die Bauwerke im Attisholz faszinieren Besucher immer wieder. Heute wird die Arealstruktur allerdings als Mitgrund für die Unrentabilität gesehen: Die Arbeitsabläufe mussten sich – wenig rationell – den Gebäulichkeiten anpassen.

Die Bauwerke im Attisholz faszinieren Besucher immer wieder. Heute wird die Arealstruktur allerdings als Mitgrund für die Unrentabilität gesehen: Die Arbeitsabläufe mussten sich – wenig rationell – den Gebäulichkeiten anpassen.

Hansjörg Sahli

Was soll künftig auf dem Gelände der ehemaligen Zellulose Attisholz passieren? Dieses Thema stand im Mittelpunkt des diesjährigen Tages der Architektur des Architekturforums Solothurn. Dazu gab es am Samstag eine gut zweistündige Führung durch das ausgedehnte Areal.

Kurz vorher peitschten Regenschauer durch die Landschaft, doch zu Beginn des Anlasses klarte der Himmel auf. Rund zwanzig Interessierte hatten sich eingefunden, die meisten davon per Velo. Thomas Steinbeck, Präsident des Architekturforums, freute sich, die Anwesenden auf einem Areal zu begrüssen, welches eines der grössten Planungsvorhaben der Schweiz ist.

Lothar Kind und Martin Gugelmann von der Attisholz-Infra AG – einer Tochtergesellschaft des norwegischen Orkla-Konzerns – führten durch das Gelände, nachdem alle mit Weste und Schutzhelm ausgerüstet waren. An neun verschiedenen Stationen machte Kind Halt, um über die Geschichte der Firma und über mögliche Neunutzungen zu sprechen.

Das Ziel besteht darin, ein hochwertiges Wohn- , Gewerbe- und Dienstleistungszentrum zu verwirklichen. Er legte dabei Optimismus und Vorfreude auf die kommenden Dinge an den Tag und skizzierte, wie daraus eine «Perle an der Aare» entstehen könnte.

Wichtig ist Kind und seinen fünf Mitarbeitenden, dass das Areal nicht unbenutzt vor sich hin dämmert, sondern mit Leben gefüllt wird. Die meisten Bauten sollten dabei in ihrer äusseren Form erhalten bleiben, dann die Bausubstanz zumeist aus Beton ist gut. Markante Bauwerke wie der 100 Meter hohe Kamin und der Säureturm sollten als Erinnerung an die Blütezeit des Attisholz stehen bleiben.

Nur wenige Altlasten

Seit dem 5. Juli dieses Jahres ist die Eisenbahnbrücke für Fussgänger und Velofahrer frei gegeben. Diese Eisenfachwerkbrücke datiert aus dem Jahre 1890 und zeugt davon, dass bereits damals auf den Gütertransport mit der Bahn Wert gelegt worden ist. Als wenig effizient erwies sich dann allerdings das Drehkreuz, bei welchem mit Manneskraft die Güterwagen in die richtige Richtung gelenkt wurden. Kind ortet die gewachsene Anlage als einen der Hauptgründe für die schliesslich fehlende Rentabilität: Die Arbeitsabläufe mussten sich den Gebäulichkeiten anpassen, was rationelles Arbeiten zum Teil verunmöglichte.

Dazu kommt, dass die Fabrik an einem Hang steht und die Werkstätten terrassiert werden mussten. Für eine Neunutzung indessen könnte dies wiederum positiv sein, denn dadurch gibt es freie Sicht auf die Aare und Richtung Süden. Die Einrichtung von Lofts oder Wohnungen ergäbe eine ausgezeichnete Wohnlage. Kind könnte sich in den unteren Geschossen Räume für Werkstätten und Büros und oben Wohnungen vorstellen. Von den drei Hallen, in welchen die Dampfanlagen waren, wird wohl die nördliche erhalten bleiben, da die Bausubstanz in gutem Zustand sei.

Verschwinden werden wahrscheinlich auch die Tanks in denen Säuren gelagert wurden. Einzig im äussersten westlichen Teil der Fabrikbauten hat es in der Erde Altlasten aus Quecksilber. Aber da keine Berührung zum Grundwasser besteht, ist deren Entsorgung nicht dringlich. Die vielen verwendeten Chemikalien führten nicht zu Ablagerungen.

Es darf fantasiert werden

Die in den 50er Jahren gebaute Kiesofenhalle ist auch architektonisch faszinierend, besteht sie doch inklusive der Fensterfront aus Beton. In einem der daneben stehenden Tanks wurde schon eine Tanzperformance durchgeführt und diese Halle diente als Szenerie für einige Musikclips. Lothar Kind spricht davon, dass in dieser Halle in einer gläsernen Kugel ein Restaurant sein könnte. Oder Teile der Halle könnten zu einem Theater oder Kino umgebaut werden. Weitere fantasievolle Ideen sind durchaus denkbar und erwünscht.

Probleme für Zwischennutzungen gibt es allerdings bei der Heizung, beim Abwasser und beim Strom. Von dieser Halle sind es wenige Schritte bis zur Aare. Einen durchgehenden Wanderweg wünschen sich viele Spaziergänger.