Heinz Hammer
Wie der Skirennfahrer die Kurve zum Schiesssport fand

Dass er, der begeisterte Skirennfahrer, einmal zum Präsidenten des kantonalen Solothurner Schiesssportverbandes (SOSV) werden würde, hätte sich Heinz Hammer nicht im Traum vorstellen können. Nun trat er zurück.

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Heinz Hammer beim Kaffee im Büro seiner Druckerei.

Heinz Hammer beim Kaffee im Büro seiner Druckerei.

Bruno Kissling

«Ich war in jungen Jahren im Skiklub Balsthal aktiv als Skirennfahrer und als Trainer sowie Skilehrer in diversen Schullagern», blickt der bald 65-Jährige im Gespräch zurück. Einen Jungschützenkurs habe er seinerzeit zwar besucht, «aber ehrlich gesagt: nur wegen meinem Vater, der beruflich eine sehr enge Verbindung zum Schiesssport hatte».

Über seine eigenen beruflichen Aktivitäten fand dann aber auch Heinz Hammer immer mehr die Kurve zum Schiesswesen: Denn die vom gelernten Schriftsetzer 1976 in Egerkingen gegründete Druckerei hatte viele Aufträge aus diesem Bereich. Im Alter von etwa 25 Jahren habe er dann das Schiessen als Sport so richtig für sich entdeckt: «Es wurde zu meinem Hobby Nummer 1.»

Und erst noch mit einigen schönen Erfolgen, war Hammer doch unter anderem auch einmal Schützenkönig beim Feldschiessen in der Amtei Thal-Gäu. «Das Schiessen ist ein anspruchsvoller Sport – man kann sich nicht einfach nur hinlegen und dann abdrücken. Es ist eine Trainingssache», betont der Kenner mit Nachdruck: «Man muss mental zur richtigen Einstellung finden, den Kopf freihalten, die Leistung wiederholbar machen. Und es ist nicht zuletzt auch ein Sport, in dem die Kameradschaft wirklich gepflegt wird.»

Eine intakte Organisation

Bald einmal übernahm Heinz Hammer in Schiesssportorganisationen aller Stufen diverse Funktionen. So gehörte er ab 1990 dem Vorstand des damaligen Solothurner Kantonalschützenvereins an und ab 2003 jenem der Nachfolgeorganisation Solothurnischer Schiessportverband. Als dessen Präsident amtet Hammer seit 2006, als er die Nachfolge von Willy Pfund antrat. Rund 20 bis 30 Prozent eines «normalen» Wochenarbeitspensums absorbiert das Verbandspräsidium, rechnet der Vater von drei erwachsenen Kindern vor.

Diverse Abend- und Wochenendeinsätze gehören dazu und ebenso seriöse Sitzungsvorbereitungen: «Das bin ich meinen Leuten schuldig – schliesslich habe ich auch immer grossen Wert auf Effizienz gelegt.» Was ist die Motivation, ein solches Pensum auf sich zu nehmen? «Ich schätze das Vereins- und Verbandsleben. Ich will meinen Teil dazu beitragen, aktiv mitgestalten und nicht nur konsumieren», kommt die Antwort spontan. Er könne behaupten, «einiges für die Zukunft des Verbandes geleistet zu haben» und seinem Nachfolger Jürg Dietschi (Aarburg) nun eine intakte Organisation übergeben zu können, sagt Heinz Hammer nicht ohne Stolz.

Dass aus dem für 2021 geplanten Kantonalschützenfest nichts werden wird, stellt in seiner eigenen Bilanz allerdings einen «bitteren Wermutstropfen» dar: «Nach dem Rückzug der ursprünglichen Interessenten konnten wir keine Sektion als Organisator finden. Das schmerzt mich auch persönlich sehr», gesteht Hammer. Da solch grosse Anlässe organisatorisch eine Vorlaufzeit von gut drei Jahren erfordern und in einem festen 5-Jahres-Turnus stattfinden, wird es also frühestens 2026 wieder zu einem kantonalen Kräftemessen der Solothurner Schützen kommen.

Kampf gegen Waffenrecht-Revision

Rund 140 Vereine aller Kategorien aus dem ganzen Kanton sind dem SOSV angeschlossen. Diesen gehören 3000 lizenzierte Schützen – die wettkampfmässig trainieren – sowie rund 10'000 weitere Mitglieder an. Solche Zahlen stellen eine Macht dar. Und diese Macht soll nun auch tatsächlich ausgespielt werden: An der am Samstag in Bellach stattgefundenen Delegiertenversammlung erfolgte nämlich der Startschuss für den kantonalen Kampf gegen die Revision des schweizerischen Waffenrechts, über die am 19. Mai abgestimmt wird.

Hammer: «Wir lehnen diese Revision klar ab – weil es nicht die letzte bleiben wird. Der Druck der EU wird bald zu weiteren Einschränkungen führen. Diese schleichende Entwaffnung der Schützen und Jäger müssen wir schon jetzt stoppen.» Dem erklärten Kampf gegen den Terrorismus nütze ein verschärftes Waffenrecht sowieso nichts. Und dass die Schweiz bei einem Nein zur Vorlage aus dem Schengen-Abkommen fällt und damit auch die internationale Verbrechensbekämpfung schwieriger werden wird, will der abtretende SOSV-Präsident sowieso nicht glauben: «Es ist eine Frechheit, dass ein solcher Zusammenhang konstruiert wird.»

Der Rücktritt vom Schützen-Präsidium wird nicht die einzige grössere Zäsur bleiben: Obwohl er heuer, am 14. August, 65-jährig wird, will er die mit seiner Frau Yvonne gemeinsam betriebene Druckerei zwar noch bis 2021 weiterführen. Ob und wie das Familienunternehmen dann weitergeführt wird, steht aber derzeit noch in den Sternen: «Der jüngste Sohn hat zwar Drucker gelernt, doch mir wärs wohler, wenn er den Betrieb nicht übernehmen würde», verweist der Unternehmer auf die riesige Arbeitsbelastung, die ungewissen Perspektiven in der Druckereibranche und auch auf die in naher Zukunft nötig werdenden Investitionen in den Maschinenpark.

Eines aber ist klar: Auch ohne das SOSV-Präsidium im Nacken wird Heinz Hammer dem Schiesssport und insbesondere den Balsthaler Schützen die Treue halten: «Wenn man solange mit Freude und Herzblut dabei war, kann man nicht einfach sagen: ‹Das wars›».