Wie beschwerlich ist der Weg vom Leben in den Tod? Manchmal ist er qualvoll und nicht enden wollend, doch handkehrum gelingt er mit erschreckender Leichtigkeit.

Ob ein Abschiednehmen über viele Monate oder ein Sekundenereignis, wer weiterlebt, wird mit einer endgültigen Trennung konfrontiert.

Und, nicht minder belastend, mit der eigenen Vergänglichkeit. Für beides ist in der hektischen Leistungs- und Spassgesellschaft kein Raum mehr vorgesehen. Zumindest nicht im übertragenen Sinn.

Die Räume für die Verstorbenen haben wir aus unserer Mitte entfernt. Die Toten werden abgegeben, zu den Krematorien, in die Nähe der späteren Grabstätten. Dort, in den Aufbahrungshallen kann man ihnen die letzte Ehre erweisen.

Wo die Toten ein letztes Mal leibhaftig zu sehen sind.

Wo die Toten ein letztes Mal leibhaftig zu sehen sind.

Gleich zweimal in diesem Jahr stand dieser schwere Gang an. Nicht überall, aber oft liegt dann zum Beispiel ein guter Freund friedlich hinter Glas. Im Strassenanzug, in Freizeitkleidern, im Totenhemd. Berühren verboten.

Der Gedanke kommt unweigerlich auf: Wie in einem Schaufester. Vorausgegangen ins Jenseits. Jenseits des Lebens, das draussen unaufhaltsam und fröhlich weitergeht.

Entsprechend kurz ist die Trauerphase. Selbst grosse Namen geraten in der Öffentlichkeit schnell in Vergessenheit. Einzig nahe Angehörige vergessen nie.

Das waren noch Zeiten, als die Toten zu Hause aufgebahrt wurden und Verwandte, Freunde, ja selbst Bekannte vorbeikamen um Abschied zu nehmen. Danach ging es mit Ross und Wagen durch die belebten Strassen zum Friedhof, wo ein Sarg – und nur selten ein Tongefäss mit Asche drin – der Erde übergeben wurde.

Inzwischen haben wir den Tod möglichst diskret an die Peripherie gedrängt. Aus den Augen aus dem Sinn. Zu sehr stört das Ableben den materiell geprägten, pulsierenden Alltag. Entsprechend schockiert reagieren wir, wenn der Sensenmann bei uns halt macht und nicht bloss in fernen Landen einen Auftritt hat.

So sehr wir uns auch bemühen, gelingt es uns dennoch nicht, vollständig zu verdrängen, dass für jeden einmal die letzte Stunde schlagen wird. Wir tragen das Wissen in uns: Das irdische Dasein ist begrenzt.

Ein Entrinnen gibt es nicht und die Uhr tickt. Bei Lichte besehen, eine ziemliche üble Geschichte. Vielleicht gelingt es, während der Adventszeit kurz einmal innezuhalten, diese Gedanken zuzulassen und das Leben als Ganzes zu betrachten.

Könnte ja sein, dass dabei der Geschenkkatalog etwas in den Hintergrund rückt und die Mitmenschen an Bedeutung gewinnen.