Hubel-Meteorologen
Wettervorhersagen ganz ohne Computer- und Satellitenmodelle

Sie sagen das Wetter anhand von Bienenvölkern oder Kaninchenfellen voraus: Die Hubel-Meteorologen. Am Samstag trafen sie sich zur Jahresversammlung.

Agnes Portmann-Leupi
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Das sind die fünf Hubel-Meteorologen (v.l.): Manfred Burki, Ernst Schaller, Erhard Luterbacher, Paul Halter, Ruedi Luterbacher.

Das sind die fünf Hubel-Meteorologen (v.l.): Manfred Burki, Ernst Schaller, Erhard Luterbacher, Paul Halter, Ruedi Luterbacher.

Agnes Portmann
Die Hubel-Meteorologen verlassen sich auf die Bienen.

Die Hubel-Meteorologen verlassen sich auf die Bienen.

Agnes Portmann

«Jetzt riechen streng des Bauern Socken, denn der letzte Sommer war nicht sehr trocken», verkündet Ruedi Luterbacher, Präsident der Obmannschaft Hubel-Meteorologen. Damit deutet er an, dass das Wetter im vergangenen Jahr mit dem ausgesprochen milden Winter und dem gänzlich ausgefallenen Sommer nicht einfach verlaufen ist. Wenn die fünf Männer zur Hauptversammlung einladen, ist das heimelige Lohner Waldhaus immer ausgebucht. Die Stimmung beflügeln vorerst das Schwyzerörgeliduo «Hubu-Gruess» sowie der Film über die Hubel-Meteorologen, realisiert von «jump-tv», aber auch die kabarettistischen Fähigkeiten der fünf «Wätterschmöcker». Beim Zwirbeln sind Preise zu gewinnen mit Ursprung im Lohner Hubel. Etwa Brombeeren-Konfitüre, getrocknete Steinpilze, Sirup aus Wildkirschen, Honig, Speck von Schweinen, die mit Hubel-Eicheln gefüttert wurden.

Hubel-Meteorologen sagen grüne Weihnachten voraus

«Sorgen Sie für schönes Wetter, wenn unsere Tochter heiratet.» Solche Bitten bekommen die Hubel-Meteorologen laut Ruedi Luterbacher oft. «Wir sind keine Wettermacher, sondern sagen nur die Prognosen voraus», ist dann ihre Antwort. Wann aber können nun wirklich Hochzeiten und Ferien geplant werden? Eines ist klar, an Weihnachten bleibt es grün. Darüber sind sich alle fünf Männer einig. Grosse Schneemengen erwartet für Mitte Februar nur Ruedi Luterbacher. Dass zu Frühlingsbeginn entsprechend sonnige Gefühle aufkommen, besagen drei Hubel-Meteorologen. Sogar deren vier verheissen an Ostern schönes Wetter. Ernst Schaller verspricht Bikiniwetter Anfang Juli, dann windig und wolkig und am Monatsende wieder Sommerwetter mit «Sonnencrème-Faktor hoch». Darüber sind sich auch seine Kollegen fast einig. Für den Nationalfeiertag und den ganzen August sieht es vier Meinungen entsprechend, trotz Blitz und Donner, nicht schlecht aus. Wunderbares Spätsommerwetter wird für Anfang September prognostiziert. Gegenteiliger Meinung ist einzig Erhard Luterbacher. «Grau, nass und näblig fot dr Monet a, ig und mini Beii wettes eigentlich angersch ha», meint er.
Ruedi Luterbacher präzisiert das Monatsende mit: «Weil die Rosen bei dem Wetter immer noch blühen im Garten, lässt der Winter noch lange auf sich warten.» (APB)

Auf die Bienen ist Verlass ...

Gespannt erwarten die Fans die Trefferquoten der Vorhersagen vom November 2013 bis Oktober 2014, wohlverstanden, ganz ohne Computer- und Satellitenmodelle. Ausgewertet hat diese Professor Jürg Luterbacher, Dozent für Meteorologie an der Universität im deutschen Giessen, gemäss den regionalen Wetterangaben von Meteo Schweiz. «Ich habe ein Debakel befürchtet», meint Ruedi Luterbacher, und seinen funkelnden Augen ist anzusehen, dass dieses ausgeblieben ist. 73 Prozent beträgt die durchschnittliche Trefferquote, das bisherige Bestresultat liegt bei 76 Prozent.

Den «Ober-Meteorologen-Wanderpokal» erobert sich Erhard Luterbacher mit der höchsten Treffsicherheit von 79 Prozent. Zugleich sichert er sich den Aufsteigerpreis, eine Leiter aus Birkenholz, hat er sich doch vom letztjährigen Pech-Chutz zum Gewinner gemausert. Seine Bienenvölker, aus denen er seine Schlüsse zieht, hausen in einer verwunschenen Ecke im Lohner Wald. Das Häuschen, das einstmals in der Stadt Solothurn als Kiosk diente, steht unter einer uralten Eiche. Jedes Jahr beobachtet der Imker zwei seiner Völker ganz speziell, ihr Verhalten im Stock, auf dem Flugbrett, die Platzierung der Nahrung im Stock. Der Imker zieht auch die Natur, die Konstellation von Wald und Wiese, die Vegetation in seine Beobachtungen ein.

... auf die Kaninchen weniger

Der Wald- und Wiesenläufer Ernst Schaller belegt mit der Trefferquote von 76 Prozent den zweiten Platz. Als Ex-Orientierungsläufer beobachtet er die Waldameisen, den Laubaustrieb und den Laubfall. Mit 74 Prozent richtigen Vorhersagen liegen der Holzbildhauer Paul Halter und der Regent-Wetterforscher Ruedi Luterbacher auf dem dritten Platz. Letzterer forscht am Schreibtisch, denn er stützt sich auf die Vorstellungen von Abt Mauritius Knauer (1613 bis 1664), wonach das Wetter von den Himmelskörpern im Sieben-Jahres-Rhythmus beeinflusst wird. Paul Halter prognostiziert das Wetter anhand der Strukturen – Jahrringe, Farbe, Risse – des heimischen Holzes. Er heimst sich wegen der langfristig treffsichersten Prognosen vom März bis September den «Hubu-Chutz-Oskar» ein. Mit dem Pech-Chutz muss sich wegen seiner 64 Prozent der Gewinner des letzten Jahres, Manfred Burki, begnügen. Der Landwirt hat sich auf die Beobachtung seiner Tiere gestützt, hauptsächlich auf das Fell seines Kaninchens. Dieses musste nun sein Leben lassen.

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