21 von derzeit noch 44 Poststellen im Kanton Solothurn sollen geschlossen bzw. in sogenannte Agenturen umgewandelt werden. Seit die Post im Mai ihre Pläne bekannt gab, ist der Teufel los: Überall werden Unterschriften gesammelt. Der Kantonsrat hat die Regierung beauftragt, in Bern Widerstand zu leisten. Gemeinderäte sind wild entschlossen, alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen. Die sogenannten Agenturen, meist in einem Dorfladen untergebracht, seien kein vollwertiger Ersatz für die Dienstleistungspalette einer traditionellen Poststelle, lautet ein Argument.

Während sich Politiker aller Couleur mit den betroffenen Gemeinden solidarisieren, scheint einer quer zu schlagen: SVP-Nationalrat Walter Wobmann. Er engagiert sich nämlich seit Neustem im Vorstand des Verbands der privaten Postagenturnehmer. Macht er sich damit zum Erfüllungsgehilfen des gelben Riesen, die Umstrukturierung im Eilzugstempo durchzuziehen? «Auf keinen Fall», sagt Wobmann. Hinter das Ausmass und das Tempo bei der Umstrukturierung des Poststellennetzes setze auch er ein Fragezeichen.

Zum Beispiel wenn er sehe, dass auch Poststellen in grossen Gemeinden wie Dulliken geschlossen werden sollen. «Da bin ich im Einzelfall auch bereit, Opposition zu leisten», so Wobmann. Nur: Dass die traditionellen Postdienstleistungen immer weniger nachgefragt werden, sei nun einmal eine nicht aufzuhaltende Entwicklung. Und auf die müsse das Unternehmen reagieren. Mit seinem Engagement im Postagenturverband wolle er etwas mehr Nüchternheit in die Diskussion bringen und vor allem dazu beitragen, dass funktionierende Lösungen gefunden werden.

Mit Wobmann sitzen denn auch tatsächlich Politiker im Vorstand des Verbands, die sicher nicht in Verdacht stehen, den Service public nicht hochzuhalten. Etwa Regula Rytz, Präsidentin der Grünen Schweiz, oder der Zürcher SP-Nationalrat Thomas Hardegger – wie Wobmann Mitglieder der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen. «Unser Interesse besteht nicht darin, dass möglichst viele Poststellen geschlossen und in Agenturen umgewandelt werden», sagt Wobmann. Hauptaufgabe des Verbands ist nicht die Werbung für Agenturlösungen, sondern vielmehr die Interessen der Agenturnehmer gegenüber der Post AG und der Politik zu vertreten. Zum Beispiel wenn es um Fragen von Grundentschädigungen oder der Ausbildung des Personals geht.

Und in diesen Verhandlungen hat der Solothurner Nationalrat Erfahrung. Wobmann präsidiert seit einigen Jahren den Verband «Bus CH», in dem die privaten Postautounternehmer organisiert sind. Die Hälfte der Postautoleistungen in der ganzen Schweiz wird heute von privaten Unternehmen erbracht, sie sind quasi das fahrende Pendant zu den Postagenturen. «Die Problemstellungen sind im Prinzip die gleichen, das war meine Motivation, beim Postagenturverband mitzumachen», so Wobmann.

Gegründet worden war der Postagenturverband schon vor zwei Jahren, er blieb bisher aber so gut wie inaktiv und zählte nur eine Handvoll Mitglieder. Mit dem Engagement von Parlamentariern aus allen Parteien und Landesteilen erhofft man sich nun mehr Schlagkraft. Ziel ist es, die Hälfte aller Postagenturnehmer als Mitglieder zu gewinnen.