Polizei-Austausch
Weshalb ein Neuenburger Polizist bei der Kantonspolizei Solothurn arbeitet

Jérémy Sjöstedt ist Polizist in Neuenburg. Für ein Jahr aber arbeitet der Romand bei der Kantonspolizei Solothurn – und sorgt schon mal für Irritationen.

Lucien Fluri
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Jeremy Sjöstedt vor dem Regionenposten der Kantonspolizei in Grenchen. Dort arbeitet der Neuenburger Polizist derzeit.

Jeremy Sjöstedt vor dem Regionenposten der Kantonspolizei in Grenchen. Dort arbeitet der Neuenburger Polizist derzeit.

Hanspeter Bärtschi

Wenn Jérémy Sjöstedt den Telefonhörer bei der Solothurner Kantonspolizei abnimmt, dann kann es schon mal Missverständnisse geben. «Ich werde nicht immer ernst genommen», sagt der Neuenburger Polizist, der derzeit bei der Solothurner Kantonspolizei ein Austauschjahr absolviert. «Einige Anrufer glauben, dass es ein Witz ist, wenn sie meinen Akzent hören.» Ein Solothurner Polizist mit französischem Akzent scheint für einige Anrufer nicht glaubwürdig. Doch für Jérémy Sjöstedt ist es Alltag. Seit März arbeitet der 28-jährige Romand in einem Austauschprogramm bei der Solothurner Kantonspolizei. Mit seiner Uniform fällt er auf. «Gendarmerie» steht da vorne ob der Brust und gross prangt das Neuenburger Wappen mit der Aufschrift «Police» auf dem Oberarm. Bei Verkehrskontrollen löst dies oft Fragen aus. «Die Leute wollen regelmässig wissen, weshalb ich in der Uniform vom Kanton Neuenburg arbeite», sagt er. «Ab und zu schauen sie mich etwas komisch an.» Manchmal aber haben die Leute auch Freude und beginnen mit ihm Französisch zu reden oder von ihren Aufenthalten im Welschland zu erzählen. Bei einem Einsatz im Wasseramt hat er schon eine ganze Lebensgeschichte erfahren.

Im Korps sei er sehr gut aufgenommen worden, sagt Sjöstedt. Nur wenige Unterschiede hat er zwischen dem Dienst in seinem Heimatkanton und bei der Solothurner Polizei festgestellt: «Die Polizisten in der welschen Schweiz sind lockerer drauf. Hier ist alles etwas geordneter», sagt er. Seinen Stage begann Sjöstedt auf dem Polizeiposten in Biberist, danach war er bei der mobilen Polizei in Oensingen und der Einsatzpolizei in Balsthal. Derzeit ist er auf dem Regionenposten Grenchen stationiert. «Ich fühlte mich in kürzerster Zeit wohl», sagt er. Gemeldet hat er sich freiwillig zum Austauschjahr. Der 28-Jährige wollte seine Sprachkenntnisse verbessern und sehen, «wie es in einem anderen Kanton läuft». Täglich pendelt er vom Neuenburgersee, wo er mit seiner Frau wohnt, in den Kanton Solothurn. Sechs mal wurde das Austauschprogramm seit 2008 zwischen den beiden Kantonen durchgeführt. Wann immer ein Solothurner in Neuenburg ist, ist auch ein Neuenburger Polizist in Solothurn. So gebe es keine Abgeltungsprobleme, erklärt Kapo-Mediensprecher Bruno Gribi. Früher gab es auch mal einen Austausch mit dem Tessin.

«Die Ausrüstung ist hier besser»

Üblicherweise arbeitet Sjöstedt auf dem Polizeiposten in Neuenburg. «Die Aufgaben sind sehr ähnlich.» Die Neuenburger Polizei sei aber etwas näher bei den Leuten, erklärt er. «Wir haben einen engeren Kontakt und es findet mehr Kommunikation statt. Wir sind viel mehr draussen und nehmen uns die Zeit, mit der Bevölkerung zu sprechen.» Die Polizisten sitzen dann auch mal im Restaurant und trinken einen Kaffee. In Solothurn dagegen beeindruckt ihn die modernere Ausrüstung. «Die Infrastruktur und Ausrüstung ist im Kanton Solothurn besser», sagt er. Und: Hier habe man mehr Respekt für die Polizei, betont Sjöstedt. Nicht traurig ist er, dass die Neuenburger Polizei im Gegensatz zu Solothurn keine Zahlungsbefehle zustellen muss. Das spare Zeit. Beeindruckt hat ihn die Grösse des Kantons – und die ländlichen Gegenden. Bis ins Schwarzbubenland ist er schon gekommen. «Wir haben dafür das Val de Travers».

«Ja, den Röstigraben gibt es auch bei der Polizei», sagt Sjöstedt ohne zu Zögern. Denn wenn Akten aus der Deutschschweiz nach Neuenburg kämen, dann werde manchmal gezögert, ein Telefon über den Röstigraben zu machen, um etwas nachzufragen. Jérémy Sjöstedt wird damit künftig kein Problem haben. Sein Deutsch ist bereits ausgezeichnet. «Mundart ist manchmal noch etwas schwierig», sagt er. «Aber es geht jeden Tag besser.»

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