Grüne
Weshalb Brigit Wyss nicht das einflussreiche Innendepartement gewählt hat

Erstmals hat die neue Regierungsrätin Brigit Wyss erklärt, warum sie freiwillig das Volkswirtschafts- und nicht das viel einflussreichere Innendepartement gewählt hat

Lucien Fluri
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Brigit Wyss am Wahltag. (Archiv)

Brigit Wyss am Wahltag. (Archiv)

Tina & Thomas Ulrich

Wer Solothurner Sozialdirektor ist, der soll, gerade wenn er noch Ehrgeiz mitbringt, heimlicher Chef der Regierung sein. Sagt man so. Kein Departement bietet derart viele Gestaltungsmöglichkeiten: Vom Asylbereich über die Sozialleistungen und den Lotteriefondstopf bis hin zur Polizei und zur Altersheimplanung reicht der Machtbereich des Sozialdirektors.

Die frisch gewählte grüne Regierungsrätin Brigit Wyss hätte nach diesem Departement greifen können. Als ältere der beiden neuen Regierungsrätinnen durfte sie zuerst ihren Wunsch anbringen. Am Mittwochabend erklärte Wyss vor der Delegiertenversammlung der Grünen jedoch, warum sie trotzdem das Volkswirtschaftsdepartement bevorzugte und die Sozialdirektion kampflos ihrer Oltner SP-Kollegin Susanne Schaffner überliess.

Die Grünen möchten ausbauen

Die Solothurner Grünen reiten gerade auf einer Erfolgswelle. Nach dem Gewinn des Regierungsratssitzes haben sie auch in Rüttenen drei von neun Gemeinderatssitzen geholt und in Zuchwil sowie Solothurn gut abgeschnitten.
Nun will sich die Partei, die von vergleichsweise wenigen, aber sehr engagierten Mitgliedern getragen wird, auch organisatorisch verstärken. Es soll wieder ein Parteisekretariat geben mit 40 Stellenprozenten. Das haben die Grünen am Mittwochabend beschlossen. Dazu wird der Mitgliederbeitrag ab 2018 von 50 auf 60 Franken erhöht. Allerdings müsse auch die Parteibasis breiter werden, sagte Grünen-Präsident Felix Wettstein. Kantonsweit hat die Neo-Regierungspartei 260 zahlende Mitglieder. Wettstein hofft auch darauf, dass sich die Grünen in den Dörfern stärker verankern können. «Wir haben gute Leute und seriöse Aufbauarbeit geleistet.» Die Wahlen mit vielen Grünen «Panaschierkönigen» hätten gezeigt, dass die Oeko-Partei «bei den anderen so viel Vertrauen geniessen wie niemand sonst».
Deutlich abgelehnt hat die Versammlung das Vorhaben der Parteileitung, den jährlichen fixen Unterstützungsbeitrag an die Jungen Grünen von 750 auf 500 Franken zu kürzen. Präsident Felix Wettstein wollte sich, wie bereits letztes Jahr, nicht mehr für eine Legislatur, sondern (vorerst) nur noch für ein weiteres Jahr wählen lassen. «Es ist wichtig, dass mit der Zeit eine Generationenablösung kommen wird», so Wettstein. (lfh)

«Die Ecke, aus der ich komme»

Sie werde die einzige Grüne Volkswirtschaftsdirektorin in der Schweiz sein, sagte Wyss. Dass sie gerade diese Direktion gewählt habe, «hat nicht zuletzt mit der Ecke, aus der ich komme, zu tun.» Es sei ihr Wunschdepartement. Wyss ist Bauerntochter. Sie sei in einem Betrieb mit zehn Hektaren aufgewachsen. «Damals war dies ein mittlerer Betrieb. Heute ist es keine Existenz mehr», so die 56-Jährige.

«Ich kenne den Strukturwandel.» Die Situation sei für viele Bauern schwierig. Als Grüne sieht sie durchaus Berührungspunkte mit den Landwirten: Beide setzten sich für Lebensmittel aus der Schweiz ein.

Auch im Amt für Wald, Jagd und Fischerei sieht Wyss Einflussmöglichkeiten bei Kernthemen der Grünen, etwa bei der Förderung der Biodiversität.

Lokalere Auftragsvergaben?

Das Departement sei auch wegen der Wirtschaft ihr Wunschdepartement. «Wir Grünen sind immer eingestanden für das lokale Gewerbe», sagte Wyss und verblüffte mit einer Aussage, die gerade für das Departement erstaunt, das unter FDP-Frau Esther Gassler mit umstrittenen Auftragsvergaben Schlagzeilen gemacht hatte.

Die Gesetze seien einzuhalten, so Wyss. «Aber die Schweiz muss bei Submissionen nicht immer Musterknabe sein.» Man könne Ausschreibungen auch ohne «Söihäfeli-Söideckeli»-Politik «so oder so» machen, sah sie Spielraum für das lokale Gewerbe.

2. Wahlgang
33 Bilder
Die Ergebnisse werden interessiert mitverfolgt
Susanne Schaffner mit ihren beiden Kindern
SP-Parteipräsidentin Franziska Roth und Susanne Schaffner
Feiernde SP
Peter Gomm gratuliert Susanne Schaffner
Andrea Affolter (Medienbeauftragte der Regierung), Staatsschreiber Andreas Eng und Susanne Schaffner
Peter Gomm freut sich
Susanne Schaffner und SP-Parteipräsidentin Franziska Roth
Brigit Wyss auf dem Weg ins Rathaus
und hoch gehts in den Steinigen Saal
Brigit Wyss nimmt Gratulationen von allen Seiten entgegen.
Schaffner und Wyss liegen sich in den Armen
Brigit Wyss (Grüne) und Susanne Schaffner (SP)
Walter Wobmann (SVP)
Die Grüne Kantonsrätin Barbara Wyss-Flück
Dagobert Cahannes und Franco Supino
Marianne Meister gratuliert Brigit Wyss
Die Regierungsräte Remo Ankli und Roland Heim
Der abtretende SP-Regierungsrat Peter Gomm, die neue Regierungsrätin Susanne Schaffner und Parteipräsidentin Franziska Roth
Eine enttäuschte Marianne Meister (FDP)
Brigit Wyss (Grüne) im Interview
Marianne Meister (FDP) im Interview
Strahlende Regierungsrätinnen: Susanne Schaffner und Brigit Wyss
Susanne Schaffner
Felix Wettstein, Präsident der Grünen Kanton Solothurn
Christian Scheuermeyer (FDP)
Die Grünen stossen auf den Sieg an
Schaffner umarmt Roberto Zanetti vor dem Volkshaus, wo die SP ihr Lager aufgeschlagen hat

2. Wahlgang

Tina & Thomas Ulrich

Besonders freue sie, dass der Energiebereich in ihrem Departement sei. Gerade das könne auch zu Spannungen mit der Partei führen. Sie werde Vorlagen zu erarbeiten haben, die zuerst in der bürgerlich dominierten Regierung und dann in Volksabstimmungen Mehrheiten finden müssten. «Ich werde Euch auch enttäuschen müssen», sagte Wyss. Quasi als Trostpflaster versprach sie, dass sie Plattformen wie Auftritte rege für Anliegen der Grünen nutzen werde.