Autoprüfung

Weshalb brauchen die Solothurner Fahrschüler so wenig Fahrstunden?

In der ländlichen Gegend des Kantons Solothun ist Auto fahren einfacher als in grösseren Städten. Dies ist mit ein Grund, weshalb Solothurner eher wenig Fahrstunden benötigen.

In der ländlichen Gegend des Kantons Solothun ist Auto fahren einfacher als in grösseren Städten. Dies ist mit ein Grund, weshalb Solothurner eher wenig Fahrstunden benötigen.

Die Solothurner Lernfahrer benötigen im Durchschnitt deutlich weniger Fahrstunden als ihre Kollegen in den Nachbarkantonen. Welche Gründe gibt es dafür?

Ein Lernfahrer im Kanton Solothurn nimmt im Durchschnitt zwischen 18 und 20 Fahrstunden bei einem Fahrlehrer, bis er die praktische Fahrprüfung absolviert. In den anderen Kantonen der Nordwestschweiz benötigen Fahrschüler wesentlich mehr Fahrstunden. So zum Beispiel in Basel oder im Aargau, wo über 30 Fahrstunden üblich sind. Sind die Solothurner Fahrschüler also einfach besser und lernen schneller? Wohl kaum. Doch welche Gründe gibt es dann für die geringe Anzahl Fahrstunden?

Reto Wüthrich, Vizepräsident der Sektion Mittelland (SO) des Schweizerischen Fahrlehrerverbandes und selber Fahrlehrer, sieht einen massgebenden Punkt darin, dass der Verkehr hier weniger dicht ist. «Solothurn ist eine ländliche Gegend, da ist das Autofahren einfacher», meint er. «Wir haben hier mit dem Bipperlisi schliesslich auch nur ein Tram, in Zürich ist das natürlich ganz anders.»

Oftmals seien dann die Lenker jedoch beim Fahren in grösseren Städten überfordert. «Ich habe schon von Fahrlehrern aus anderen Kantonen gehört, dass die Solothurner im Grossstadtverkehr durch ihre Unsicherheit auffallen», erzählt Wüthrich. Es wäre für ihn wünschenswert, mit den Fahrschülern in grösseren Städten üben zu können, doch dies sei leider zeitlich nicht möglich, so der Fahrlehrer.

Wüthrich hat eine weitere Eigenheit des ländlichen Solothurn, die sich positiv auf die Anzahl Fahrstunden auswirkt, festgestellt: «Auf dem Land gibt es mehr handwerkliche Berufe, und Handwerker sind tendenziell begabter im Umgang mit Motoren und Maschinen.»

Fahrschüler messen sich untereinander

Einen weiteren Grund für die wenigen Fahrstunden der Solothurner Lernfahrer sieht Wüthrich in ihrer Denkweise. Es überwiege die Einstellung, wer weniger Fahrstunden brauche, sei der bessere Autofahrer, erzählt Wüthrich. Dies führe zu einem Konkurrenzkampf und die Fahrschüler würden sich unter Druck fühlen. «Sie drängen dann den Fahrlehrer, sie an die Prüfung anzumelden», erklärt Reto Wüthrich, der seit 24 Jahren Fahrstunden gibt. Dies wiederum bringe den Fahrlehrer in eine schwierige Situation: «Denn wer möchte schon den Ruf riskieren, unnötig viele Fahrstunden zu verkaufen?»

So komme es, dass die Schüler tendenziell zu früh an die Prüfung angemeldet würden. Denn eine obligatorische Mindestanzahl Fahrstunden vor der Prüfung gibt es in der ganzen Schweiz nicht.

Fallen die Prüflinge dann auch entsprechend häufig durch die Autoprüfung? Die Statistik besagt, dass die Solothurner mit einer Erfolgsquote von 67 Prozent gerade etwa im schweizweiten (66 Prozent) Durchschnitt liegen. «Da wir jedoch - wie erwähnt - in einer Region leben, wo das Autofahren eher einfacher ist, sollte die Quote etwas höher ausfallen», meint Wüthrich.

Ebenfalls eine entscheidende Rolle spiele, ob ein Fahrschüler privat noch mit Verwandten Probefahrten durchführen könne. Dies sei im Kanton Solothurn häufig der Fall. «Dann brauchen die Schüler natürlich auch weniger Fahrstunden», resümiert Wüthrich.

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