Olten

Werk ausgebaut: Lindt & Sprüngli produziert in Olten täglich 150 Tonnen Kakaomasse

Die Lindt & Sprüngli-Fabrik beim Bahnhof Olten.

Die Lindt & Sprüngli-Fabrik beim Bahnhof Olten.

Lindt & Sprüngli hat 30 Mio. Franken in Olten investiert und die Produktionskapazitäten in seinem Werk verdoppelt. Am Freitag ist das neue Cocoa Center gebührend eingeweiht worden. Für die Produktion der Kakaomasse braucht es lediglich 32 Mitarbeitende.

Nicht jede Stadt hat ihren Duft. Olten schon. Und das hat einen Grund. Die Firma Lindt & Sprüngli sorgt zuverlässig dafür, dass die Zugreisenden nicht ohne Duftnote in der Dreitannenstadt empfangen oder verabschiedet werden. Verantwortlich dafür ist nicht das Stadtmarketing, sondern der Schokoladehersteller Lindt & Sprüngli.

In die Nase steigt den Olten-Reisenden dabei nicht Schokoladeduft, sondern jener von Kakaomasse. Jenes Ursprungsprodukts also, ohne das keine Schokolade auskommt. Mehr noch: Bei Lindt & Sprüngli kommt keine Tafel, keine Praline ohne die wertvollen Ingredienzen aus Olten aus. «From bean to bar», sagt dem Dario Cavegn, Leiter Operations.

Was so viel bedeutet wie: Das im 19. Jahrhundert gegründete Unternehmen hat die Produktion von der Anlieferung der Kakaobohne bis zum Verkauf im Laden in den eigenen Händen. Lindt & Sprüngli ist eines der wenigen Unternehmen, das Schokolade noch von der Auswahl der Bohne bis zum fertigen Produkt selber verantwortet.


So viel Kakaomasse wie noch nie


Eine aufwendige Sache, wie ein Augenschein in der neuen Rösterei, dem Herzstück des gut 30 Millionen Franken teuren Ausbauprojekts an der Oltner Industriestrasse, beweist. Hier gehen höchste Ansprüche an die Lebensmittelhygiene einher mit modernsten Produktionsanlagen. Gerade einmal 32 Mitarbeitende – immerhin deren 8 mehr als vor dem Ausbau – braucht es hier zur Aufrechterhaltung des Dreischichtbetriebs. Und diesen braucht es: Das Werk in Olten hat im vergangenen Jahr so viel produziert wie noch nie. Entsprechend weit fortgeschritten ist die Automation. Zur Illustration: 150 Tonnen Kakaomasse entstehen täglich am neuen Produktionsstandort, ehe die 50 Grad heisse Masse in Lastwagen zu den Schokoladefabriken in der Schweiz, in Deutschland, Frankreich und Italien gefahren wird.

Bekenntnis zum Schweizer Standort

Auch wenn der Aus- und Neubau schwergewichtig eine weitere Röstanlage und eine neue Verladehalle umfasst: Besonders stolz ist CEO Dieter Weisskopf über die Installation einer hochmodernen Forschungsanlage, in der vor Ort Tests an Bohnen, Rezepturen und Verfahren durchgeführt werden können. Für Weisskopf steht denn auch fest: «Mit dem Ausbau setzt Lindt & Sprüngli ein klares Zeichen zur langfristigen Stärkung des Standorts Schweiz.» Das Lindt Cocoa Center in Olten sei das grösste Kakaomassewerk der gesamten Unternehmensgruppe und sichere dank der neuen Kapazitäten die nachhaltige Versorgung aller europäischen Produktionsstätten mit Kakaomasse.


Und das braucht Infrastruktur. Zum Beispiel Silos für die jährlich rund 400 in den Niederlanden beladenen Bahnwaggons Kakaobohnen, die in Olten angeliefert werden, bevor die vorwiegend in Westafrika und Lateinamerika gewonnene Frucht in einem ersten Schritt gereinigt und aufgebrochen wird. In der Folge werden die Kakao-Nibs, gleichsam das Gold der Bohne, in einem spezifischen Verfahren, bei dem Temperatur und Röstdauer perfekt aufeinander abgestimmt sein müssen, geröstet. Erst dann werden die Nibs in Mühlen nach und nach so zerkleinert, dass aus ihnen jene Kakaomasse wird, die Ausgangspunkt jeder Schokolade ist. Die dickflüssige Masse entsteht dabei durch Druck ebenso wie durch Reibung. Das Resultat dieses Vorgangs: Das Produkt schmeckt nicht nur intensiv, sondern duftet auch so. Und weil Schoggi hierzulande Allgemeingut ist, lässt Lindt & Sprüngli alle daran teilhaben, die in Olten ein- oder aussteigen.


Ob der Duft überall so beliebt ist wie in der Schweiz? Einerlei. Tatsache ist, dass das im zürcherischen Kilchberg beheimatete Unternehmen, das sich im Bereich der Premium Schokolade als weltweit führend bezeichnet, mit seinen 14 500 Mitarbeitenden 2018 einen Umsatz von 4,3 Milliarden Franken erzielte. Wobei die Oltner unverzichtbare Basisarbeit leisten. Und dies wohl noch lange tun werden. Jedenfalls meinte CEO Weisskopf bei der Einweihung des Aus- und Neubaus, es habe durchaus noch Platz für mehr in Olten. Und weil es von Planung bis Realisierung der jüngsten Etappe bloss 485 Tage dauerte, glaubt das Unternehmen nicht nur an die Kakaobohne (und an die Masse, die daraus wird), sondern auch an die Qualitäten des Standorts.

Autor

Balz Bruder

Balz Bruder

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