Egerkingen
Werden schon bald Asylbewerber im «Fridau» Egerkingen platziert?

Die derzeitige Flüchtlingswelle sorgt in der Schweiz zunehmend für prekäre Platzverhältnisse. Das kantonale Amt für soziale Sicherheit des Kantons Solothurn hat Pläne zur Nutzung der ehemaligen Klinik Fridau in Egerkingen. Das zeigen Recherchen.

Erwin von Arb
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Noch steht die ehemalige psychiatrische Klinik Fridau leer.

Noch steht die ehemalige psychiatrische Klinik Fridau leer.

Oltner Tagblatt

Asylunterkünfte werden entsprechend rar, die Ideen für die Schaffung neuer Unterbringungsmöglichkeiten immer unkonventioneller. Jüngstes Beispiel ist der Fall im aargauischen Bettwil, wo das Bundesamt für Migration (BFM) in einer alten Militäranlage ab Mitte Januar für mindestens ein halbes Jahr eine Asylunterkunft für bis zu 100 Personen eröffnen will. Die Bevölkerung der 560-Seelen-Gemeinde geht auf die Barrikaden, droht gar mit zivilem Ungehorsam.

Auch der Kanton Solothurn ist auf der Suche nach Räumlichkeiten. Im Gespräch ist die ehemalige Klinik oberhalb von Egerkingen, wie Guido Keune, stellvertretender Kantonsbaumeister und Leiter Immobilien im kantonalen Hochbauamt, auf Anfrage bestätigt. Aktuell gebe es aber noch weitere Optionen für die künftige Nutzung der seit 2008 leer stehenden Klinik. Dabei handle es sich um zwei nicht spitalorientierte Nutzungen. Näher will er sich dazu aber nicht äussern, ausser, dass die Projekte schon weit fortgeschritten seien. «Ende Januar können wir mehr dazu sagen.»

Planungsbüro strich Segel

Laut Keune ist es sehr schwierig sei, für die im Besitz des Kantons befindliche Klinik eine wirtschaftlich adäquate Lösung zu finden. Das habe auch ein Zürcher Immobilienentwicklungsbüro erfahren müssen, welches bei einem allfälligen Erfolg die Exklusivrechte für die weitere Planung bekommen hätte. «Leider hat sich aus den seit Anfang Jahr laufenden Bemühungen nichts Verwertbares ergeben, erklärte Keune mit dem Verweis, dass bei der Zusammenarbeit mit den Zürcher Planern für den Kanton keinerlei Kosten entstanden seien.

Zur Unterbringung von Asylsuchenden in der Fridau will Keune nicht Stellung nehmen. Das sei ein Projekt, das vom Amt für soziale Sicherheit betreut werde. Abteilungsleiterin Claudia Hänzi bestätigt auf Anfrage, dass über ein solches Projekt diskutiert werde. «Wir haben dem Hochbauamt vorgeschlagen, die Fridau als Asylunterkunft zu nutzen.» Entschieden sei allerdings noch nichts, zuerst müssten auch noch vertiefte Gespräche mit Egerkingen geführt werden. Offen sei ferner, wie viele Asylsuchende bei einer Umsetzung der Pläne in der Fridau untergebracht werden könnten. Auf jeden Fall nicht weniger als 50 Personen, meint Hänzi dazu. Auf eine Obergrenze will sich Hänzi nicht festlegen.

Egerkingen kündigt Widerstand an

Keine Freude lösen die Pläne in Egerkingen aus. Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi: «Wir werden uns dagegen wehren, dass so viele Asylsuchende bei uns untergebracht werden sollen.» Sie ist sich indessen bewusst, dass Egerkingen dem Kanton als Besitzer der Klinik nicht viel entgegensetzen hat. Bartholdi befürchtet, dass die Kriminalität, wie etwa Entreissdiebstähle im und um das Einkaufszentrum Gäupark, zunehmen könnten. «Das einzig Gute ist, dass die Fridau nicht sehr nahe am Dorf ist.»

Hänzi versteht zwar die Sorgen von Gemeinden, in denen Asylunterkünfte eingerichtet werden. Aber: «Der Kanton muss 3,5 Prozent aller Asylsuchenden aufnehmen und in den Gemeinden nach geeignetenRäumlichkeiten suchen. Darüber freut sich niemand wirklich und trotzdem müssen wir nach Lösungen suchen.»