Vielleicht könnten im Schloss Steinbrugg an der Solothurner Baselstrasse bald Flüchtlinge einziehen. Der Hausherr des historischen Gebäudes, der Basler Bischof Felix Gmür, wälzt Gedanken in diese Richtung. «Das Bistum ist am Prüfen, ob im Schloss Steinbrugg eine Wohneinheit für Flüchtlinge geschaffen werden kann», sagt auf Anfrage Bistumssprecher Hansruedi Huber. «Es ist dem Bischof ein grosses Anliegen, dass wir ein Zeichen setzen können.» Entscheiden will das Bistum «relativ rasch».

Derzeit werde abgeklärt, wie dies logistisch und organisatorisch möglich wäre. «Das Schloss Steinbrugg umfasst als Verwaltungsgebäude Büros für 40 Mitarbeitende. Es braucht eine Lösung, die für alle Parteien funktioniert.» Mehrere Pfarreien und Klöster des zehn Kantone umfassenden Bistums hätten schon Hand geboten und kantonalen Behörden Unterbringungsmöglichkeiten angeboten, aber eben noch nicht der Bischof. Wie viele Menschen dereinst am Bischofssitz Unterschlupf finden könnten, lässt Huber offen.

«Gefühl der Ohnmacht»

Seit Monaten schon engagiert sich Bischof Gmür in der Flüchtlingsdebatte. Bisher vor allem mit mahnenden Worten: Im April hatte Gmür angemahnt, «die Schweiz könnte mehr Asylbewerber aufnehmen». Kürzlich äusserte er in der «Schweiz am Sonntag» «ein Gefühl der Ohnmacht». Es könne nicht sein, dass Tausende Menschen im Mittelmeer sterben oder in Italien festsässen. Der Bischof appellierte an die Verantwortung der westlichen Länder und wehrte sich gegen Grenzschliessungen.

Das stiess auch auf Kritik. Und das ausgerechnet bei der sonst kirchennahen CVP. Kurz nachdem seine Partei mit Vorschlägen für eine rigorose Gangart in der Asylpolitik vorgeprescht war, sagte CVP-Präsident Christophe Darbellay der «Basler Zeitung»: «Auf hehre Worte müssen von den entsprechenden Wortführern aber auch Taten folgen. Wenn die Kirche so offen sein will, müsste sie auch bereits sein, beispielsweise in der Pfarrei oder Kirchgemeinde zwei bis drei syrische Flüchtlinge aufzunehmen.» Darbellay weiter: «Ich erwarte, dass man Theorie und Praxis miteinander verbindet. Man kann nicht einfach nur fordern, die Schweiz müsse alle aufnehmen.»

Briefe an Kirchgemeinden

Leere Pfarrhäuser, immer weniger Mönche in den Klöstern: Fordert die Kirche nur, ohne selbst zu handeln? Bischofssprecher Hansruedi Huber lässt den Vorwurf nicht gelten und betont die jahrzehntelange Tradition der Kirche im Asyl- und Integrationsbereich. Gleichzeitig verweist er auf die Professionalisierung im Asylbereich, die die Funktion der Kirche verändert hat.

Hinzu kommt: Über eigene Gebäude verfügt das Bistum ausser dem Schloss Steinbrugg und dem gegenüberliegenden Grimmschen Palais, wo der Bischof mit drei weiteren Personen wohnt, nicht. «Die Kirchengebäude und Pfarrhäuser gehören der jeweiligen Kirchgemeinde», sagt Huber. Der Entscheid über die Aufnahme von Flüchtlingen liegt in der föderalistisch organisierten Kirche bei den einzelnen Kirchgemeinden oder bei den Ordensoberen der jeweiligen Klöster. «Der Bischof kann in dieser Frage nur empfehlen», so Huber. «Aber er engagiert sich an vorderster Front.»

Gmür hat in der Chrisam-Messe vor Ostern alle Seelsorgerinnen und Seelsorger des Bistums aufgerufen, «sich für Unterkünfte stark zu machen». Im Kanton Luzern wurden «85 Kirchgemeinden in einem Brief gebeten, geeignete, leerstehende Gebäude und Parzellen dem Kanton zu melden.» Auch über Pfarrblätter sind Aufrufe erfolgt. Zahlreiche Pfarreien und Kirchgemeinden des Bistums sind dem Aufruf des Bischofs bisher gefolgt oder haben von sich aus Flüchtlinge aufgenommen. «Der Prozess ist vielerorts erst am Anlaufen und wird sich wohl beschleunigen», sagt Huber.

«Jeder muss sich das überlegen»

Und was sagt das Bistum konkret zu den Vorwürfen von CVP-Präsident Christophe Darbellay? Auf Ermahnungen und Ratschläge des CVP-Präsidenten kann man im bischöflichen Ordinariat offenbar getrost verzichten. «Solche Töne gehören wohl zum Wahlkampf», sagt Sprecher Hansruedi Huber. Der Bischof engagiere sich schon seit Monaten in der Debatte. Und überhaupt: «Die Kirche sind wir alle. Jeder von uns muss sich überlegen, ob und in welcher Form er konkret Hilfe leisten kann. Auch Herr Darbellay.» Das wiederum dürfte beim CVP-Präsidenten auf taube Ohren stossen. Er hatte in der «BaZ» schon mal auf seine eigenen Weise definiert, was es bedeutet, Christ zu sein: «Christ zu sein, heisst nicht, dass die Schweiz alle Menschen aufnehmen kann und muss, die in schwierigen Situationen sind», so CVP-Mann Darbellay.

Der Kommentar dazu gibts hier!