Nationalratswahlen

Wer wählt eigentlich CVP und warum sind die Gutverdiener bei der FDP?

Wer Auto fährt, wählt tendenziell bürgerlicher. Das zeigen Daten des Online-Portals Vimentis zu den Solothurner Wählern. Wir haben aufgeschlüsselt, wer tendenziell eher welche Partei wählt - und welches die grössten Herausforderungen sind, die die jeweilige Partei aus Sicht ihrer Wähler lösen muss.

Bei welchem Problem traut man GLP oder SP am ehesten zu, dass sie es lösen können? Und wählen Autofahrer tatsächlich lieber SVP, FDP oder CVP?

Wahlen geben in Zeiten von Big Data auch Aufschluss über solche Fragen. Genauer sind es das Forschungsinstitut Sotomo oder die Organisation Vimentis, die solche Informationen spezifisch auch für den Kanton Solothurn bereithalten. Die Daten basieren auf einer Wahlumfrage bzw. Angaben von Wählerinnen und Wählern beim Ausfüllen der Online-Wahlhilfe. Dies sind einige der augenfälligsten Erkenntnisse:

SVP: Autofahrer wollen eine strikte Ausländerpolitik und mehr Sicherheit

Für SVP-Wähler ist die Zuwanderung die grösste Herausforderung, die in der nächsten Legislatur zu bewältigen ist. Dies zeigt die Wahlumfrage des Forschungsinstituts Sotomo deutlich. Nicht weniger als 80,3 Prozent der SVP-Wählenden sehen die Zuwanderung als drängendste Herausforderung. Ebenfalls Handlungsbedarf sehen SVP-Wähler in den Bereichen Sicherheit/Kriminalität (35,3 Prozent der Wählenden) und bei den Krankenkassenprämien (34,9 Prozent). Diese rangieren für SVP-Wähler damit noch vor der Frage der Unabhängigkeit der Schweiz (30,4 Prozent) oder der Beziehungen zur EU (19,3 Prozent). Wenig überraschend taucht bei den SVP-Wählenden der Klimawandel nicht als drängendes Thema auf. Da ist wenig erstaunlich, da die SVP laut Vimentis die Partei ist, zu deren Wählern am meisten Autofahrer gehören. SVP-Wähler haben (wie auch CVP-Wähler) oft eine Berufslehre absolviert. Zudem gibt es weniger Gutverdiener als in anderen Parteien.

Die wichtigsten Herausforderungen aus Sicht der Solothurner Wähler

Die wichtigsten Herausforderungen aus Sicht der Solothurner Wähler

FDP: Gutverdiener pochen auf Reform der Altersvorsorge und geklärte EU-Beziehungen

Es ist die Reform der Altersvorsorge, die die FDP schon länger fordert und die für die Wähler der Liberalen denn auch die grösste Herausforderung der kommenden Legislatur darstellt. 50,6 Prozent der FDP-Wähler sehen dieses Thema als wichtig an, gefolgt von den Krankenkassenprämien (47,2 Prozent) und den Beziehungen zur EU (36,9 Prozent). Klimawandel (26,7) oder Zuwanderung (24,9) stehen ebenfalls auf der Agenda der FDP-Wählerinnen und -Wähler, aber etwas tiefer.

Auch die Wettbewerbsfähigkeit gilt bei der liberalen Wählerschaft – anders als bei den anderen Parteien – als besonders wichtiges Thema (22,8).

Die FDP ist gemäss Vimentis «jene Partei für gut ausgebildete und gut verdienende» Wähler, weist aber einen etwas tieferen Frauenanteil auf als die restlichen Parteien.

Grün: Lieber kein Auto, lieber kein Militärdienst, dafür viel Umweltschutz

Die Grünen sehen den Klimawandel klar als grösste Herausforderung in der kommenden Legislatur. 84,3 Prozent der Wählerinnen und Wähler nennen diesen Punkt. An zweiter Stelle rangiert der Landschaftsschutz (50,8). Die Krankenkassenprämien, die Beziehungen zur EU oder die Reform der Altersvorsorge sind zwar auch dem Grünen Elektorat wichtig, geniessen aber weniger Priorität als die Umweltthemen.

Grüne leisten laut Vimentis am wenigsten oft Militärdienst und fahren selbstredend auch seltener Auto als die bürgerlichen Wähler.

GLP: Neben dem Umweltschutz die Finanzen.

Der Klimawandel, die Krankenkassenprämien und der Landschaftsschutz (30,3) beschäftigen die grünliberalen Wähler. Ebenso die Beziehungen zu EU (30,2) und die Reform der Altersvorsorge (25,2). Anders als bei den Grünen etwa tauchen bei den Grünliberalen auch die Steuerbelastung und die Staatsausgaben als Herausforderungen auf. Letztere sind immerhin für 23,3 Prozent der grünliberalen Wählerinnen und Wähler eine Herausforderung, die in der kommenden Legislatur angepackt werden muss. Daten, wie sich die Wählergruppe der Grünliberalen genauer zusammensetzt, sind von Vimentis nicht erhältlich.

SP: Frauen, öV-Fahrer und Personen mit tieferen Einkommen wählen die SP

Bei den SP-Wählern steht der Klimawandel zuoberst auf der Prioritätenliste, auch wenn mit 66,1 Prozent dieser Wert unter demjenigen der Grünen liegt. Ebenfalls als grosse Herausforderung sehen die SP-Wählenden die Krankenkassenprämien (57 Prozent), die Reform der Altersvorsorge (35) oder die Beziehungen zur EU (32,3). Ein Anliegen ist für die SP-Basis auch die Gleichstellung der Frauen (25,6). Kein Wunder: Die Frauen machen 56 Prozent unter den SP-Wählenden aus, was gemäss Vimentis der höchste Anteil unter den Solothurner Parteien ist.

«Personen mit einem tiefen Einkommen tendieren verhältnismässig eher zur SP im Kanton Solothurn», widerlegt Vimentis die Vorstellung, die SP sei zur Mittelstands-Beamtenpartei geworden. Rund 40 Prozent der SP-Wählenden sollen im unteren Einkommensbereich liegen. Dies ist nicht in allen Kantonen so. Oft erreicht die SVP in diesen Wählergruppen laut Vimentis nämlich eine höhere Zustimmung als die SP.

CVP: Väter und Mütter wollen keine höheren Krankenkassenprämien

Die CVP will mit einer Initiative den Anstieg der Krankenkassenprämien bremsen. Und tatsächlich scheint dieses Thema bei den CVP-Wählern auch anzukommen: 54,5 Prozent sehen diese Herausforderung als wichtig in der kommenden Legislatur an, gefolgt vom Klimawandel (41,3 Prozent), der Reform der Altersvorsorge (40,7 Prozent) und den Beziehungen zur EU (32,7). Wie bei der FDP und der SVP ist auch für die CVP-Basis die Zuwanderung ein Thema, das gelöst werden muss. Mit 20,9 Prozent geben ihm CVP-Wählerinnen und -Wähler jedoch weniger Priorität als die SVP-Basis.

Dass die CVP Familienpartei ist, bestätigt Vimentis. Mehr als zwei Drittel haben demnach Kinder. Sie leisten zudem überdurchschnittlich oft Militärdienst – im Gegensatz zu Unterstützern von SP und Grünen.

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