Wild pinkeln
Wer sich erleichtert, erleichtert allenfalls auch sein Portemonnaie

Fasnächtler aufgepasst: Wer in der Öffentlichkeit mal dringend muss, riskiert eine Busse. Was betroffene Hausbesitzer nervt, ist bei der Polizei nur selten ein Thema.

Lucien Fluri
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Die Männer sind dieses Mal wirklich schuld: Sie treten nur mal kurz aus, gehen hinter den Baum oder erleichtern sich irgendwo in der Stadt. Doch was harmlos klingt (oder beschönigend beschrieben wird), heisst in Verwaltungsdeutsch «Verrichten der Notdurft»; und das kann durchaus finanzielle Konsequenzen haben: Die Polizei verteilt dazu Bussen. Das hat ein Basler diese Woche erlebt (wir berichteten).

Der Wildpinkler, der am Baum tat, was dort sonst Hunde tun, musste nämlich 355 Franken Verfahrensgebühren bezahlen und 20 Stunden soziale Arbeit leisten. Der Mann hatte die Busse von 50 Franken, die ihm die Polizisten um halb zwei Uhr morgens aufbrummten, nicht bezahlen wollen. Das Verfahren nahm seinen Gang bis vor Gericht.

Nun hat der Basler Fall bei Solothurner Fasnächtlern schon mal Angst ausgelöst. Einige Biere, eine kalte Nacht und weit und breit keine öffentliche Toilette: Es gibt einige Ecken in Solothurn oder Unterführungen, die insbesondere nach grossen Festen in der Stadt übel riechen.

Es gibt kaum Bussen deswegen

Zwar kennt der Kanton Solothurn im Gegensatz zu Baselstadt in seinem kantonalen Strafgesetz kein explizites Verbot des «Verrichtens der Notdurft». Allerdings riskiert eine Busse, «wer sich öffentlich ein unanständiges, Sitte und Anstand verletzendes Benehmen zuschulden kommen lässt, insbesondere in angetrunkenem Zustande Skandal verübt». Dass das Verrichten der Notdurft nicht einfach als Kavaliersdelikt angesehen wird, bestätigen die beiden Stadtpolizei-Kommandanten Peter Fedeli (Solothurn) und Robert Gerber (Grenchen). Beide Polizeikorps verzeigen schon mal «Wildpinkler» wegen unanständigen Benehmens in der Öffentlichkeit, auch wenn dies äusserst selten vorkommt, wie Peter Fedeli auf Anfrage erklärt. Meist sind die erleichterten Übeltäter schon längst abgezogen und werden schlicht nicht am Tatort erwischt. Melanie Schmid, Mediensprecherin der Kantonspolizei, ergänzt: «Bei den Bussen handelt es sich wohl um wenige Einzelfälle, aber genaue Zahlen sind nicht bekannt.» An überhaupt keinen Fall erinnern kann sich Daniel Bürki, Kommandant der Stadtpolizei Olten. «Von uns aus gehen wir auch nicht aktiv auf die Pinkler los.»

Gebüsch ist nicht gleich Hauswand

Robert Gerber, Grenchner Stadtpolizeikommandant, lässt durchblicken, dass ein gewisser Spielraum besteht, bevor die Verzeigung erfolgt: Die fehlbare Person werde zuerst einmal angesprochen. Und ob Gebüsch oder Platz spielt laut Peter Fedeli auch eine Rolle. Der Spass hört allerdings auf, wenn es um Hausfassaden oder Hauseingänge geht: In diesem Zusammenhang gehen nämlich die meisten Reklamationen bei den Polizei-Korps ein. «Solange es die Szene am Marktplatz gab, hatten wir im Sommer jeweils gewisse Reklamationen, etwa wegen Hauseingängen», sagt Gerber.

Einzelne Gemeinden haben in ihren Polizeireglementen gar explizite Paragrafen zum öffentlichen Wasserlass. So ist es laut den entsprechenden Reglementen von Oensingen und Gerlafingen «untersagt, auf öffentlichem Grund oder an einem von der Öffentlichkeit einsehbaren Ort die Notdurft zu verrichten».

Immerhin: Dieses Jahr, so erklärt Peter Fedeli, wird die Solothurner Fasnachtsgesellschaft UNO wieder mehr Toi-Toi-Kabinen in der Stadt aufstellen. So ist etwas Druck weggenommen, wenn Druck auf der Leitung ist.