Mit 90 Jahren noch so fit und gesund zu sein, wie Hans Knöpfli aus Kriegstetten – das wünscht sich wohl jeder. Wir treffen uns zum Kaffee in seinem grossen Wohnhaus, einem ehemaligen Bauernhaus, mitten in Kriegstetten. Seit Knöpfli 1993 von seiner Missionstätigkeit in Kamerun in die Schweiz zurückgekehrt ist, lebt er hier zusammen mit seiner Ehefrau Heidi Zingg Knöpfli in deren ehemaligem Grosselternhaus. «Als ich 1956 nach Kamerun ging, war ich sofort dort zu Hause. Hingegen brauchte ich schon sechs Jahre, um mich hier in Kriegstetten wieder heimisch zu fühlen», erinnert er sich. Geholfen habe ihm damals seine Arbeit als Pfarrer und sein damals kleiner Sohn, der zu dieser Zeit eingeschult wurde.

Knöpfli, ein gebürtiger Zürichländer, hat trotz der Jahre, die er jetzt wieder in seinem Heimatland lebt, die 37 Jahre Leben und Arbeiten in Afrika nicht vergessen. So hat er sich zu seinem 90. Geburtstag selbst ein Geschenk gemacht – nämlich ein Büchlein herausgebracht, in dem er Sprichwörter aus Afrika und insbesondere solche aus Kamerun zusammengestellt hat. «Wer langsam geht, kommt weit» ist das schön gestaltete Bändchen übertitelt und es ist erstaunlich, wie so manche Lebensweisheit aus dem doch so anderen Kulturkreis unseren mitteleuropäischen Sprichwörtern ähnlich ist.

Viele Redensarten hat Knöpfli in der Literatur gefunden, viele hat er aber auch gehört und dann aufgeschrieben. Knöpfli sagt, ihm sei aufgefallen, dass in den afrikanischen Sprichwörtern vielfach die Natur Thema sei. Menschliche Eigenschaften werden Tieren zugeordnet. «Die Henne kennt die Morgendämmerung wohl, doch überlässt sie das Krähen dem Hahn», ist ein Beispiel. Geschickt hat der Autor die Sprichwörter in verschiedene Themenkreise gegliedert, sodass das Büchlein zum ergiebigen Nachschlagewerk wird.

Alte Traditionen am Leben halten

«Das Wort, das keine Beine hat, wird nicht gehört» heisst ein weiteres Sprichwort aus Kamerun und es scheint, dass genau dieser Spruch ziemlich genau auf Hans Knöpfli zutrifft. Der 1927 Geborene erlernte zuerst den Beruf des Möbelschreiners, bevor er Theologie studierte und in die Basler Mission eintrat. 1956 wurde er nach Kamerun geschickt. «Ab Southampton fuhr ich nach Kamerun. Ich wusste wenig über dieses Land», erinnert er sich.

Und heute, am Stubentisch in Kriegstetten sagt er: «Das Afrika, das ich damals kennenlernte, existiert heute nicht mehr. Afrika ist zerrissen. Die Gesellschaft ist gespalten zwischen Tradition und Moderne, Stadt und Land.» Knöpfli möchte schon gerne wissen, wie es heute dort ist, wo er zwischen 1956 und 1993 lebte und wirkte. Im sogenannten Grasland nämlich, einem Gebiet von rund 17'000 km2 Grösse. Zwar hat er heute noch persönliche Kontakte zu einigen Personen von damals. Dies vor allem durch seine Stiftung Grasland, die er gründete und die heute von seiner Ehefrau Heidi Zingg Knöpfli geleitet wird. «Noch arbeite ich heute 3 bis 4 Tage pro Monat für die Stiftung», sagt er.

Wertschätzung ist wichtig

Der Zweck dieser Stiftung ist die Förderung des Kunsthandwerks und die Dorfentwicklung im Kameruner Grasland, denn als Knöpfli an seinem neuen Wirkungsort ankam, sah er, dass die Menschen mehr brauchten als Predigten. «Ich begann, sie in meinem erlernten Beruf als Schreiner auszubilden und dabei lernte ich sehr viel über die Handwerkskünste der Einheimischen.» Er begann, die traditionelle Arbeit zu fördern und zu untersuchen. «Wichtig war, den Handwerkerinnen und Handwerkern Wertschätzung für ihre Arbeit entgegenzubringen», sagt Knöpfli, «Nur so können die alten Traditionen überleben».

Knöpfli gilt heute als Pionier der Fairtrade-Bewegung, denn er eröffnete 1974 in einem Heimaturlaub einen Laden mit den geschaffenen Handwerksobjekten in Basel. Zudem erarbeitete er Fachliteratur über die verschiedenen Handwerkstechniken. Schriften, die heute in Kamerun selbst zu Standardwerken avancierten. Zurück in der Schweiz übersetzte Knöpfli diese Bücher ins Deutsche und gab sie 2008 gesammelt unter dem Titel «Grasland – eine afrikanische Kultur» heraus.

Heute nimmt es Knöpfli etwas ruhiger. «Mir ist wichtig, dass ich jeden Tag meine Tagesstruktur leben kann», erzählt er. Immer noch beschäftigt er sich mit seinen Erfahrungen aus Afrika und in seinem Haus erinnern viele Gegenstände aus Kamerun an seine spannenden und lehrreichen Jahre.