Lange Schulkarrieren sind bei den Jugendlichen im Kanton Solothurn nicht sonderlich beliebt. Jedenfalls dann, wenn man den Kanton als Ganzes überblickt. Gemäss den neuesten verfügbaren Zahlen haben im Jahr 2014 immerhin ein wenig mehr junge Solothurnerinnen und Solothurner das Gymnasium absolviert als noch im Jahr zuvor.

Mit einer gymnasialen Maturitätsquote von total 15,6 Prozent (2013: 14,2 Prozent) belegt Solothurn in der Rangliste der Kantone derzeit den viertletzten Platz –  vor St. Gallen (14,2 Prozent), Thurgau (14,6 Prozent) und Schaffhausen (15 Prozent).

Liegen in der Ostschweiz gleich mehrere Kantone mit einer ähnlich tiefen Quote dicht beieinander, ist Solothurn umgeben von Kantonen, in denen zum Teil bedeutend mehr Jugendliche eine gymnasiale Matura absolvieren.

Im Kanton Baselland sind es 22 Prozent, im Jura gar 23,7 Prozent, etwas tiefer ist der Anteil im Kanton Bern (18 Prozent) und im Aargau (16,9 Prozent). Im Durchschnitt schliesst in der Schweiz gut jeder fünfte Jugendliche die Schule mit einer gymnasialen Matura ab (20,2 Prozent).

Etwas besser präsentiert sich die Solothurner Position bei den berufsbezogenen Maturitätsabschlüssen. Mit 13 Prozent liegt der Kanton aber auch bei der Berufsmatur unter dem Schweizer Durchschnitt (14,8 Prozent). Leicht überdurchschnittlich fällt mit 2,7 Prozent der Anteil der Fachmaturanden aus (schweizweit: 2,5 Prozent)

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Grafik: Elia Diehl

Gymnasiale Maturitätsquote 2014 im Kanton Solothurn

Ungleiche Verteilung 

Solothurn ist aber nicht gleich Solothurn. Das zeigt ein Blick auf die Maturitätsquoten der einzelnen Soloturner Bezirke. Erstmals hat das Bundesamt für Statistik bei der Auswertung der aktuellen Daten die Maturitätsquoten auch auf der Ebene der rund 150 Schweizer Bezirke erhoben.

Bei der Solothurner Bezirksanalyse der Gymi-Quote (siehe die Grafik) fällt sofort der ausserordentlich hohe Anteil im Bezirk respektive der Stadt Solothurn auf. 2014 hat fast jeder oder jede dritte 19-Jährige mit Wohnsitz in der Stadt Solothurn die Matura gemacht, die allermeisten wohl an der Kantonsschule Solothurn.

Mit der Quote von 31,9 Prozent kommt der Bezirk Solothurn im Ranking sämtlicher Schweizer Bezirke unter den ersten sieben zu liegen. Vor Soloturn liegen mit Bellinzona, Blenio und Riviera drei Tessiner Bezirke. Der ganze Kanton Tessin weist dabei schweizweit eine der höchsten Maturitätsquoten auf.

Noch mehr Maturanden als die Stadt Solothurn haben weiter die «Goldküsten»-Bezirke Meilen im Kanton Zürich sowie Lavaux-Oron im Kanton Waadt. Neben Meilen der einzige Deutschschweizer Bezirk mit einer höheren Quote als Solothurn ist der Bezirk Mittelland (Appenzell Ausserrhoden). Über eine aussergewöhnlich hohe Quote verfügt in der Deutschschweiz zudem mit 30,5 Prozent der Stadtkanton Basel-Stadt.

Insbesondere in den deutschsprachigen Kantonen, die generell tiefere Maturitätsquoten als die Romandie oder das Tessin aufweisen, dürfte die Schere zwischen Stadt und Land besonders gross sein. Aus der Bezirksanalyse des Bundesamts für Statistik wird dies allerdings nur in Ansätzen erkennbar.

Solothurn ist schweizweit eine der ganz wenigen Städte, die identisch sind mit einem Bezirk. Damit aber ist die Ausnahme-Quote des Bezirks Solothurn zu relativieren. Ähnlich hohe Anteile wie Solothurn dürften nämlich eine Reihe weiterer Städte aufweisen. Vor allem, wenn sie wie Solothurn Kantonshauptstadt sind und über ein entsprechend hohes Bildungsangebot verfügen, einschliesslich einer Kantonsschule. In den städtischen Zentren oder in deren Nähe siedeln sich oft besonders viele gut qualifizierte und an Bildung interessierte Personen an, die ihre Kinder entsprechend fördern.

Dies erklärt auch, weshalb der Bezirk Lebern eine verhältnismässig hohe Maturitätsquote aufweist. Viele Gemeinden liegen hier im Einzugsgebiet der beiden Städte Solothurn und Grenchen.

Erstaunlich ist andererseits, dass nur gerade jeder zehnte Jugendliche aus dem Bezirk Wasseramt eine gymnasiale Maturität absolviert, obwohl der Bezirk in weiten Teilen zur Agglomeration Solothurn gehört. Die doch recht tiefe Gymi-Quote spiegelt möglicherweise die nach wie vor stark auf die Industrie ausgerichtete Prägung der Gemeinden.

Sek-I-Reform wird wenig ändern

Je ländlicher eine Region ist, desto geringer fällt die Maturitätsquote aus, zumal dann, wenn die Gemeinden nicht auf ein grösseres städtisches Zentrum ausgerichtet sind. Klassiker für diese Beobachtung sind im Kanton Solothurn die Bezirke Bucheggberg, Gäu und vor allem das Thal.

Alle drei Regionen liegen in der Schweizer Statistik unter den sieben Bezirken mit den geringsten gymnasialen Maturitätsquoten. Mit der Ausnahme des Bezirks Dietikon (Kanton Zürich) zeichnen sich auch die anderen drei Bezirke durch einen ausgesprochen ländlichen Charakter aus (die aargauischen Bezirke Kulm und Muri sowie der Bündner Bezirk Surselva). Bemerkenswert ist sicher die recht hohe Quote im vornehmlich ländlichen Bezirk Thierstein. Wie auch im Bezirk Dorneck wird hier der Einfluss der Grossregion Basel deutlich.

Auch mit der Sek-I-Reform, die ganz bestimmte Schülerquoten für die Sek P (Progymnasium) verordnet, wird sich an der ungleichen Verteilung der Maturandinnen und Maturanden im Kanton Solothurn wohl kaum etwas ändern. Die ersten Sek-P-Absolventen besuchen derzeit die dritten Maturitätsklassen an den Kantonschulen in Solothurn, Olten und im Raum Basel. Im Sommer 2017 werden sie mit der Matura in der Tasche die Schule verlassen.