Sportlager
Wer einmal im «anderen Lager» dabei war, kommt wieder

Das «Das andere Lager» findet bereits zum 24. Mal statt. Dieses Jahr wird das Sportlager für behinderte und nicht behinderte Jugendliche in Willisau durchgeführt.

Letizia Krummenacher
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«Das andere Lager»
13 Bilder
Zielscheiben beim Bogenschiessen
Nach den ersten Versuchen trafen die Jugendlichen schon ziemlich gut
Wer vom Bogenschiessen genug hatte, konnte sich auch beim Armbrustschiessen versuchen
Tanzen geht auch im Rollstuhl
Tanzen geht auch im Rollstuhl
Mit den besseren Tricks gewinnt beim Schwingen auch mal der Schwächere
Die Jugendlichen feuerten einander an
Das Luftgewehr ruhig zu halten und richtig zu zielen, ist nicht ganz einfach
Kontrolle beim Luftgewehrschiessen, wie gut die Jugendlichen getroffen haben
Im richtigen Rhythmus zu trommeln, ist nicht für alle ganz einfach
Das Küchenteam kocht für 140 Leute
Bruno Huber (links) an der offiziellen Begrüssung am Besuchstag

«Das andere Lager»

Letizia Krummenacher

Die zwei Jugendlichen geben sich die Hand und rufen: «Fairer Kampf!» Dann packen sie sich gegenseitig an den Schwingerhosen. Der Sportleiter kontrolliert die Griffe und gibt den Startschuss. Die umstehenden Jugendlichen feuern die beiden Schwinger an, bis einer der beiden auf dem Rücken landet. Danach stehen beide auf und der Gewinner wischt dem Verlierer das Sägemehl vom Rücken.

Das Besondere daran: Im Sägemehl kämpfen behinderte und nicht behinderte Jugendliche miteinander. Das stört aber niemanden. Denn im Sport sind alle gleich. Jeder hat seine Stärken und Schwächen, egal ob mit oder ohne Behinderung.

Lernen, andere zu akzeptieren

Mit dem Leitgedanken «Sport verbindet und integriert» führt der Panathlon-Club Solothurn bereits zum 24. Mal «das andere Lager» durch. Im einwöchigen Sportlager lernen sich je 45 behinderte und nicht behinderte junge Erwachsene aus dem Kanton Solothurn bei Spiel und Sport kennen. Sie lernen, aufeinander einzugehen, einander zu akzeptieren und ernst zu nehmen. «Das andere Lager» findet dieses Jahr im Willisauer Sportzentrum statt, da die Sportanlage im früher schon besuchten Schwarzsee zurzeit umgebaut wird.

Das Sportlager für 90 behinderte und nicht behinderte Teilnehmer braucht eine umfangreiche Planung und Organisation. Das Leiterteam besteht aus sieben Personen, die sich um die Bereiche Betreuung, Bewegungs- und Begegnungsprogramm, Administration, Sponsoring und Küche kümmern.

Obwohl es im Team keinen Chef gibt, sticht doch eine Person hervor. Der 78-jährige Bruno Huber aus Grenchen ist als einziger seit dem ersten «anderen Lager» im Leiterteam mit dabei. Er ist für die Finanzierung und die Medienkontakte zuständig. Über die Jahre hat er sich ein dichtes Netzwerk an Sponsoren und Gönnern aufgebaut. Huber hält fest: «Erst durch die grosszügige finanzielle Unterstützung und das riesige Engagement der rund 50 Betreuer, Sportleiter und freiwilligen Helfer ist es möglich, das Lager in dieser Form durchzuführen.»

Zudem freue er sich besonders über die Helfer-Anfragen von Leuten, die vor ein paar Jahren selber als Schüler am Lager teilgenommen haben. Das zeige, welche positiven Erinnerungen und Erlebnisse die Begegnung bei den behinderten und nicht behinderten jungen Menschen hinterlasse.

So wurde das Lager zum Erfolg

Aber auch das vielfältige Programm trägt seinen Teil zum gelungenen Lager-Erlebnis bei. In diesem Jahr standen den Teilnehmern insgesamt 22 verschiedene Bewegungs- und Begegnungsangebote zur Auswahl wie Klettern, Windsurfen, Rollstuhl-Basketball, Unihockey, Luftgewehr- und Bogenschiessen, Curling, Tennis, Musizieren und Gesellschaftsspiele.

Ein grosses Lob gebühre auch dem siebenköpfigen Küchenteam, wie Huber sagt. Jede Mahlzeit werde aus frischen, selber gerüsteten Zutaten gekocht. Es kommen keine Fertigprodukte zum Einsatz. Die Küche ist das Herz eines Lagers, wie jeder selber weiss, der schon einmal in einem Lager war. Gerade in einem Sportlager zaubert ein gutes Essen nach einem anstrengenden Tag allen wieder ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht.

Am Besuchstag konnten sich die geladenen Gäste mit eigenen Augen davon überzeugen, was «das andere Lager» ausmacht. Die Gemeindepräsidenten Anton Probst aus Bellach und Kuno Tschumi aus Derendingen, Mitglieder des Panathlon-Clubs, Vertreter aus dem Blumenhaus Buchegg, langjährige Gönner und Kantonsratspräsident Ernst Zingg aus Olten waren am Dienstag anwesend. Am Morgen erhielten sie Einblicke in die verschiedenen Bewegungs- und Begegnungsangebote. Nach der offiziellen Begrüssung von Huber sagte Kantonsratspräsident Zingg noch einige wenige Worte und sprach damit wohl allen aus dem Herzen: «Danke Bruno, für all das, was du tust.»